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Rede gegen Rechts von Grönemeyer: Warum Maas ihn verteidigt

Grönemeyer hat sich bei einem Auftritt stark gegen Rechts gemacht – und wird wegen des Tonfalls kritisiert. Heiko Maas verteidigt ihn.

Sänger Herbert Grönemeyer.

Sänger Herbert Grönemeyer.

Foto: Carsten Rehder / dpa

Berlin. Popstar Herbert Grönemeyer äußert sich bei seinen Konzerten immer wieder politisch und bezieht Stellung gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit – mit einer Rede bei einem Auftritt in Wien löste er nun eine Diskussion im Netz aus. Nutzer warfen ihm vor, sich im Ton vergriffen zu haben.

Außenminister Heiko Maas schaltete sich am Sonntag via Twitter ein. Er stärkte Grönemeyer den Rücken für sein Engagement. „Es liegt an uns, für eine freie Gesellschaft einzutreten und die Demokratie gemeinsam zu verteidigen“, schrieb der SPD-Politiker am Sonntag auf Twitter. „Danke an Herbert #Groenemeyer und allen anderen, die das jeden Tag tun.“

Dazu stellte Maas das Video eines Konzerts, das vergangene Woche bei einem Auftritt in Wien entstanden sein soll. Darin ruft Grönemeyer dazu auf, „keinen Millimeter nach rechts“ zu rücken.

Herbert Grönemeyer bezieht Stellung gegen Rechts – Kritik von der AfD

Bei Twitter gab es am Wochenende Stimmen unter anderem von AfD-Politikern, die Grönemeyers teilweise herausgebrüllten Aufruf mit Nazi-Propaganda verglichen. Einige Kommentare störten sich auch daran, dass der Musiker das Wort „diktieren“ nutzte.

Grönemeyer sagt in dem Konzertvideo etwa, auch wenn Politiker schwächelten, und das sei in Österreich nicht anders als in Deutschland, „dann liegt es an uns, zu diktieren, wie ‘ne Gesellschaft auszusehen hat. Und wer versucht, so ‘ne Situation der Unsicherheit zu nutzen für rechtes Geschwafel, für Ausgrenzung, Rassismus und Hetze, der ist fehl am Platze (...).“

Kritik an dem Auftritt kam nicht nur aus dem rechten Lager. Der Autor und Dramaturg Bernd Stegemann, Unterstützer der linken Sammlungsbewegung „Aufstehen“, schrieb auf Twitter: „Der Tonfall, mit dem Grönemeyer sein Publikum politisch anheizt, macht mir ein wenig Angst. Ich sags ungern, aber er klingt wie ein Redner vor 1945.“

Kabarettist Florian Schroeder: Grönemeyer brüllt alle Moderationen so

Verteidigt wurde der Musiker etwa vom Kabarettisten Florian Schroeder. Als Besucher des Berliner Grönemeyer-Konzerts könne er bestätigen und beruhigen: Grönemeyer brülle alle seine Moderationen so wie diese. „Grönemeyers Aufruf mit einer Sportpalast-Rede zu vergleichen, ist infam und vor allem dumm“, schrieb Schroeder auf Twitter. Entscheidend sei der Inhalt einer Rede, nicht der Ton. „Wer den Ton, die Form, vom Gesagten trennt oder darüber stellt, betreibt gerade das Geschäft der Faschisten.“

Der Satiriker Shahak Shapira schrieb: „Vergleichen Leute jetzt Grönemeyer mit Goebbels, nur weil er eine Rede in ähnlicher Lautstärke gehalten hat? Mein Föhn ist ungefähr so laut wie eine Kettensäge und ich bekomme trotzdem unterschiedliche Ergebnisse, wenn ich sie mir an den Kopf halte.“

Die stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, Beatrix von Storch, twitterte: „Das ist die furchterregendste, übelste, totalitärste Hassrede, die ich je gehört habe.“ Das sei Ton und Furor „des neuen Terrors von links“, schrieb sie. „Wer das unterstützt, ist – wie Heiko Maas – ein Fall für den Verfassungsschutz.“

Grönemeyer trat auch bei Festival in Chemnitz auf

Pop-Star Grönemeyer („Männer“, „Mensch“) gehört zu den Musikern in Deutschland, die sich immer wieder politisch äußern. Im Juli trat Grönemeyer mit anderen Starts bei einem Festival in Chemnitz gegen Rechts auf. Dort hatte er gesagt: „Das Land ist unser Land. Wir halten es fest und stabil und lassen es nicht nach rechts ausschwenken.“

Dass Maas sich mit Musikern gegen Rechts solidarisch zeigt, ist nicht neu: So lobte er 2016 neben Campino von den Toten Hosen und dem Rapper Marteria die linke Punkrockband Feine Sahne Fischfilet für ihr Engagement. Das brachte dem SPD-Politiker auch Ärger ein.

Grönemeyer äußerte sich auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur zunächst nicht. Maas’ Bundestagsbüro schrieb, es werde am Sonntag keine weitere Stellungnahme geben. (dpa/les)