Ex-Kanzler

Schröder wettet: Laschet tritt für CDU als Kanzler an

Altkanzler Gerhard Schröder spricht über die Notlage der SPD. Und hat schon einen Favoriten für die nächste Bundestagswahl auserkoren.

Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD)

Ex-Kanzler Gerhard Schröder (SPD)

Foto: Federico Gambarini / dpa

Berlin. Der frühere SPD-Chef und Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder erwartet, dass der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet nächster Kanzlerkandidat der Union wird. „Ich würde ein gutes Abendessen in diesem schönen Restaurant darauf verwetten, dass die CDU am Ende auf ihn zukommen wird“, sagte der 75-Jährige in einem Doppelinterview mit Laschet der „Rheinischen Post“.

Zu den Chancen der seit Dezember 2018 amtierenden CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte Schröder: „Es gibt in der CDU eine Debatte, ob die Vorsitzende geeignet ist. Das will ich nicht beurteilen.“

Schröder: SPD darf Anspruch auf Kanzlerschaft nie aufgeben

Weiter sagte er: „Aber dass Armin Laschet hier als Ministerpräsident einen guten Job macht, ist offensichtlich, und natürlich ist der nordrhein-westfälische Regierungschef immer auch ein potenzieller Kanzlerkandidat.“

Laschet selbst sagte dazu: „Ich bin sehr gerne Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, da gibt es auch noch viel zu tun. Und über die Kanzlerschaft werden wir entscheiden, wenn der Zeitpunkt da ist.“

Auf die Frage, ob die Kanzlerkandidatur in der Union offen sei, antwortete Laschet: „Das ist eine Binsenweisheit. Die Parteivorsitzende wird diesen Prozess führen. Und es ist verabredet, dass wir uns rechtzeitig vor der Wahl 2021 über einen Kandidaten oder eine Kandidatin verständigen.“

Schröder hält nichts von Doppelspitze

Auf die Frage, ob die SPD noch einen Kanzlerkandidaten brauche, antwortete Schröder : „Natürlich, sie darf den Anspruch nicht aufgeben, den Regierungschef in Deutschland wieder zu stellen.“

Schröder hält nicht viel von dem Plan, die Traditionspartei künftig von einer Doppelspitze führen zu lassen. „Ich glaube, da wird der Versuch gemacht, etwas zu kopieren, was andere Parteien schon nicht immer als Erfolg erlebt haben“, sagte der 75-Jährige.

Schöder riet: „Man muss sich auf seine eigenen Stärken besinnen.“ Der Parteivorstand wirbt für die Einführung einer Doppelspitze, die auf dem Parteitag im Dezember gewählt werden soll. Die Doppelspitze soll die SPD als Team gemeinsam führen.

15 Kandidaten

Auch fremdelt Schröder mit dem aufwendigen Verfahren, zu dem unter anderem 23 Regionalkonferenzen gehören, auf dem sich die Kandidaten der Basis vorstellen. „Diese langwierige Form von Führungsfindung liegt mir nicht“, sagte Schröder dem Blatt. Bis 12. Oktober werden die 15 Kandidaten, sieben Duos und ein Einzelbewerber, bei den weiteren Regionalkonferenzen um Stimmen werben.

Bei der künftigen Ausrichtung seiner Partei hat Schröder die SPD vor einem Linksruck gewarnt. „Es ist ein Irrweg, grüner werden zu wollen als die Grünen und linker als die Linken. Dann wird die SPD überflüssig“, sagte Schröder in dem Interview. Als Beispiel nannte Schröder den Klimaschutz. „Man muss klar Position beziehen, aber zugleich deutlich machen, dass die Ziele nur über die Zeitschiene durchgesetzt werden können, damit es keine sozialen Verwerfungen in der Gesellschaft gibt.“

Vorbild: Kohlekompromiss

Der vernünftige Kohlekompromiss sei ein gutes Beispiel. Schröder mahnte auch: „Die SPD kann als Volkspartei nur erfolgreich sein und regierungsfähig bleiben, wenn sie die politische Mitte für sich gewinnt.“ Das sei 1998 und 2002 gelungen, 2005 mit immerhin 34,2 Prozent fast auch.