Suizid-Verdacht

Epstein-Tod in Haft: Obduktion bestätigt Suizidverdacht

Er soll Minderjährige missbraucht und sie weitervermittelt haben: Jeffrey Epsteins Tod wirft viele Fragen auf – und hat Konsequenzen.

Am 10. August wurde der US-Millionär Jeffrey Epstein tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden. Er war wegen vielfachem sexuellen Missbrauch minderjähriger Mädchen angeklagt.

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New York. Der wegen sexuellen Missbrauchs angeklagte US-Unternehmer und Millionär Jeffrey Epstein hat sich selbst in seiner Zelle in einem New Yorker Bundesgefängnis erhängt. Das bestätigte der oberste Gerichtsmediziner des Bundesstaates New York am Freitagabend.

Das offizielle Obduktionsergebnis laute: Suizid durch Erhängen. Zuvor war auch über mögliche „Fremdeinwirkung“ spekuliert worden.

Nach dem Tod Epsteins hatte der US-Justizminister William Barr Konsequenzen gezogen. Auf seine Veranlassung ist der Leiter der Haftanstalt versetzt worden.

Die beiden Wachen, die im Dienst waren, als Epstein in seiner New Yorker Zelle starb, seien beurlaubt worden, teilte eine Sprecherin des Ministeriums am Dienstag mit. Dem 66-Jährigen wurde sexueller Missbrauch von Minderjährigen und Menschenhandel vorgeworfen.

US-Justizminister: „Schwere Unregelmäßigkeiten“ um Epsteins Tod

US-Justizminister Barr hatte „schwere Unregelmäßigkeiten“ in der Haftanstalt beklagt und eine gründliche Untersuchung des Falles angekündigt. Wie die „New York Times“ unter Berufung auf Quellen in Justizkreisen berichtet, sollen die Wärter eingeschlafen sein und anschließend ihre Berichte gefälscht haben, um ihr Versäumnis zu verschleiern.

Geschäftsmann Epstein hat sich der Obduktion zufolge am Wochenende in seiner Zelle im New Yorker Gefängnis Metropolitan Correctional Center umgebracht. Er wurde dort von Mitarbeitern der Haftanstalt gefunden und in ein Krankenhaus gebracht. Dort wurde er schließlich für tot erklärt.

Epstein soll minderjährige Mädchen missbraucht haben

Schon vor einigen Wochen war Epstein mit Verletzungen in seiner Zelle gefunden worden, die auf einen Suizidversuch schließen ließen. Wegen Wiederholungsgefahr sollten die Wachen Berichten zufolge laut Richtlinien alle 30 Minuten nach dem 66-Jährigen schauen.

Die New Yorker Staatsanwaltschaft warf dem schwerreichen Ex-Investmentbanker vor, Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht zu haben. Der Geschäftsmann habe zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida Mädchen und illegal junge Frauen für Sex an andere vermittelt hieß es in der Anklageschrift.

Hätte Jeffrey Epstein Prominente belastet?

US-Medien spekulieren, dass ein Prozess weitere Prominente schwer belastet hätte. Epstein zeigte sich gerne öffentlich mit Stars und hatte unter anderem – zumindest zeitweise – Kontakte zum heutigen Präsidenten Donald Trump, Ex-Präsident Bill Clinton und Prinz Andrew aus Großbritannien. Epsteins Tod hat Verschwörungstheorien befeuert.

Auch Trump hatte am Samstagabend, einen halben Tag nachdem der Tod Epsteins bekannt geworden war, eine Twitter-Nachricht mit einer Verschwörungstheorie retweetet. Der von Trump weiterverbreitete Tweet rückte den demokratischen Ex-Präsidenten Bill Clinton in die Nähe von Epsteins Tod.

Trump sagte dazu am Dienstag vor Journalisten, es habe sich um den Tweet eines „hoch angesehenen konservativen Experten“ gehandelt. „Das war ein Retweet, das war nicht von mir, das war von ihm“, fügte er hinzu. Auf die Frage, ob er wirklich glaube, dass die Clintons in den Tod von Epstein involviert seien, sagte Trump: „Ich habe keine Ahnung.“

FBI ermittelt weiter im Fall Jeffrey Epstein

Am Dienstag hatte die US-Bundespolizei FBI nach Medienberichten das Anwesen des Unternehmers auf den Amerikanischen Jungferninseln durchsucht. Der „Miami Herald“ berichtete, es sei die erste Durchsuchung auf Epsteins Privatinsel Little St. James gewesen. (dpa/moi)

• Anmerkung der Redaktion: Aufgrund der hohen Nachahmerquote berichten wir in der Regel nicht über Suizide oder Suizidversuche, außer sie erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de. Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.