Waffengewalt

Eritreer angeschossen: Hunderte protestieren gegen Rassismus

Die Ermittler gehen von Fremdenfeindlichkeit als Motiv aus: In Hessen ist ein Mann aus Eritrea auf der Straße niedergeschossen worden.

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Frankfurt/Main.. Nach dem Schuss auf einen Eritreer im hessischen Wächtersbach haben am Tatort rund 400 Menschen bei einer Mahnwache gegen Rassismus protestiert. „Hier wurde ein weiteres Mal, sieben Wochen nach dem Mord an Walter Lübcke, aus Gedanken eine Tat, die uns erschüttert“, sagte der Bürgermeister von Wächtersbach, Andreas Weiher (SPD), am Dienstagabend. Das Motiv müsse man sehr ernst nehmen. Die Gewalt sei eine „neue Qualität von gelebtem Rassismus“.

Der 26-Jähriger aus Eritrea war am Montagabend angeschossen und lebensgefährlich verletzt worden. Die Polizei geht von einem rassistischen Motiv des mutmaßlichen Täters aus. Der 55-jährige Deutsche hatte sich am Montagabend mit einem Kopfschuss das Leben genommen.

„Wir gehen momentan ganz klar von einem fremdenfeindlichen Motiv aus“, sagte ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Dienstag. Der mutmaßliche Täter hat sich am Montag mit zwei Waffen in seinen silberfarbenen Toyota gesetzt und fuhr los.

Die Ermittler gehen davon aus, dass er gezielt auf die Suche etwa nach Asylsuchenden oder Migranten gegangen sei. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft hob hervor, dass das Opfer, der junge Eritreer, „aufgrund seiner Hautfarbe“ ausgewählt worden sei.

Schwarzer durch Bauchschuss lebensgefährlich verletzt

Der 26-Jährige sei dann offenbar ein Zufallsopfer gewesen. Der Schütze gab drei Schüsse aus der Waffe ab, zwei Kugeln verfehlten das Opfer, eine traf ihn in den Bauch. Der 55-Jährige soll aus einem Auto geschossen haben und nach der Tat geflüchtet sein. Augenzeugen alarmierten die Rettungsdienste und die Polizei. Offenbar hatten Zeugen die Schüsse gehört und konnten auch das Auto erkennen.

Nach einer Notoperation ist der Eritreer offenbar außer Lebensgefahr. Im Zuge der Fahndung nach dem Schützen fand die Polizei den Deutschen mit einem Kopfschuss leblos im Auto im nahe gelegenen Biebergemünd. Versuche, ihn wiederzubeleben, scheiterten. Er starb im Krankenhaus.

Der mutmaßliche Täter war nach Angabe der Behörden nicht polizeiauffällig. Bei dem 55-Jährigen seien zwei halbautomatische Waffen gefunden worden. Bei der Durchsuchung der Wohnung wurden weitere drei Waffen sichergestellt, eine halbautomatische Pistole und zwei Langwaffen. Alle hätten sich legal im Besitz des Mannes befunden, hieß es. Eine weitere halbautomatische Waffe hatte der Mann kurz vor der Tat verkauft. Der Käufer sei ermittelt und die Waffe sichergestellt, hieß es weiter.

Bürgermeister: „Ich kannte ihn nicht“

Manfred Weber, der Bürgermeister im kleinen hessischen Biebergemünd, bestätigte im Gespräch mit unserer Redaktion, dass der mutmaßliche Schütze seit Juni 2017 in dem Ort lebt. Er sei geschieden gewesen und habe alleine gelebt. „Ich kannte den Mann nicht, er ist in Biebergemünd nicht aufgefallen, etwa in den Vereinen vor Ort.“

Nach Informationen unserer Redaktion war der Mann in einem nahe gelegenen Ort im Schützenverein gewesen. Wie aktiv er dort war, ist unklar. Allerdings war der mutmaßliche Täter im Besitz eines Waffenscheins. „Alle Waffen besaß er legal“, sagte die Staatsanwaltschaft.

Schüsse auf Eritreer: Ermittlungen zur Gesinnung des mutmaßlichen Täters

In der Wohnung des mutmaßlichen Täters fanden die Ermittler weitere Hinweise, die den Verdacht eines rassistischen Motivs erhärteten, darunter ein Abschiedsbrief, in dem der mutmaßliche Schütze nach Informationen unserer Redaktion auch auf seine Motivation der Tat eingegangen sei.

Gleichzeitig wandte sich der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt gegen Spekulationen, dass eine „rechtsextreme oder rechtsnationalistische Gesinnung im Raum steht“. „Wir haben nach derzeitigen Ermittlungen keine belastbaren validen Erkenntnisse, dass Kontakte in die rechtsnationale oder rechtsextreme Szene bestanden“, sagte er.

Die Ermittlungen stehen noch am Anfang. Bei der Durchsuchung wurden neben Waffen und dem Abschiedsbrief auch digitale Datenträger sichergestellt, die jetzt ausgewertet werden. Das Umfeld und die Vergangenheit des mutmaßlichen Schützen würden nach entsprechenden Kontakten durchleuchtet. „Der Verantwortung, die wir da haben, sind wir uns durchaus bewusst.“ (cu/dpa/moi)