Wohnungsmarkt

GdW: Arbeitnehmer sollen Wohnungsbau stärker mitfinanzieren

Der Wohnungswirtschaftsverband GdW kritisiert, dass Mieten immer teurer werden. Helfen könnte laut GdW eine Art Soli fürs Wohnen.

Die Kosten für Wohnungsbau und die Mieten steigen. Während teure Luxushäuser wie hier am Offenbacher Hafen entstehen, mangelt es an Sozialwohnungen.

Die Kosten für Wohnungsbau und die Mieten steigen. Während teure Luxushäuser wie hier am Offenbacher Hafen entstehen, mangelt es an Sozialwohnungen.

Foto: Arne Dedert / dpa

Berlin. Die Baubranche brummt, nie zuvor wurde so viel Geld in die Errichtung neuer Wohnhäuser investiert. Entspannung bei den Mieten oder Wohneigentumspreisen ist aber nicht in Sicht. Im Gegenteil: Die soziale Schere beim Wohnen klafft immer mehr auseinander. Das ist das Ergebnis der Jahresbilanz des Wohnungswirtschaftsverbandes GdW.

Der Wohnungsbau hinkt laut GdW hinterher, da die Baupreise den höchsten Anstieg seit zwölf Jahren verzeichneten. Das Eigenheim wird zunehmend unerschwinglich. Während das mittlere Einkommen seit 2000 um 45 Prozent gestiegen ist, schnellten die Baupreise um 65 Prozent in die Höhe. „Für Normalverdiener ist der Neubau immer schwerer zu bezahlen“, sagte Axel Gedaschko, Präsident des GdW.

Es gibt immer weniger Sozialwohnungen

Doch auch Wohnen zur Miete wird immer teurer. Die Nettokaltmieten erhöhten sich seit dem Jahr 2000 um 26 Prozent, die Strompreise gar um 109 Prozent. Die Nachfrage nach Mietwohnungen übersteigt das Angebot bei Weitem. Im vergangenen Jahr hätten 30 Prozent mehr Mietwohnungen gebaut werden müssen, um den Bedarf zu decken.

Noch größer ist die Diskrepanz zwischen Neubau und Bedarf bei den Sozialwohnungen. 27.000 Sozialwohnungen konnten im vergangenen Jahr in Deutschland fertiggestellt werden. Bedarfsdeckend hätten es aber 80.000 sein müssen. Besserung ist nicht in Sicht: Es fallen mehr Wohnungen aus der Sozialbindung, als neu gebaut werden.

GdW-Forderung: Arbeitnehmer zahlen für Wohnungsbau

Vor allem die zu hohen Baupreise und die zu geringen Kapazitäten an Bauland seien für den Missstand verantwortlich, findet Gedaschko. Er fordert daher ein Umdenken beim Wohnungsbau – und möchte die Bürger in die Pflicht nehmen. „Wir brauchen einen gesellschaftlichen Konsens darüber, was uns und dem Staat das Wohnen wert ist“, sagte Gedaschko.

Konkret schwebt ihm die Einführung eines Modells wie in Österreich vor. Dort zahlen Arbeitnehmer ein Prozent ihres Bruttogehalts für die soziale Wohnraumförderung. Damit stehen Österreich pro Jahr 1,98 Milliarden Euro für die Förderung von Wohnraum zur Verfügung. In Deutschland sind es nur 1,97 Milliarden – obwohl in Deutschland neuneinhalb mal so viele Einwohner wie in der Alpenrepublik leben.

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Gedaschko spricht sich gegen Mietendeckel aus

Dem Konzept eines Mietendeckels kann Gedaschko dagegen wenig abgewinnen. Ein solcher Deckel, wie er gerade in Berlin diskutiert wird, schade dem Wohnungsbau und führe dazu, dass auch Mieter von Luxuswohnungen profitieren würden.

Wenn schon ein Deckel eingeführt würde, dann wünscht sich Gedaschko eine Begrenzung nach portugiesischem Vorbild. Dort wird ab Juli ein Mietendeckel an das Einkommen gekoppelt. Um für Vermieter den Neubau attraktiv zu halten, erhalten diese Anreize wie Steuer- und Versicherungsvorteile.

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Kommunen und Länder seien in der Pflicht

Ein Deckel wäre laut Gedaschko nicht nötig, wenn die Länder und Kommunen konsequent in den Wohnungsbau investieren würden. Der Bund unterstützt die Länder jährlich mit 1,5 Milliarden Euro, die Länder müssten ihrerseits 2,5 Milliarden Euro gegenfinanzieren, fordert Gedaschko.

An die Kommunen gerichtet forderte der GdW-Präsident, das Höchstpreisverfahren abzuschaffen. Bauen sollte das Unternehmen dürfen, das dauerhaft günstige Mieten zusichere.