Gipfel-Abschluss

Beziehung zwischen Merkel und Trump: Es ist kompliziert

Am letzten Gipfeltag sitzen Angela Merkel und Donald Trump zusammen. Beide lächeln – aber einfach ist es zwischen den beiden nicht.

US-Präsident Donald Trump begrüßt Kanzlerin Angela Merkel in Biarritz. Es sieht innig aus - ist es aber nicht.

US-Präsident Donald Trump begrüßt Kanzlerin Angela Merkel in Biarritz. Es sieht innig aus - ist es aber nicht.

Foto: Pool / Getty Images

Biarritz. Begegnungen mit sind immer heikel. Da der US-Präsident zu spontanem Verhalten und Reden neigt, weiß man im Vorfeld nicht, worauf man sich einstellen kann. Angela Merkel weiß das – und wappnet sich innerlich.

Unvergessen ist die Szene, als die deutsche Regierungschefin im März 2017 mit dem neuen Präsidenten vor dem Kamin im Oval Office saß, und Trump den obligatorischen Handschlag vor den Kameras verweigerte. Das Bild des starr nach vorn blickenden US-Präsidenten, der die deutsche Regierungschefin an seiner Seite quasi ignoriert, hat Merkel lange begleitet.

Am letzten Gipfel-Tag in Biarritz traf sie zu einem direkten Gespräch mit ihm zusammen.

Trump: Kein offizieller Deutschlandbesuch seit Amtsantritt

Beim G7-Gipfel in Biarritz saß Merkel mit Trump zusammen. Es ist ein Aufeinandertreffen der freundlicheren Art. Trump ist bestens gelaunt, der Gipfel lief gut für ihn. Er ist gut aufgelegt, scherzt, kündigt einen Deutschlandbesuch an. Er werde „sehr bald“ nach Deutschland kommen. „Ich habe Deutsches in meinem Blut.“ Trumps Vorfahren kommen aus Kallstadt an der Weinstraße in Rheinland-Pfalz.

US-Botschafter Richard Grenell hatte bereits im vergangenen Jahr einen Besuch Trumps in Kallstadt im Kreis Bad Dürkheim in Aussicht gestellt. Den dortigen Ortsbürgermeister Thomas Jaworek (CDU) bringt das nicht aus der Ruhe, wie er der Deutschen Presse-Agentur in Mainz am Montag sagte. „Wenn er kommt, dann kommt er, wenn er nicht kommt, dann kommt er nicht. Bis dahin schlägt unsere Kirchturmuhr ganz normal weiter.“

Und auch danach „werden wieder ganz viele normale Tagen folgen“.Konkrete Pläne seien ihm nicht bekannt. „Aber so, wie ich Donald Trump wahrnehme, ist er durchaus für Überraschung gut. Vielleicht steht er ja morgen zum Frühstück vor der Tür“, sagte Jaworek.

Seit seinem Amtsantritt im Januar 2017 macht Trump um Deutschland einen Bogen. In zweieinhalb Jahren hat er noch keinen offiziellen Besuch in der Bundesrepublik absolviert. Gemessen an Trumps Vorgängern ist sein Fernbleiben zumindest ungewöhnlich. Zumal er Frankreich und Großbritannien schon jeweils zwei Mal besucht hat. Auch nach Polen reist er nächstes Wochenende zum zweiten Mal.

Merkel und Trump haben sich wenig zu sagen

In Deutschland war Trump lediglich zum G20-Gipfel in Hamburg im Juli 2017 und dann im Dezember bei einem kurzen Zwischenstopp auf dem US-Stützpunkt in Ramstein auf dem Rückweg aus dem Irak. Besuche gelten als Ausdruck der gegenseitigen Wertschätzung. Trump zieht es also offensichtlich nicht gerade nach Deutschland. Er weiß, dass er in Deutschland auch in der deutschen Politik nicht allzu viele Fans hat.

In Merkel sieht er eine Verbündete – aber eine sehr kritische. Trump schätzt das nicht. Das Verhältnis der beiden ist am ehesten als nüchtern zu bezeichnen. Manchmal auch unterkühlt. Die Küsschen auf die Wangen beim Familienfoto bei verschiedenen Gipfeln können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Deutsche und der US-Amerikaner persönlich wenig zu sagen haben.

Er hat mit der trockenen und manchmal spröden Art der Kanzlerin ein Problem. Sie hält ihn und seine Umgangsformen für schwierig. Mindestens.

Kurze, vertraute Momente beim G7-Gipfel

Die Körpersprache und der Gesichtsausdruck von Merkel während Trump spricht, ist auf jeden Fall interessant. Sie hört zu, nickt manchmal. Und dann erstarrt in einigen Momenten ihre Miene, sie spitzt die Lippen, schaut ungläubig.

Besonders dann, wenn der Mann neben ihr die anwesenden Journalisten wegen angeblicher „Fake news“ beschimpft. Oder wenn er abfällig über den Demokraten Joe Biden spricht. Oder von Immobilien in Miami im Zusammenhang mit dem nächsten G7-Gipfel schwärmt.

Doch es gibt auch lockere, fast vertraulich wirkende Szenen an diesem Montag am französischen Atlantik. Merkel beugt sich öfter zu Trump, flüstert ihm etwas zu, beide lachen. Überhaupt wird viel gelacht in den zwanzig Minuten, in denen sich die beiden den Fragen der Reporter stellen.

