Urteil

Wikileaks-Gründer Assange zu einem Jahr Haft verurteilt

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Julian Assange am Mittwoch im Gericht in London: Wegen Verstoßes gegen Kautionsauflagen wurde er zu 50 Wochen Haft verurteilt.

Julian Assange am Mittwoch im Gericht in London: Wegen Verstoßes gegen Kautionsauflagen wurde er zu 50 Wochen Haft verurteilt.

Foto: Jack Taylor / Getty Images

Julian Assange ist in Großbritannien zu 50 Wochen Haft verurteilt worden, weil er zu einem Gerichtstermin nicht erschienen war.

London. Julian Assange, Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, ist in London wegen Verstoßes gegen seine Kautionsauflagen zu 50 Wochen Gefängnis verurteilt worden. Das entschied der Southwark Crown Court am Mittwoch. Am Donnerstag soll es eine Anhörung zum Auslieferungsersuchen der USA geben.

Julian Assange war am 11. April in der Londoner Botschaft Ecuadors festgenommen worden; zuvor hatte ihm das südamerikanische Land den Asylstatus aberkannt. Nach der Festnahme hatte ein Gericht Assange des Verstoßes gegen Kautionsauflagen für schuldig befunden, am Mittwoch ging es um das Strafmaß.

Richterin sieht im Fall Assange keine mildernden Umstände

Assange erschien mit trotzig erhobener Faust im Gerichtssaal. In einem Brief, der am Mittwoch vor Gericht verlesen wurde, brachte der 47-Jährige allerdings Bedauern zum Ausdruck. „Ich entschuldige mich uneingeschränkt bei denen, die der Meinung sind, dass ich sie respektlos behandelt habe in der Weise, wie ich mich verhalten habe“, so Assange.

Die Richterin befand bei der Urteilsverkündung, Assange habe seine „privilegierte Stellung ausgenutzt“, um sich über Recht hinwegzusetzen. „Es ist schwer, ein schlimmeres Beispiel dieses Vergehens vorzustellen.“ Mildernde Umstände sah sie nicht gegeben.

USA fordern Auslieferung von Julian Assange

Seit 2012 hatte Julian Assange in der ecuadorianischen Botschaft gelebt. Er hatte sich in das Gebäude geflüchtet, um einem europäischen Haftbefehl wegen Vergewaltigungsvorwürfen zu entgehen. Assange hatte die Vorwürfe immer bestritten und befürchtete, an die USA ausgeliefert zu werden, wenn er sich ihnen in Schweden stellen würde.

Assanges Anwalt hatte vor Gericht argumentiert, der 47-Jährige habe sich den Behörden entziehen müssen, da ihn kein fairer Prozess erwarte und er an die USA ausgeliefert werden solle. Die USA wollen die Auslieferung: Sie werfen Assange Verschwörung mit der Whistleblowerin Chelsea Manning vor, um ein Passwort eines Computernetzwerks der Regierung zu knacken.

Manning hatte Wikileaks 2010 – damals noch als Bradley Manning – hunderttausende geheime Militärdokumente zukommen lassen. Es geht dabei um die US-Militäreinsätze im Irak und in Afghanistan.

Lange Zeit hatten die amerikanischen Justizbehörden nicht bestätigt, dass eine Anklage gegen Assange vorliegt. Am Donnerstag soll es nun erstmals eine Anhörung zum Auslieferungsgesuch der USA geben. Experten zufolge ist aber noch nicht mit wesentlichen Entwicklungen zu rechnen.

Wikileaks nennt Urteil gegen Assange „von Rache geleitet“

Wikileaks reagierte auf Twitter auf das Urteil: „Die Verurteilung Julian Assanges ist genauso schockierend wie von Rache geleitet. Wir haben große Bedenken, ob er eine faire Verhandlung über seine Auslieferung in Großbritannien bekommen wird.“

(moi/dpa)