US-Regierung

Trieb private Tragödie US-Verteidigungsminister zum Rückzug?

US-Präsident Trump muss erneut den Spitzenposten im Pentagon vergeben. Nun wird bekannt: Eine Familientragödie könnte der Grund sein.

Patrick Shanahan trat als geschäftsführender Verteidigungsminister zurück.

Patrick Shanahan trat als geschäftsführender Verteidigungsminister zurück.

Foto: FELINE LIM / Reuters

Washington. Die offizielle Begründung von US-Präsident Donald Trump für den abrupten Rückzug seines kommissarischen Verteidigungsministers Pat Shanahan glaubte in Washington am Dienstag auf Anhieb so gut wie kein Mensch.

Demnach wolle der ehemalige Manager des Flugzeug-Herstellers Boeing, der seit 2017 Vize-Minister war und seit 1. Januar 2019 kommissarisch als Nachfolger des nach Unstimmigkeiten mit Trump zurückgetretenen Vier-Sterne-Generals James Mattis agierte, mehr Zeit der Familie widmen. Darum, so twitterte der Präsident, verzichte der 56-Jährige auf die Fortsetzung des laufenden Bestätigungsverfahrens im Kongress. Dort muss der Senat Top-Personalien im Kabinett zustimmen.

Der akribische Prozess war Anfang der Woche unerwartet ins Stocken geraten, eine für Dienstag anberaumte Sitzung abgesagt worden. Es gab Gerüchte über Schwierigkeiten bei der Abklärung der Sicherheitsstufe Shanahans durch die Bundespolizei FBI. Dahinter steckt allem Anschein eine private Tragödie, die bislang nicht öffentlich bekannt war.

Shanahans Sohn schlug Mutter mit Baseballschläger

Wie Shanahan gegenüber der „Washington Post“ in mehreren Interviews bestätigte, hatten sich in seiner Familie vor fast zehn Jahren Fälle häuslicher Gewalt zugetragen. In einer Situation hatte Shanahans inzwischen geschiedene Ehefrau Kimberly ihrem Gatten ins Gesicht geschlagen. In einer anderen, weitaus folgenschwereren Episode, hatte Sohn William im Alter von 17 Jahren 2011 seine Mutter mit einem Baseballschläger verprügelt. So schwer, dass ihr Schädel brach und eine Operation notwendig wurde. Die Polizei wurde eingeschaltet.

In einem Brief an den Bruder seiner damaligen Gattin hatte Shanahan zunächst erklärt, William habe aus Notwehr gehandelt, weil er von seiner Mutter zuvor drangsaliert worden sei. Später widerrief er seine Bewertung. Nach Spekulationen in US-Medien sah Shanahan die Last der privaten Ereignisse möglicherweise als nicht vereinbar mit dem Amt des Verteidigungsministers an. Vor allem habe ihn die Sorge umgetrieben, dass seine Kinder durch das Aufrollen der Ereignisse von damals im Zuge seiner Sicherheitsüberprüfung erneut traumatisiert werden könnten.

Shanahans Abgang kommt zu einer heiklen Zeit. Präsident Trump hat mit mehreren geopolitischen Konflikten zu kämpfen. Erst am Montag hatte Shanahan im Streit mit dem Iran die Entsendung von weiteren 1000 US-Soldaten in den Nahen Osten befehligt. Es war wohl seine letzte Amtshandlung. Trump will nun vorübergehend Heeresminister Mark Esper an die Spitze des Pentagon beordern. Dutzende Verteidigungsminister weltweit, auch Ursula von der Leyen in Berlin, müssen sich abermals auf einen neuen Ansprechpartner in Washington einstellen.