Trump stellt baldigen Besuch in Deutschland in Aussicht

Auch als Trump der Frau neben ihm bescheinigt, brillant zu sein und Sachverhalte schneller als andere zu erfassen. Merkel nimmt es gelassen, kann sich ein kleines Lächeln jedoch nicht verkneifen. Komplimente hört eben auch eine Kanzlerin gern. Auch wenn es schon eine ungewöhnlicher Tonalität in der Beziehung zweier Staats- und Regierungschefs ist. Man redet nie übereinander, lautete die Formel, bevor Trump auf die Bühne der internationalen Politik kam.

Merkel sagt im Anschluss an das Treffen, die Atmosphäre sei auch hinter verschlossenen Türen „offen und unkompliziert“ gewesen. Man könne gut miteinander diskutieren, auch wenn man nicht einer Meinung sei. Und ein baldiger Besuch Trumps in Deutschland sei tatsächlich in Aussicht gestellt worden.

Es gibt wirklich vieles zu bereden zwischen Deutschland und den USA: Angesprochen auf die Drohung, deutsche Autos mit Zöllen zu belegen, antwortet Trump, er hoffe, dass dies nicht nötig sei. Merkel schaut ihn an dieser Stelle der Pressekonferenz verständnislos an. Schließlich hat der US-Präsident eine ganze Reihe von Handelskonflikten vom Zaun gebrochen – vor allem mit China, aber auch mit der EU. „Die Europäische Union ist schlimmer als China, nur kleiner“, sagte Trump kürzlich bei einer Wahlkampfveranstaltung.

Konfliktthemen mit den USA: Von Auto-Zöllen bis Gas-Pipeline

Am vergangenen Dienstag meinte er, die USA hätten alle Trümpfe in der Hand, „weil wir nur ihre Autos besteuern müssten und sie würden uns alles geben, weil sie Millionen Mercedes rüberschicken. Sie schicken Millionen BMW rüber“. Stichwort Mercedes und BMW: Treffen würden solche Zölle vor allem deutsche Autobauer.

Kommentar: Egal ob Bolsonaro oder Trump – manchmal hilft nur Druck

Trump läuft auch Sturm gegen die Ostsee-Pipeline, die ab dem kommenden Jahr Gas von Russland nach Deutschland liefern soll. Er argumentiert, Deutschland mache sich damit zur „Geisel Russlands“. Allerdings wollen die USA auch ihr im Überfluss vorhandenes Gas in Europa verkaufen.

Der US-Präsident argumentiert (sehr verkürzt), dass Deutschland Abermilliarden Euro für Gas an den „potenziellen Feind“ Russland zahlt, sich im Ernstfall aber von den USA beschützen lassen will - und gleichzeitig bei den Verteidigungsausgaben hinter den Nato-Verpflichtungen zurückbleibt.

Der US-Präsident fordert einen Anstieg der Verteidigungsausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr mit einem Anteil in Höhe von 1,36 Prozent – und betont dabei, dass die deutschen Verteidigungsausgaben stark ansteigen. Man hatte sich innerhalb der Nato ursprünglich auf das Zwei-Prozent-Ziel verständigt.

Trump über G7-Gipfel: „Zwei tolle Tage“

Einig sind sich Merkel und Trump in der Bewertung des G7-Gipfels. „Es waren zwei tolle Tage“, sagt Trump. „Wir haben einen sehr erfolgreichen G7.“ Beim letzten G7-Gipfel in Kanada hatte er selbst für einen Eklat gesorgt, weil er kurz nach seiner Abreise aus Ärger über Bemerkungen des kanadischen Premiers die Zustimmung zur Gipfelerklärung zurückgezogen hatte.

Merkel dankt den französischen Gastgebern und spricht von wichtigen Treffen, die etwas bewegt hätten. „Der feste Wille zu sprechen, ist schon mal ein großer Fortschritt“, sagt sie etwa mit Blick auf den Iran-Konflikt. Bei den Diskussionen im Kreis der Staats- und Regierungschefs habe es eine Atmosphäre gegeben, in der ausdrücklich Gespräche der Europäer mit dem Iran begrüßt worden seien. „Das geschieht in Koordinierung mit den Vereinigten Staaten von Amerika und das ist schon eine Menge.“

Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif war von Frankreich am Wochenende völlig überraschend an den Tagungsort des G7-Gipfels eingeladen worden. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte sich am Sonntagabend selbst mit Sarif in Biarritz getroffen. Trump hatte am frühen Morgen nach dem Besuch erklärt, er habe von dem Gast gewusst und den Besuch gutgeheißen.

Trump gibt Diplomatie im Iran-Konflikt womöglich eine Chance

Es war die Bestätigung dass Macron mit seinem brisanten Coup einen Erfolg verbuchen konnte. Lange Zeit war am Sonntag unklar geblieben, wie Trump das Manöver beurteilte. Es gab ein allgemeines Aufatmen als seien positive Reaktion deutlich wurde – auch in der deutschen Delegation. Selbst in Handelsfragen schlägt Trump bei dem Treffen mit Merkel versöhnliche Töne an. Er verkündete, dass die USA und China in ihrem Handelskrieg „sehr bald“ neue Verhandlungen aufnehmen wollten.

Ob Trump und Macron denn nun das neue Traumpaar der G7 seien, wird Merkel gefragt. „Das Traumteam der G7 sind die G7“, antwortet Merkel schlagfertig. Trump pflichtet ihr bei: „Gute Antwort“.Am Ende der öffentlichen Begegnung wird Trump von einer amerikanischen Journalistin gefragt, ob er es bedauere, dass sich mit Merkel die einzige Frau unter den G7-Chefs zurückziehe. „Ich bin ja noch da“, ruft Merkel. Trump nickt. „Und Sie werden überrascht sein, wie lange Sie noch da ist“, fügt er an. Es ist ein respektvoller Moment in dieser Beziehung mit Hindernissen.