Vorschlag

Ärztepräsident: Organspende-Bereitschaft mit Vorzug belohnen

Der Ärztepräsident hat eine Neuregelung bei der Organspende angestoßen. Die Idee: Wer bereit ist zu geben, kann bevorzugt empfangen.

Organspende: In kaum einem anderen Land muss man so lange auf eine Organspende warten wie in Deutschland. Heiko Burrack lebt seit 25 Jahren mit einer neuen Niere. Redakteurin Johanna Rüdiger hat ihn nach den weit verbreitetsten Irrtümern beim Thema Organspende gefragt.

Beschreibung anzeigen

Berlin. Der neue Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat neue Regeln bei der Organspende vorgeschlagen: „Den Empfang eines Spenderorgans von der eigenen Bereitschaft zur Spende abhängig zu machen, finde ich diskussionswürdig“, sagte Reinhardt unserer Redaktion. „Wer bereit ist zu geben, kann bevorzugt empfangen.“

Reinhardt bezog sich bei seinem Vorschlag auf eine Regelung in Israel. Dort hänge der Platz auf der Empfängerliste bei Organtransplantationen auch davon ab, ob und wann sich jemand zu Lebzeiten zum Spender erklärt habe.

Organspende: Bundestag debattiert über Neuregelung

„Wer zu einer Spende bereit ist, wird bei der Transplantation eines Organs bevorzugt. Das intensiviert den Gedanken, sich mit dem Thema zu befassen“, sagte Reinhardt. Es wundere ihn, dass dies in der politischen Debatte in Deutschland bisher keine Rolle gespielt habe.

In der kommenden Woche wird der Bundestag das erste Mal über eine Neuregelung der Organspende debattieren. Zur Diskussion steht dabei unter anderem die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) vorgeschlagene „Widerspruchslösung“. Danach wird automatisch jeder zum Organspender, der nicht zu Lebzeiten widersprochen hat.

Reinhardt nennt das eine gute Lösung: „Länder wie Spanien, in denen es die Widerspruchslösung gibt, haben eine deutlich höhere Zahl von Transplantationen. Das erhoffe ich mir auch für Deutschland.“

Wenn die Menschen durch die Widerspruchslösung „wohlmeinend angestupst“ würden, um sich mit Organspende zu befassen, sei das gut. Auch der konkurrierende Gesetzentwurf zu Spahns Vorschlag, der eine regelmäßige Befragung der Bürger und die Einrichtung eines Organspenderregisters vorsieht, sei „ein Fortschritt“, sagte Reinhardt.