Integration

Junge Migranten sollen in Schwimmbad für Ordnung sorgen

In Oberhausen soll ein neues Projekt für mehr Ordnung im Schwimmbad sorgen. Jugendliche mit Migrationshintergrund nehmen daran teil.

Ein neues Projekt mit Jugendlichen soll in Oberhausen für mehr Ordnung im Schwimmbad sorgen.

Ein neues Projekt mit Jugendlichen soll in Oberhausen für mehr Ordnung im Schwimmbad sorgen.

Foto: Hauke-Christian Dittrich / dpa

Oberhausen.. Ein Projekt in Oberhausen soll für mehr Ordnung im Schwimmbad sorgen: Jugendliche mit Migrationshintergrund arbeiten als Rettungsschwimmer. Schlägereien und Randale in Schwimmbädern haben in den vergangenen Wochen teils hitzige Diskussionen ausgelöst – auch, weil es sich bei vielen Unruhestiftern um Jugendliche mit Migrationshintergrund handelte.

In Oberhausen will man Szenen wie die vom Polizeieinsatz im Düsseldorfer Rheinbad Ende Juni vorbeugen und dreht den Spieß um: Jugendliche mit Migrationshintergrund wurden in den vergangenen Monaten zu Rettungsschwimmern ausgebildet und sollen nun für Ruhe und Ordnung am Beckenrand sorgen.

In deutschen Freibädern geht es immer brutaler zu. Bademeister klagen schon länger über immer aggressivere Badegäste. Mehrfach musste die Polizei eingreifen. Viele Schwimmbäder in Deutschland sind in einem schlechten Zustand. Nur ein Bruchteil der geplanten Schwimmbad-Sanierungen wird vom Bund gefördert.

Jugendliche wurden acht Monate lang geschult

Für das Projekt haben sich der Integrationsrat, Kommunales Integrationszentrum, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und der Aquapark zusammengetan.

Acht Teilnehmer von 18 bis 50 Jahren, die meisten im jungen Erwachsenenalter, wurden ausgewählt und in den vergangenen acht Monaten nicht nur in Erster Hilfe geschult: In verschiedenen Seminaren haben sie zudem gelernt, was Demokratie in Deutschland ausmacht, welche Bedeutung das Grundgesetz hat und wie kommunalpolitische Abläufe im Rathaus funktionieren.

Die Teilnehmer sprechen neun verschiedene Sprachen

„Wir haben ihnen die Werte vermittelt, für die unsere Stadtgesellschaft eintritt und die nun auch unsere Teilnehmer an die Badegäste weitergeben sollen“, erklärt Ercan Telli, Geschäftsführer des Oberhausener Integrationsrates. Besonders dann, wenn sich Gäste daneben benehmen und die Autorität der Bademeister vor Ort nicht respektieren.

„Wir sind uns sicher, dass es auf Störenfriede einen ganz besonderen Eindruck macht, wenn einer unserer Jugendlichen sie auf ihr Fehlverhalten aufmerksam macht.“

Auch sprachliche Hürden soll es in Zukunft nicht mehr geben. Die neuen jungen Rettungsschwimmer sprechen viele verschiedene Sprachen, von Türkisch, Arabisch und Serbisch über Albanisch, Englisch und Französisch bis zu Mazedonisch, Romanes und einer in vielen afrikanischen Staaten verbreiteten Sprache.

Dreijährige Ausbildung zum Schwimmmeister als Chance

Ein Jugendlicher des Projektes beginnt bald die dreijährige Ausbildung zum Bademeister im Aquapark. „Angesichts des immensen Fachkräftemangels in dieser Branche ist das eine doppelt gute Nachricht“, sagt Dieter Kalthoff, Leiter des Kommunalen Integrationszentrums in Oberhausen.

Ein weiterer Teilnehmer wurde zudem bereits fest übernommen, einer ist noch im Praktikum mit der großen Chance auf Übernahme, zwei arbeiten in Teilzeit im Aquapark, zwei wurden in andere Stellen vermittelt. Einem Teilnehmer war die Verantwortung für das Leben anderer Menschen zu groß.

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In Oberhausen soll das Projekt der Rettungsschwimmer mit Migrationshintergrund nach Möglichkeit ausgeweitet werden. Im Aquapark sammelt das Team nun zunächst Erfahrungen. Es spricht laut Ercan Telli nichts dagegen, dass die Kräfte künftig auch in den Hallenbädern in Sterkrade und der Innenstadt eingesetzt werden.

Oberhausen übernehme mit dem Projekt eine Vorreiterrolle in der Region, sagt der Geschäftsführer des Integrationsrates weiter. Trägt es hier Früchte, soll es als Vorbild auch für andere Frei- und Hallenbäder in ganz NRW dienen.

Dieser Text ist zuerst auf www.waz.de erschienen.