Strahlenschutz

Vorsorge für Atomunfall: Bund ordert Millionen Jodtabletten

Das Bundesamt für Strahlenschutz hat laut einem Bericht 190 Millionen Jodtabletten bestellt. Sie können bei Strahlenbelastung helfen.

Das Atomkraftwerk Tihange in Belgien. Die Anlage stand in den vergangenen Jahren immer wieder wegen angeblicher Sicherheitsmängel in der Kritik. Der Westen von NRW wäre unmittelbar von einem Unfall betroffen.

Das Atomkraftwerk Tihange in Belgien. Die Anlage stand in den vergangenen Jahren immer wieder wegen angeblicher Sicherheitsmängel in der Kritik. Der Westen von NRW wäre unmittelbar von einem Unfall betroffen.

Foto: Oliver Berg / dpa

Berlin. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat laut WDR zur Vorsorge für einen Atomunfall 190 Millionen Jodtabletten bei einem Hersteller in Österreich bestellt. Recherchen der WDR-Reporter hätten ergeben, dass die Behörde ihren Bestand an Jodtabletten damit vervierfacht hat, hieß es. Die Entscheidung soll auf eine Empfehlung der Strahlenschutzkommission (SSK) zurückgehen.

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima hatte das Beratergremium der Bundesregierung vorgeschlagen, den Kreis der möglichen Empfänger von Jodtabletten im Fall einer Strahlenbelastung erheblich auszuweiten.

„Fukushima hat uns damals zwei Dinge gelehrt: Das eine ist, dass man auch mit Reaktorunfällen der Stufe INES 7 rechnen muss, also schwerer, als man vorher angenommen hat“, erklärte der Essener Strahlenbiologe und damalige Vorsitzende der SSK, Prof. Wolfgang Müller, gegenüber WDR-Reportern.

„Und zum zweiten, dass es durchaus auch mehrtägige Freisetzungen geben kann, was bedeutet, dass unter Umständen die Windrichtungen wechseln und viel mehr Gebiete betroffen sind, als das nach einer eintägigen Freisetzung der Fall wäre.“

Leben auf kontaminierter Erde- Als Reporter vor Ort in Fukushima

Unfall bei Raketentest in Russland setzte Strahlung frei

Das Risiko eines Super-GAU ist laut Müller trotz des für 2022 beschlossenen Atomausstiegs real – insbesondere wegen der zahlreichen grenznahen Atomkraftwerke. Im Westen von NRW, in der Region um Aachen, waren vor zwei Jahren wegen der unsicheren Lage im benachbarten belgischen AKW Tihange vorsorglich Jodtabletten an alle Bewohner unter 45 Jahre ausgegeben worden.

Erst vor wenigen Tagen war in Russland bei einem schiefgelaufenen Raketentest Radioaktivität freigesetzt worden. Das in der Natur vorkommende Strahlenniveau sei in der Spitze um das 16-Fache überschritten worden, teilte der russische Wetterdienst Rosgidromet mit. Eine Rakete war explodiert, sieben Menschen waren dabei ums Leben gekommen. Es gab im Ausland die Befürchtung, dass die russischen Behörden – wie schon in der Vergangenheit – nicht über das wahre Ausmaß informiert hätten.

Jodtabletten können im Fall einer Strahlenbelastung verhindern, dass sich radioaktive Teilchen im Körper anlagern und Krebserkrankungen auslösen.

(ba)