Europawahl

Grüne triumphieren bei EU-Wahl

SPD und CDU sind auf historischem Tief. Die Volksparteien verlieren in ganz Europa. AfD stärkste Kraft in Brandenburg.

Jubel nach der Bekanntgabe der ersten Prognose: Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock (l.) und Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt.

Jubel nach der Bekanntgabe der ersten Prognose: Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock (l.) und Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Berlin.  Union und SPD haben bei der Europawahl in Deutschland nach Hochrechnungen von ARD und ZDF historisch schlecht abgeschnitten. Die Union kam demnach am Sonntag auf 22,6 Prozent der Stimmen, die SPD sackte ab auf nur noch 15,8 Prozent. Die Grünen lagen als zweitstärkste Kraft bei 20,5 Prozent und erreichten damit ihr bisher bestes Ergebnis bei einer bundesweiten Wahl. Die AfD erreichte 11,0 Prozent, die FDP kam auf 5,4 Prozent, die Linke holte 5,5 Prozent.

Auf Deutschland, wo es knapp 65 Millionen Wahlberechtigte gibt, entfallen 96 Sitze im EU-Parlament. Bei der Europawahl 2014 hatten CDU und CSU noch 35,4 Prozent der Stimmen geholt. Die Wahl war der erste Stimmungstest für die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer seit ihrem Amtsantritt im Dezember, Kanzlerin Angela Merkel hatte sich weitgehend aus dem Wahlkampf herausgehalten.

Die SPD hatte vor fünf Jahren bei 27,3 Prozent gelegen, die Grünen waren auf 10,7 Prozent gekommen, die Linke holte 7,4 Prozent. Die AfD erreichte 7,1 Prozent, die FDP 3,4 Prozent.

Die von vielen Rechten erhoffte „Zeitenwende“ in Europa bleibt wohl aus. Christdemokraten und Sozialdemokraten verzeichneten zwar deutliche Verluste, und Rechte und rechtsradikale Parteien legten unterm Strich zu. So kamen die bisher in drei Fraktionen organisierten nationalistischen und EU-kritischen Parteien in ersten Prognosen auf insgesamt 177 der 751 Sitze im Europaparlament – 23 mehr als bisher. Doch gleichzeitig zeichnete sich so etwas wie ein gegenläufiger Trend ab: Grüne und Liberale gewannen ebenfalls kräftig.

Frankreich: Marine Le Pen schlägt Präsident Emmanuel Macron

In Frankreich schlug die Rechtspopulistin Marine Le Pen mit ihrer Partei Rassemblement National laut Prognosen die Partei LREM von Präsident Emmanuel Macron. Aber sie kam demnach mit 24,2 Prozent nicht über ihr Ergebnis von 2014 hinaus; damals erhielt ihre Partei 24,9 Prozent. Die rechtsnationale Fidesz-Partei hat nach einer Telefonumfrage regierungsnaher Wahlforscher die Europawahl in Ungarn klar für sich entschieden. Die Partei von Ministerpräsident Viktor Orban soll 56 Prozent der Stimmen erhalten haben, teilte das Institut Nezöpont mit.

Bei der Europawahl gab es im Osten Deutschlands starke Zugewinne für die AfD. Sie lag in Sachsen nach Auszählung von etwa der Hälfte der Stimmbezirke bei 30,1 Prozent, die CDU kam auf 27 Prozent. Auch in Brandenburg lag die AfD nach der Auszählung fast aller Wahlbezirke vorn. Danach kam die Partei auf 20,3 Prozent der Stimmen.