Ex-Nationalspieler

Kinderporno-Vorwurf: Metzelder lässt Stiftungs-Ämter ruhen

Christoph Metzelder schweigt zum Vorwurf, dass er Kinderpornografie verbreitet haben soll. Nicht nur der DFB zieht daraus Konsequenzen.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder. Im Raum steht der Verdacht des Verbreitens kinderpornografischer Schriften.

Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt gegen Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder. Im Raum steht der Verdacht des Verbreitens kinderpornografischer Schriften.

Foto: Andreas Gebert / dpa

Hamburg. Die Ermittlungen gegen Ex-Nationalspieler Christoph Metzelder wegen des Vorwurfs der Verbreitung kinderpornografischer Schriften haben weitere Konsequenzen: Nun verließ ein Theologie-Professor das Kuratorium der Stiftung des Ex-Fußballers. Diese hat zudem ihren Internetauftritt derzeit beschränkt, verweist auf der Homepage nur noch auf das laufende Verfahren.

„Christoph Metzelder wird seine Ämter bei der Stiftung bis zur finalen Aufklärung des Ermittlungsverfahrens ruhen lassen“, heißt es dort. Es wird darum gebeten, auf Interview-Anfragen „mit Rücksicht auf die Privatsphäre der Kinder, Jugendlichen, Eltern und Mitarbeiter unserer Förderprojekte“ zu verzichten. Weitere Stellungnahmen würde es vorerst nicht geben.

Vorwürfe gegen Metzelder: Stiftungs-Mitglied kritisiert Schweigen

Theologie-Professor Peter Schallenberg, der das Kuratorium verlassen hat, hatte zuvor erklärt, er tue dies erstens wegen der Schwere der Vorwürfe „und zweitens wegen des mir unbegreiflichen Schweigens sowohl des Christoph Metzelder wie auch der Stiftung, was für mich wiederum angesichts der Schwere der Anschuldigung ebenso unbegreiflich wie unangemessen ist“, teilte Schallenberg der Deutschen Presse-Agentur am Freitag mit. Zunächst hatte Radio Hochstift über den Schritt des Paderborner Theologen berichtet.

Zuvor hatte Metzelder selbst bereits die von ihm mitgegründete PR-Agentur verlassen. Diese Entscheidung habe man gemeinsam getroffen, sagte sein Geschäftspartner Raphael Brinkert am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Eine gemeinsame Fortführung der Agentur „BrinkertMetzelder“ sei zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.

Christoph Metzelder äußert sich weiter nicht zu Vorwürfen

Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass sie gegen Metzelder wegen des Verdachts der Verbreitung von Kinderpornografie ermittelt. Metzelder und sein Düsseldorfer Anwalt Rüdiger Deckers haben sich zu den Vorwürfen noch nicht geäußert.

Die Vorwürfe und Ermittlungen hätten ihn genauso überrascht wie die Öffentlichkeit, sagte Metzelders Ex-Geschäftspartner Brinkert. Der „Spiegel“ hatte zuerst berichtet, dass Metzelder aus dem Unternehmen aussteigt. Noch am Montag hatte die auf soziale Kampagnen spezialisierte Agentur bekanntgegeben, dass sie ihr Geschäft auf Sport-Marketing ausdehnen will.

Vorwürfe gegen Christoph Metzelder – Löw will Vorgang nicht kommentieren

Fahnder des Landeskriminalamtes Hamburg hatten am Dienstag die Wohnung und den Aufenthaltsort des Ex-Nationalspielers durchsucht. Der 38-Jährige selbst war an der Sportschule Hennef angetroffen worden. Einen Haftbefehl gegen Christoph Metzelder gibt es nicht.

Der Ex-Fußballprofi begleitete die Polizisten zu der Durchsuchung seines Wohnortes. Das ist als Beschuldigter sein Recht. Metzelder, so hieß es aus Kreisen der Ermittlungsbehörden, habe sich kooperativ verhalten.

Christoph Metzelder: „Bild“ informierte Polizei

Laut „Bild“ hatte eine Hamburgerin die Ermittlungen gegen den Vize-Fußballweltmeister von 2002 ausgelöst. Ihr soll er via WhatsApp mehr als ein Dutzend Fotos mit kinderpornografischem Inhalt geschickt haben.

Die Hamburger Polizei hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft einen Hinweis eines Dritten erhalten, wonach die Frau kinderpornografische Dateien von Metzelder zugeschickt bekommen habe. Die Polizei habe die Frau daraufhin kontaktiert und als Zeugin befragt, so eine Behördensprecherin. Die Hamburger Polizei bestätigte am Donnerstag, dass es die „Bild“-Zeitung war, die sie über den Verdacht gegen den Vize-Weltmeister von 2002 informiert habe.

DFB: Metzelder nimmt nicht am Lehrgang teil

Unterdessen erklärte der Deutsche Fußball-Bund (DFB): „Die Teilnahme von Christoph Metzelder am laufenden Fussballlehrer-Lehrgang ruht einvernehmlich bis zur Klärung der gegen ihn erhobenen Vorwürfe.“

Fußball-Bundestrainer Joachim Löw wollte die Ermittlungen gegen den Ex-Nationalspieler nicht kommentieren. „Da ich die ganze Sachlage nicht aus erster Hand weiß, deswegen kann ich und möchte ich mich absolut nicht äußern“, sagte Löw in Hamburg.

Ermittler hatten es auf elektronische Geräte abgesehen

Bei der Durchsuchung am Dienstag hatten es die Ermittler des Hamburger LKA 42, zuständig für Sexualdelikte beim Landeskriminalamt, vor allem auf elektronische Geräte wie Handy, Computer oder auch Datenträger abgesehen.

Laut Liddy Oechtering, Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft, läuft die Auswertung des sichergestellten Beweismaterials. Am Mittwoch hatte die Hamburger Staatsanwaltschaft die Ermittlungen in einer Stellungnahme bestätigt.

Metzelder hatte bis 2013, zuletzt bei Schalke, als Profi-Fußballer gespielt. 2002 war der Verteidiger nicht nur Vize-Weltmeister, sondern auch Deutscher Meister mit Borussia Dortmund geworden. Unmittelbar nach dem Ende seiner aktiven Fußballerkarriere hatte er seine Fernsehkarriere bei Sky begonnen. Erst im August war er zur ARD gewechselt, wo er als Fußball-Experte Live-Übertragungen kommentierte.

Diese Zusammenarbeit hat die ARD nun mindestens unterbrochen. „Bis zur Klärung der Vorwürfe werden wir die Zusammenarbeit mit Christoph Metzelder ruhen lassen“, teilte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky mit.

Metzelder sitzt im Aufsichtsrat dese Vereins Preußen Münster – auch weiterhin: „Für uns gilt die Unschuldsvermutung als eines der zentralen rechtsstaatlichen Grundprinzipien“, teilte der Drittligist mit. „Wir haben großes Vertrauen in die Mechanismen dieses Rechtsstaates und in die zuständigen Behörden.“

Metzelder, Träger des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen, bekleidet führende Positionen in mehreren Organisationen. Sozial engagiert sich der Ex-Nationalspieler unter anderem mit einer eigenen Stiftung, die vor allem Projekte unterstützt, bei der es um die Förderung von Jugendlichen geht. (fmg/dpa)