Immer Hertha

Fußball ist nicht nur ding. Sondern auch dang und dong

Ein Drittel der Bundesliga setzt auf neue Trainer. Das unterstreicht die Ambitionen, zeigt aber auch, wie getrieben die Branche ist.

Fußball ist nicht nur ding, Fußball ist ding, dang, dong. Klingt ein wenig bekloppt, ich weiß, aber sehen Sie es mir bitte nach, schließlich stammt diese Formulierung nicht von mir, sondern aus dem Weisheiten-Fundus des Fußball-Philosophen Giovanni Trapattoni. Was der italienische Maestro uns Teutonen damit sagen wollte? Nun, vermutlich, dass der Fußball bei all seiner Einfachheit ein verflixt komplexes Spiel ist – allerdings ließen seine unverwechselbaren Einlassungen immer viel Platz für Interpretationen …

Es ist ja auch nicht so, dass es keine anderweitigen Denkschulen gäbe. Nehmen Sie zum Beispiel die bestechende Simplizität des früheren Weltmeister-Trainers Franz Beckenbauer („Geht’s raus und spuits Fußball!“). Oder den zeitlosen Pragmatismus eines Otto Rehhagel („Modern spielt, wer gewinnt!“). Sie merken: Um die zentralen Dinge, Dange und Donge des Fußballs zu lehren, gibt es viele verschiedene Ansätze. Nur sind die Ansprüche in der Bundesliga insgesamt gestiegen.

Gleich ein Drittel der 18 Erstligisten hat in diesem Sommer einen neuen Trainer installiert. Altgediente Haudegen wie Dieter Hecking (Mönchengladbach) oder Bruno Labbadia (Wolfsburg) mussten ihre Posten trotz positiver Bilanz räumen, Herthas Pal Dardai ebenfalls, auch Kölns Aufstiegstrainer Markus Anfang erwischte es. Erfolg allein reicht eben nicht mehr, stattdessen setzen die Klubs demonstrativ auf frisches Blut, auf Trainer, die interessante Profile und bemerkenswerte Erfolge mitbringen, die die Fantasie der Fans anfachen, aber noch keine Minute Bundesliga-Erfahrung vorweisen können.

Ob sich unter den Neuen der nächste Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel findet? Das muss sich erst zeigen, aber neugierig machen die Coaches allemal. Gladbachs Marco Rose (42) etwa, der in Salzburg sicher genug Red Bull getrunken hat, um seiner Borussia nun „Gier, Emotionalität und Aggressivität“ einzuhauchen. Oder Wolfsburgs Österreich-Import Oliver Glasner (42), noch so ein Mann mit RB-Prägung, der offenbar keinen Stein auf dem anderen lassen will und in seinem Büro gleich die Trennwände einreißen ließ. Dazu kommen Ante Covic (43) bei Hertha, der Ralf-Rangnick-geprägte Achim Beierlorzer (51) in Köln, der Laptop-affine Ajax-Co-Trainer Alfred Schreuder (46) in Hoffenheim und Klopp-Kumpel David Wagner (47) auf Schalke. Dort aber machen sich die Fans nach zwei turbulenten Jahren mit Trainer-Wunderkind Domenico Tedesco keine Illusionen mehr. O-Ton: „Jetzt wird alles besser. Wie jedes Jahr.“

Es wird spannend zu beobachten sein, wie sich die neuen Trainer schlagen. Mischen sie die Liga mit innovativen Konzepten und spektakulärem Fußball auf? Oder verheben sie sich auf dem Weg zum Ruhm an allzu großen Ambitionen? Spätestens im Herbst, wenn der erste Fehlstart perfekt ist, werden wir schlauer sein – dann, wenn Düsseldorfs Altmeister Friedhelm Funkel (65) mit seliger Gelassenheit in sein Altbierglas lächelt, Feuerwehrmann Huub Stevens schon mal vorsorglich seinen Trainingsanzug aufbügeln lässt und Labbadia wieder öfter auf guten Handy-Empfang achtet.

Ob Pal Dardai dann ebenfalls häufiger auf sein Telefon schauen wird? Schwer zu prognostizieren. Eigentlich hat sich der Ungar eine einjährige Auszeit verordnet, aber Fußball ist nun mal ein schnelllebiges Geschäft.

Sicher sein kann man sich indes, dass Dardai zu Covics erster Kader-Entscheidung eine ganz eigene Meinung hatte. Sein Sohn Palko wurde vom neuen Coach nicht mit ins Trainingslager genommen, stattdessen erhielt Covic-Spross Maurice ein Ticket. Eine Entscheidung mit Beigeschmack, die sicher auch in der Mannschaft diskutiert wird.

Ansonsten hat Covic in der Vorbereitung bislang positiv überrascht, sei es mit seiner offensiven Philosophie oder seiner kommunikativen, leidenschaftlichen Art. Gute Ansätze allein haben jedoch noch keinem Trainer gereicht. Sie wisse ja: Fußball ist schließlich nicht nur ding. Sondern ding, dang, dong.