UN-Studie

Von Afrika nach Europa gehen vor allem die Gebildeten

Eine UN-Studie hat nach den Biografien afrikanischer Einwanderer in Europa gefragt. Es sind nicht die Abgehängten, die auswandern.

Eine Frau in einem UN-Flüchtlingscamp im westafrikanischen Mali: 58 Prozent aller afrikanischen Einwanderer in Europa hatten in ihrer Heimat einen Job oder gingen zur Schule.

Eine Frau in einem UN-Flüchtlingscamp im westafrikanischen Mali: 58 Prozent aller afrikanischen Einwanderer in Europa hatten in ihrer Heimat einen Job oder gingen zur Schule.

Foto: Nicolas Remene / Le Pictorium / imago/Le Pictorium

New York.  Einwanderer aus afrikanischen Ländern in Europa sind einer neuen Studie zufolge häufig besser gebildet als Altersgenossen in ihren Heimatländern. 58 Prozent von knapp 2000 Befragten hatten vor ihrer irregulären Einreise entweder einen Job oder gingen in ihrer Heimat noch zur Schule. Das geht aus einem neuen Bericht des UN-Entwicklungsprogramms UNDP hervor, der am Montag in New York veröffentlicht wurde.

Im Schnitt seien sie demnach mindestens drei Jahre länger ausgebildet worden als Gleichaltrige in der Heimat. „Daraus lässt sich schließen, dass eine verstärkte Bildung den Horizont und die Ambitionen des Einzelnen erheblich erweitert hat“, heißt es im Bericht. Eine Mehrheit der Berufstätigen hätten in ihrem Herkunftsland „konkurrenzfähige“ Gehälter bekommen, viele hätten trotzdem nicht das Gefühl gehabt, angemessen bezahlt zu werden.

Einwanderer berichten von Gefahren auf ihrer Reise

Der Bericht „Scaling Fences“ hebe hervor, „dass Migration ein Widerhall des Entwicklungsfortschritts in ganz Afrika ist, auch wenn der Fortschritt ungleichmäßig verteilt ist und nicht schnell genug voranschreitet, um die Erwartungen der Menschen zu erfüllen“, sagte UNDP-Chef Achim Steiner. Wichtige Gründe für die Auswanderung seien die begrenzten Möglichkeiten und Chancen der Menschen in ihrer Heimat.

Gut die Hälfte der Migranten gab an, für die Reise nach Europa von Verwandtschaft und Freunden unterstützt worden zu sein. Etwa 78 Prozent schickten nun Geld zurück. Vielfach hätten die Menschen aber ein Gefühl des Versagens, nicht ausreichend finanzielle Mittel in die Heimat transferieren zu können.

Für die Studie wurden Befragungen von 1970 Migranten aus 39 Afrikanischen Ländern ausgewertet, die in 13 europäischen Staaten leben. 93 Prozent von ihnen gaben an, auf ihrer Reise mit Gefahren konfrontiert gewesen zu sein. Trotzdem sagten nur zwei Prozent, dass sie die Reise nicht angetreten hätten, wenn sie gewusst hätten, was auf sie zukommt.

Mehr als 1000 Tote auf dem Mittelmeer 2019

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind im Jahr 2019 bislang mehr als 91.000 Migranten nach Europa eingereist – deutlich weniger als in den Vorjahren. Die meisten von ihnen kamen auf dem gefährlichen Seeweg von Libyen oder Marokko in oftmals schrottreifen Booten. Die IOM geht davon aus, dass dieses Jahr mehr als 1000 Menschen bei der Überfahrt im Mittelmeer starben.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte sich im September im Frankreich, Italien und Malta auf einen Verteilmechanismus für Bootsflüchtlinge auf der zentralen Mittelmeerroute verständigt. Andere EU-Staaten erteilten Seehofer allerdings eine Absage , so dass derzeit keine Lösung in dem Streit absehbar ist. (küp/dpa/epd)