Bandenkriminalität

Razzia gegen irakische Rocker – 800 Polizeibeamte im Einsatz

Mit einer Razzia geht die Polizei gegen organisierte Kriminalität in NRW vor. Es geht um das Umfeld einer irakischen Rockerbande.

Seit den frühen Morgenstunden sind in Nordrhein-Westfalen 800 Beamte bei einer Razzia gegen eine irakische Rockergruppe im Einsatz, darunter das SEK.

Seit den frühen Morgenstunden sind in Nordrhein-Westfalen 800 Beamte bei einer Razzia gegen eine irakische Rockergruppe im Einsatz, darunter das SEK.

Foto: JUSTIN BROSCH / Justin Brosch

Essen. Die Polizei kam mit einem Großaufgebot: 800 Einsatzkräfte haben am Mittwoch seit dem frühen Morgen 49 Objekte in Nordrhein-Westfalen durchsucht – unter anderem in Essen und Duisburg, Bonn und Dortmund, Krefeld und Köln.

Grund für die Razzia ist der Verdacht der organisierten Kriminalität - der Einsatz richtet sich gegen 34 Personen aus dem Irak und Syrien. Unter anderem wird wegen Waffen- und Rauschgifthandel sowie Schleuserdelikten vorgegangen. Zudem sollen Sprachzertifikate für Amtsanhörungen sowie Pässe gefälscht worden sein.

Großrazzia gegen Rockerbande
Großrazzia gegen Rockerbande

Auch SEK-Kräfte im Einsatz – wegen „gewisser Gefährlichkeit“

Für die Aktion wurden auch Einsatzhundertschaften und SEK-Kräfte hinzugezogen, da bei den Tatverdächtigen eine „gewisse Gefährlichkeit“ anzunehmen sei, hieß es weiter. Derzeit werden unter anderem Räumlichkeiten in verschiedenen Stadtteilen von Essen durchsucht, um Beweismittel zu sichern. Demnach ist die Polizei an der Frillendorfer Straße und Frintroper Straße im Einsatz. Es gab in Essen eine vorläufige Festnahme. Das Ermittlungsverfahren gegen die Tatverdächtigen wird von der Staatsanwaltschaft Essen sowie der Essener Polizei geführt.

Bei den Durchsuchungen wurden laut NRW-Innenminister Reul Falschgeld, Drogen, Computer, Handys und Datenträger beschlagnahmt. „Nach dem bisherigen Stand war das ein erfolgreicher Schlag gegen die organisierte Kriminalität“, sagte Reul. Die Polizeiaktion sei über Monate vorbereitet worden.

Rockergruppe „Al Salam 313“ war Polizei bereits bekannt

Der Einsatz zeige, so Reul, dass die Polizei in NRW „konsequent gegen jede Form der Kriminalität vorgeht“. Die Arbeit der Ermittler fange jetzt aber erst an. Die Gruppe „Al-Salam-313“ sei in der Öffentlichkeit bisher weniger diskutiert worden, aber der Polizei wohl bekannt gewesen.

Die Tatverdächtigen sollen nach Informationen der Redaktion aus dem Umfeld einer kurzlebigen irakischen Rockergruppe namens „Al Salam 313“ stammen, die zwischen 2016 und 2017 vor allem im Internet Präsenz gezeigt hatte. Die Gruppe bestand seinerzeit in Deutschland aus rund 50 Personen, hatte aber rasch Ableger in anderen europäischen Ländern, unter anderem in Dänemark, Holland und Schweden.

Schiiten-Führers Muqtada as-Sadr gab angeblich Anweisungen

Angeblich erhielt sie Anweisungen aus dem Umfeld des irakischen Schiiten-Führers Muqtada as-Sadr in Bagdad. Wie aus exilirakischen Kreisen zu vernehmen ist, soll die Gruppe mehrere zehntausend Euro aus dem Irak erhalten haben, um vor den irakischen Parlamentswahlen im vergangenen Jahr Landsleute auf as-Sadr einzuschwören.

Einer breiteren Öffentlichkeit wurde „Al Salam 313“ Anfang Dezember 2017 bekannt, als 20 Männer im Essener Südostviertel eine Teestube überfielen, deren Besitzer Muhamad B. war, der Anführer der Rockergruppe. Dem Vernehmen nach stammte das Überfallkommando aus dem Umfeld des sunnitisch-arabischen Al-Zein-Clans, mit dem sich die Rocker von „Al Salam 313“ überworfen hatten. Konkreter Anlass soll damals der geplante Auftritt eines irakischen Sängers gewesen sein.

Rockergruppe „Al Salam 313“ sollte eigentlich aufgelöst sein

Wie es hieß, hatten sich Muhamad B. und seine Gefolgsleute geweigert, für diesen Auftritt Schutzgeld an die Konkurrenz zu zahlen, die ihrerseits in Düsseldorf einen Club betreiben soll. Nach diesem Überfall verschwand „Al Salam 313“ von der Bildfläche, im vergangenen Jahr erklärte Muhamad B. die Auflösung der Gruppe.

Im aktuellen Lagebild Clankriminalität warnt das LKA vor einem neuen Verdrängungswettbewerb um kriminelle Märkte, die die alteingesessenen und häufig türkischstämmigen Clans unter Druck setzt. Die neuen Spieler in der Szene „mit Herkunft aus Syrien bzw. dem Irak“ würden im Milieu als besonders durchsetzungsstark und gewalttätig wahrgenommen, heißt es im Lagebild.

Erst vor einer Woche war die Polizei in einer bundesweiten Razzia gegen organisierte Kriminalität vorgegangen. Damals ging es um Steuerhinterziehung . (mit dpa)

Dieser Text ist zuerst auf waz.de erschienen.