Feiertag

Trumps militärische Machtdemonstrationen am Nationalfeiertag

Panzer und Pathos: Donald Trump hat aus dem traditionell unpolitischen Unabhängigkeitstag in Washington eine Militärschau gemacht.

US-Präsident Donald Trump ließ allerlei Jets aufsteigen am Nationalfeiertag.

US-Präsident Donald Trump ließ allerlei Jets aufsteigen am Nationalfeiertag.

Foto: Go Nakamura / Reuters

Washington. Als die Marine-Kunstflugstaffel der „Blue Angels“ ihre letzten Kurven über Washingtons Mall zog und danach in alle Himmelsrichtungen davon donnerte, verspürte James McCrady nach eigenem Bekunden einen steifen Hals.

Über 20 Mal hatte der Vietnam-Veteran, durchnässt trotz Regenponcho, den Kopf in den Nacken gelegt, um live und in Farbe zu sehen, was US-Präsident Donald Trump zuvor im Stile des enthusiasmierten Moderators einer Militär-Flugshow angekündigt hatte: einen zwei Milliarden Dollar teuren B-2-Tarnkappenbomber, Kampfjets vom Typ F-35 und F/A-18 Super Hornet, Apache-Kampfhubschrauber, HH-60 Jayhawks der Küstenwache und, um nur einige zu nennen, den neuen Präsidenten-Helikopter VH-92 Marine One.

Für McCrady und Zehntausende andere Trump-Fans war das Vorzeigen fliegenden Kriegsgeräts am amerikanischen Nationalfeiertag „die Kirsche auf der Sahne“. Und Grund zu langen Aahhhhs und Oooooohs.

Der 74-Jährige sagte, was viele dachten, die an diesem 4. Juli trotz schwül-nassen Wetters auf das historische Areal im Herzen der Hauptstadt gekommen waren: „Amerika ist die größte Streitmacht der Erde. Wir sind stolz darauf. Es ist gut, dass der Präsident das vorzeigt.“ Seine einzige Kritik: Die von Trump versprochenen Abrams- und Bradley-Panzer blieben dem gemeinen Volk verborgen.

Donald Trump liefert Geschichtslektion – überraschenderweise

Allein Wahlkampfunterstützer und Parteifreunde in der abgesperrten VIP-Zone konnten die bis zu 60 Tonnen schwere Ungetüme aus der Nähe sehen.

Dort, an den Stufen des Denkmals von Abraham Lincoln, trat Trump am Donnerstagabend ans Rednerpult und unterlief gemäß seines Markenzeichens (Unberechenbarkeit) binnen 45 Minuten fast sämtliche Befürchtungen seiner Kritiker. Keine Provokationen zum Tagesgeschehen, ob Iran oder Nordkorea. Keine Verbal-Injurien gegen die Demokraten. Keine Gehässigkeiten gegen die Medien. Keine apokalyptischen Andeutungen über das, was mit Amerika geschieht, wenn er, Donald Trump, nicht mehr Präsident sein wird.

Stattdessen: eine konzentriert vom Teleprompter abgelesene, behäbige Geschichtslektion, in der Trump im Opa-erzählt-vom-Krieg-Stil Best-of-Anekdoten aus Kreisen der Marine, der Luftwaffe, der Armee, der Marine-Infanterie und der Küstenwache zum Besten gab. Superlative inklusive.

Donald Trump mit viel Patriotismus und Pathos

„Seit mehr als 65 Jahren hat keine gegnerische Luftwaffe mehr einen amerikanischen Soldaten getötet“, rief Trump und schob die Erklärung gleich hinterher. „Weil der Himmel den Vereinigten Staaten von Amerika gehört!“ Dass Amerikas Soldaten „die besten der Welt“ sind, Amerikas Freiheit auf den Schultern der „Männer und Frauen in Uniform“ ruhe und Amerika in seiner 243-jährigen Geschichte militärisch „nie so stark war wie heute“, verstand sich da beinahe von selbst.

