Kundgebung

Kurden-Demonstration in Herne eskaliert – fünf Verletzte

Eine Kurden-Demo gegen die Militäroffensive der Türkei ist in Herne aus dem Ruder gelaufen. Provokationen trugen zur Eskalation bei.

Vor dem Sitz eines türkischen Vereins in Herne kam es zur Eskalation. Vereinsmitglieder verbarrikadierten sich in den Räumen.

Vor dem Sitz eines türkischen Vereins in Herne kam es zur Eskalation. Vereinsmitglieder verbarrikadierten sich in den Räumen.

Foto: Lars-Oliver Christoph

Herne. Die Militäroffensive der Türkei in Nordsyrien beschäftigt nicht nur die Politik. In vielen Deutschen Städten gehen die Menschen auf die Straße. In der Ruhrgebietsstadt Herne ist am Montag eine zunächst friedliche Kurden-Demo aus dem Ruder gelaufen. Mehrere Verletzte mussten ins Krankenhaus gebracht werden, darunter auch ein Polizist.

Mehr als 600 Menschen – in der großen Mehrzahl Kurden – demonstrierten am Montagabend in der Herner Fußgängerzone gegen die türkische Militäroffensive in Syrien. Beim anschließenden Protestzug durch Herner Straßen eskalierte die Lage. Die Demo war von MLPD, der Montagsdemo und mehreren kurdischen Verbänden angemeldet worden.

Hatte es zunächst lediglich Meldungen über einen Verletzten gegeben, zeigte sich am späten Montagabend das wahre Ausmaß der Eskalation. Mindestens fünf Verletzte mussten ins Krankenhaus gebracht werden, darunter auch ein Polizist. Das berichtete Polizeisprecher Frank Lemanis am späten Montagabend unserer Redaktion.

Herne: Demonstranten zertrümmern Türen, Fenster und Möbel

Demnach habe in der Nähe der Fußgängerzone ein Mann aus einem Kiosk heraus die kurdischen Demonstranten mit dem Handzeichen für die „Grauen Wölfe“ – eine rechtsextreme türkische Organisation – provoziert, berichtete Lemanis. Daraufhin seien Kurden in den Kiosk gegangen und hätten den Provokateur und dessen Partnerin verletzt. Beide mussten in ein Krankenhaus gebracht werden.

Wenige Straßen weiter kam es kurz darauf zur nächsten Eskalation: Mitglieder eines dort ansässigen Vereins hätten den Demonstranten etwas zugerufen, so Lemanis. Daraufhin seien einige Demonstranten in die Räumlichkeiten gestürmt und hätten Möbel zertrümmert.

Nachdem sie auch eine Glastür, Fenster und die zum Schutz heruntergelassenen Rollläden beschädigt hatten, konnten Polizisten und Ordner von MLPD und Kurdenverbänden die überwiegend jungen Angreifer zurückdrängen und beruhigen.

Die Demonstration wurde kurz nach 20 Uhr beendet; anschließend kreiste noch bis weit nach 21 Uhr ein Polizeihubschrauber über Herne. Und: Mehrere Polizeikräfte blieben aus Sicherheitsgründen noch bis weit nach 23 Uhr vor Ort.

Kurden-Demo: Kritik an Waffenlieferungen der Bundesregierung

Ein Mitorganisator der Demonstration, Peter Weispfenning (MLPD), räumte gegenüber unserer Redaktion ein, dass die Eskalation vor allem von jungen Kurden ausgegangen sei. „Ich kann das nicht tolerieren, aber ich kann das verstehen“, sagte der Herner. Viele hätten Familienangehörige im Kriegsgebiet und wüssten nicht, ob diese noch lebten.

Selbstkritisch räumte er ein, dass es zu lange gedauert habe, bis sie die Lage in den Griff bekommen hätten. An mangelndem Einsatz Weispfennings lag dies wohl nicht: Beim Versuch, junge Kurden zurückzuhalten, holte sich der Rechtsanwalt im Getümmel eine blutige Nase.

Die Kundgebung in der Herner Fußgängerzone war zuvor friedlich verlaufen. Redner griffen nicht nur die Erdogan-Regierung an, sondern geißelten auch Waffenlieferungen Deutschlands und anderer Staaten an die Türkei. „Wir haben kein Vertrauen mehr. Wir können nur noch eins tun: solidarisch sein und zusammenstehen“, so ein verzweifelter kurdischer Redner.