Europawahl

Etwa die Hälfte der Deutschen hat kaum Vertrauen in die EU

Die Europäische Union regelt den Alltag mehr als viele Bürger glauben. Doch das Vertrauen in die Institution ist nicht besonders groß.

Menschen spiegeln sich in einem Fenster mit einer europäischen Flagge im Europäischen Parlament am Tag der offenen Tür der EU-Institutionen.

Menschen spiegeln sich in einem Fenster mit einer europäischen Flagge im Europäischen Parlament am Tag der offenen Tür der EU-Institutionen.

Foto: Olivier Hoslet / dpa

Berlin. Nur wenige Tage vor der Europawahl in Deutschland zeigt eine Umfrage das mangelnde Vertrauen der Deutschen in die Staatengemeinschaft. Die Mehrheit der Befragten blickt mit großer Skepsis nach Brüssel und Straßburg: Mit 47,1 Prozent gaben beinahe die Hälfte der Bürger an, dass sie eher geringes (20,9 Prozent) oder sehr geringes Vertrauen (26.2 Prozent) in die EU haben.

Das ist das Ergebnis einer exklusiven Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag unserer Redaktion.

Sehr großes Vertrauen in die europäische Staatengemeinschaft haben nur 11,4 Prozent der Befragten. Mehr als ein Viertel der Befragten hat immerhin ein eher großes Vertrauen (27,7 Prozent). Fraglich ist, ob die Europawahl am 26. Mai etwas an der Einstellung der Deutschen ändern wird. Im Europawahl-Blog berichten wir wie Deutschland und 20 Länder wählen am Sonntag.

Europäische Union: Vertrauen bei Jüngeren größer

Ob die Deutschen der europäischen Staatengemeinschaft positiv gegenüberstehen oder nicht, hat laut der Umfrage auch etwas mit dem Alter zu tun. Auffällig ist nämlich, dass jüngere Bürger deutlich positiver Richtung Brüssel und Straßburg blicken als ältere. Jeder fünfte Befragte zwischen 18 und 29 Jahren gab an, sehr großes Vertrauen in die EU zu haben (20,2 Prozent).

Skeptischer sind hingegen die Gruppen im Alter von 50 bis 64 Jahren und alle Befragten, die 65 Jahre und älter sind. Bei ihnen gibt es sehr großes Vertrauen nur bei 8,5 bzw. 8,3 Prozent der Befragten. Hinzu kommt, dass fast jeder Dritte zwischen 50 und 64 Jahren nur ein sehr gering ausgeprägten Glauben an die EU hat – der Höchstwert in allen Altersklassen (29,9 Prozent)

In der Umfrage spiegelt sich damit der Eindruck wider, der durch Demonstrationen jungerer Bürger zuletzt entstanden war. Bei den Demonstrationen der Bürgerinitiative „Pulse of Europe“ waren in den vergangenen Monaten immer wieder Tausende vor allem junge Demonstranten für ein starkes Europa auf die Straße gegangen.

AfD-Wähler haben so gut wie kein Vertrauen in die EU

Deutliche Unterschiede zeigen sich auch bei der Parteipräferenz der Befragten. Anhänger der AfD sind gegenüber der EU dabei am kritischsten. Mit 93,8 Prozent gaben fast alle an, nur geringes Vertrauen in die europäischen Institutionen zu haben. Dieser Wert lässt sich wohl auch historisch erklären: Unter dem ehemaligen Parteichef Bernd Lucke war die AfD als Euro-kritische Partei angetreten.

Das größte Vertrauen in die EU haben Anhänger der Grünen (68,6 Prozent), gefolgt von SPD-Sympathisanten (67,1 Prozent). Besonders kritisch sind neben Anhängern der AfD auch Bürger, die der FDP nahestehen (43,5 Prozent), dicht gefolgt von Anhängern der Linken (42,9 Prozent)

In Deutschland wir am Sonntag, 26. Mai, gewählt. Die Wahl beginnt allerdings schon an diesem Donnerstag (23. Mai) in einigen anderen Ländern. Was wird genau gewählt? Und wer sind die Spitzenkandidaten. Das sind die wichtigsten Informationen zur Europawahl.

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An der repräsentativen Umfrage haben vom 27. April bis 22. Mai 2019 insgesamt 185.266 Bürger teilgenommen. Die Stichprobengröße umfasste dabei 5087 Personen.

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