Stichwahl

Dämpfer für die AfD in Görlitz – CDU-Mann wird neuer OB

Görlitz hat am Sonntag einen neuen Oberbürgermeister gewählt. Die AfD hatte gute Chancen, verlor aber gegen den Kandidaten der CDU.

Europastadt, Filmstadt, Grenzstadt. Für Görlitz gibt es viele Synonyme. In welche Richtung sich die Stadt in Zukunft gehen wird, entscheiden Wählerinnen und Wähler am Sonntag.

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Görlitz. Der CDU-Politiker Octavian Ursu wird neuer Oberbürgermeister in Görlitz. CDU-Kandidat Ursu setzte sich am Sonntag in einer Stichwahl mit 55,2 zu 44,8 Prozent gegen den AfD-Bewerber Sebastian Wippel durch. Wie Wahlleiterin Cornelia Herbst mitteilte, bekam Ursu 14.043 Stimmen, für Wippel votierten 11.390 Wähler.

Die Bundes-CDU reagierte erleichtert. Ursu sei von einem breiten Bündnis getragen worden, sagte CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Es ist auch ein großer Erfolg und Rückenwind für die sächsische Union unter Ministerpräsident Michael Kretschmer.“

In der ersten Runde am 26. Mai hatte der Musiker und Landtagsabgeordnete Ursu mit 30,3 Prozent nur Platz 2 hinter Wippel (36,4 Prozent) erreicht. Die beiden ebenfalls unterlegenen Kandidatinnen Franziska Schubert von den Grünen (27,9) und Jana Lübeck von den Linken (5,5) hatten danach verzichtet, um Wippel zu verhindern.

Bei der Wahl gab es indes deutlich mehr Briefwahlstimmen als im ersten Wahlgang. Es war eine brisante Abstimmung. Denn in der sächsischen Grenzstadt hätte bundesweit erstmals die AfD diesen Posten erlangen können.

Am Sonntagvormittag meldete Wahlleiterin Cornelia Herbst, dass die Zahl der Briefwähler bei rund 8600 liegt. Wahlberechtigt waren insgesamt 46.000 Görlitzer. Bei der ersten Wahlrunde vor drei Wochen hatten etwa 1100 Wähler weniger die Möglichkeit der Briefwahl genutzt. Dabei kamen diesmal nicht alle Stimmen per Post – viele Wähler hätten ihre Stimme vorab in Briefwahllokalen abgegeben, hieß es.

OB-Wahl in Görlitz hat bundesweite Bedeutung

Die Wahl von Görlitz ist für die bundesdeutsche Politik durchaus von Belang. Mit der Niederlage von Wippel , bekommt der scheinbar unaufhaltsame Aufstieg der Rechtspopulisten in Ostdeutschland einen Dämpfer. Bei den Europawahlen am 26. Mai , die in vielen Bundesländern mit Kommunalwahlen gekoppelt waren, hatte die AfD im Osten stark zugelegt. In Brandenburg und Sachsen lag sie beim Votum zum EU-Parlament sogar noch vor der CDU.

Hintergrund: Der unheimliche Aufstieg der AfD in Ostdeutschland

In Sachsen ist die AfD in Umfragen zurzeit stärkste Kraft . Dass man selbst im Ausland dieser Tage auf Görlitz schaut, hängt nicht nur mit dem Charme der Altstadt zusammen. Oft diente Görlitz in den vergangenen Jahren als Kulisse für Hollywood-Filme.

Hollywood-Stars schreiben offenen Brief an Görlitzer

Stars wie Kate Winslet, Emma Thompson, Tilda Swinton, Bill Murray und George Clooney arbeiteten hier. Schauspieler und Filmemacher wandten sich deshalb mit einem offenen Brief an die Görlitzer Wähler. „Gebt Euch nicht Hass und Feindseligkeit, Zwietracht und Ausgrenzung hin“, hieß es darin. Der Name AfD tauchte zwar nicht auf. Doch Initiator Michael Simon de Normier, Mitproduzent des Streifens „Der Vorleser“, stellte den Kontext her und wertete eine mögliche Wahl Wippels als „missverständliches Signal in die Welt hinaus“. (dpa/küp)