Wie auch die Passagen mit Patriotismus und Pathos, die alle ungefähr so klangen: „Wir werden nie vergessen, dass wir Amerikaner sind und dass die Zukunft uns gehört. Wir sind ein Volk, das einen Traum und ein großartiges Schicksal verfolgt. Wir alle teilen dieselben Helden, dasselbe Zuhause, dasselbe Herz, und wir sind alle von demselben allmächtigen Gott geschaffen worden.“

Trumps sinngebende Klammer: „Solange wir nicht aufhören, für eine bessere Zukunft zu kämpfen, wird es nichts geben, dass Amerika nicht erreichen kann.“

In diesem Moment machte sich am „Reflecting Pool“ ein kleines Grüppchen Gegendemonstranten bemerkbar. „Amtsenthebung sofort“, riefen die jungen Leute, hielten einschlägige Plakate hoch und pusteten in ihre Triller-Pfeifen. Sie konnten sich auf neue Umfragen berufen. 45 % der Amerikaner fordern die Entfernung Trumps aus dem Amt. Wütende „USA, USA, USA“-Rufe und ausgestreckte Mittelfinger der Trump-Fans, gut zu erkennen an den „Make America Great“-Käppies, waren ihr Lohn.

Kritiker: Parade erinnert an Veranstaltungen in Russland und Nordkorea

Die Störenfriede kamen von der Gruppe „Code Pink“, die am Obelisken gegen die „Geiselnahme des 4. Juli“ durch den Präsidenten wetterte. Ihr Vorhaben, einen sechs Meter großen Ballon aufsteigen zu lassen, der Trump als Windel-Baby zeigt, wurde vom stürmischen Regen zunichte gemacht. Als Ersatz setzten sie den Commander-in-Chief, als Puppe dargestellt wie auf einem Motivwagen im Kölner Karneval, kurzerhand aufs Klo.

Medea Benjamin, die Mit-Begründerin der pazifistischen Organisation, verglich die Trump-Show mit Dingen, die sonst nur auf dem „Roten Platz in Moskau oder in Pjöngjang geschehen“. Eine Meinung, die von vielen Demokraten geteilt wird. Sie warfen Trump vor, den 4. Juli für eine Selbstinszenierung zu missbrauchen.

„Panzer sind keine Requisiten, mit denen man sich schmückt, es sind Kriegswaffen“, sagte stellvertretend der demokratische Senator Jack Reed, selbst ein Militär-Veteran. Andere bemängelten, dass Trump den Wesenskern der Unabhängigkeitserklärung von 1776 ignoriert habe, anstatt ihn ins Hier und Jetzt zu übersetzen. In dem Text heißt es, dass „alle Menschen gleich erschaffen sind“ (all men are created equal).

Trump fordert Jugend auf zur Armee zu gehen

Angesichts der grassierenden Polarisierung im Land, die mit wachsender sozialer Ungleichheit korrespondiere, wäre ein präsidialer Blick in die Zukunft hilfreich gewesen, monierten US-Kommentatoren. Stattdessen kündigte Trump an, dass „wir sehr bald eine amerikanische Flagge auf dem Mars hissen werden“. Die Weltraum-Agentur Nasa sieht das Unterfangen noch in weiter Ferne.

Dass Trumps Redenschreiber wikipediahaft auch die Highlights amerikanischer Geschichte ohne Militär-Kontext in den hinter einem schusssicheren Glas-Paravent vorgetragenen Text einfügten, ließ im Publikum manche ratlos zurück. „Dass wir zuerst auf dem Mond waren und den Jazz erfunden haben, muss man mir wirklich nicht mehr erklären“, sagte eine junge Zuschauerin.

Aber Trump hatte noch mehr zu bieten. Sein Lob etwa für die schwarze Freiheitskämpferin und Sklaverei-Gegnerin Harriet Tubman ließ außen vor, dass seine Regierung ohne triftige Begründung den lange gehegten Plan auf Eis gelegt hat, künftige 20-Dollar-Noten mit dem Konterfei der berühmten Afro-Amerikanerin zu schmücken.

An einer anderen Stelle seiner Rede, die außer von seinem Haus-Sender Fox News nur vom Parlaments-Kanal C-Span übertragen wurde, appellierte Trump an die Jugend Amerikas, sich den Streitkräften anzuschließen und damit „ein wahrhaftes großes Statement im Leben abzugeben“. Dass er sich selbst mit ärztlichen Attesten (darunter: Fersensporn) der Einberufung zum Vietnam-Krieg entzog, was in Militärkreisen seine Glaubwürdigkeit angekratzt hat, blieb unerwähnt.

Schließlich ließ Trump auch Historiker mit Staunen zurück. Er sprach im Zusammenhang mit der Schlacht von Yorktown, die 1781 für die englische Krone den Verlust der amerikanischen Kolonien besiegelte, davon, dass die US-Armee damals auch „die Flughäfen eingenommen hat“. Den Gebrüdern Wright gelang der erste motorisierte Flug erst 122 Jahre später.

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