Psyche

Wagenknecht, Platzeck, Meckel: Burnout als Preis des Erfolgs

Leistungsträger sind besonders gefährdet ein Burnout zu erleiden. Doch laut neuen Studien wird jeder zweite Deutsche krank durch die Arbeit

Überforderung und Stress im Job kann ein Grund für eine Burnout-Erkrankung sein.

Überforderung und Stress im Job kann ein Grund für eine Burnout-Erkrankung sein.

Foto: FangXiaNuo / Getty Images

Berlin..  Sahra Wagenknecht hat nun noch einmal deutlich gemacht, warum sie im Frühjahr ankündigte, sich von der Spitze der Linken-Partei und der von ihr mitbegründeten „Aufstehen“-Bewegung zurückzuziehen. Der Stress war zu groß geworden. Der Zeitschrift „Super Illu“ sagte sie: „Ja, ich hatte ein Burnout.“

Sie habe so nicht weitermachen können und erst einmal eine ganze Woche geschlafen. „Ich hätte nie gedacht, dass ein Mensch so viel schlafen kann – aber man kann. In der Politik ist man eigentlich dauernd unausgeschlafen“, sagte sie anlässlich ihres 50. Geburtstages am 16. Juli der „Brigitte“.

Burnout: Matthias Platzeck erlitt zwei Hörstürze

Doch Wagenknecht ist nicht die einzige Prominente im Politikbetrieb, die ihre Erkrankung offen zugibt. Auch der ehemalige Ministerpräsident Brandenburgs und Bundesvorsitzende der SPD, Matthias Platzeck, musste im Jahr 2006 aus gesundheitlichen Gründen von seinen Spitzenämtern zurücktreten.

Zum Jahreswechsel 2005/2006 erlitt er einen ersten Hörsturz, im Februar folgte ein Nerven- und Kraftzusammenbruch, Ende März ein zweiter Hörsturz.

Bei seiner damaligen Rücktrittserklärung im April 2006 sagte er: „Ich musste in den letzten Tagen die mit Sicherheit schwierigste Entscheidung meines bisherigen Lebens treffen – nämlich die, auf dringenden ärztlichen Rat den Vorsitz der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands niederzulegen.“

Platzeck hatte den Parteivorsitz nur gut ein halbes Jahr inne und gab damals zu, sich schlichtweg mit der Übernahme des SPD-Vorsitzes übernommen zu haben. Dabei war Platzeck am 15. November 2005 mit einem der besten Wahlergebnisse der Parteigeschichte gewählt worden. Er überzeugte mit 99,4 Prozent der Stimmen. Dauerhafter Stress gilt in der Medizin als ein möglicher Auslöser für einen Hörsturz.

Miriam Meckel und die Folgen eines Lebens auf der Überholspur

Auch die Wissenschaftlerin und frühere Chefredakteurin und Herausgeberin der „Wirtschaftswoche“, Miriam Meckel, beschrieb in ihrem Buch „Brief an mein Leben – Erfahrungen mit einem Burnout“ die Folgen eines Lebens auf der Überholspur. Sie erzählt darin, wie sie 15 Jahre lang um die Welt gereist war, gearbeitet, geredet, geschrieben, akquiriert und repräsentiert hatte, bis schließlich der Arzt kam.

Sie habe sich keine Grenzen gesetzt, sich selbst nicht und nicht ihrer Umwelt, die sie bisweilen ausgesaugt habe. Die Lebensgefährtin der Moderatorin Anne Will brach schließlich zusammen: „Das meiste von dem, was ich gemacht habe, hat mir tatsächlich Freude gemacht ... Aber ich habe in alldem nicht die aristotelische Mitte finden können zwischen dem Zuviel und dem Zuwenig. Nun war ich plötzlich stillgelegt, wiederum im Wortsinne.“

Jeder zweite Berufstätige verspürt Schmerzen durch Stress im Job

Doch Burnout ist nicht nur eine Erkrankung, die Spitzenpolitiker oder führende Manager betrifft. Neue Studien belegen, dass jeder zweite deutsche Berufstätige körperliche Beschwerden durch den Stress im Job spürt. Erschöpfung, Schlafstörungen und Nacken- und Kopfschmerzen sind die Warnsignale des Körpers, die durch eine zu hohe Belastung durch die Arbeit verursacht werden.

47 Prozent der deutschen Arbeitnehmer leiden regelmäßig unter diesen jobbedingten Beschwerden. Wer sie ignoriert, riskiert psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Burn-out. Das ist ein Ergebnis der Studie „Jobzufriedenheit 2019“, für die im Auftrag der ManpowerGroup 753 deutsche Berufstätige befragt wurden.

Der wirtschaftliche Schaden durch psychische Erkrankungen beträgt 12,2 Milliarden Euro

Aus einem Bericht der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin geht hervor, dass auch immer mehr Arbeitnehmer in Deutschland wegen seelischer Erkrankungen ausfallen. 107 Millionen Krankheitstage wurden 2017 gemessen, eine Verdopplung im Vergleich zum Jahr 2007. So entstand der Wirtschaft ein Schaden von 12,2 Milliarden Euro.

Was bei Stress helfen kann, ist eine gute Work-Life-Balance. Also ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Beruf und Freizeit. 76 Prozent der Berufstätigen legen laut der Jobzufriedenheitsstudie Wert darauf, das Verhältnis zwischen Beruf und Freizeit ausgewogen zu gestalten.

Eine Erfahrung, die auch Sahra Wagenknecht gemacht habe. Denn sie habe ihr Leben zugunsten der Freizeit und der Privatheit verändert. „Ich führe schon jetzt ein anderes Leben. Die dauernden Attacken und Reibereien haben weitgehend aufgehört.“ Sie habe wieder viel mehr Energie und sei selten so glücklich gewesen wie heute. Dazu trage vor allem die Liebe zu Ehemann Oskar Lafontaine bei: „Ich lebe in einer wunderbaren Beziehung, die mir sehr viel Halt und Kraft gibt, das kann man sich für kein Geld der Welt kaufen“, sagte Wagenknecht. (mit dpa)