Innenministerium

Seehofers einzige Frau: Das ist Staatssekretärin Bohle

Anne Katrin Bohle ist die einzige Frau im Innenministerium von Horst Seehofer. Als Staatssekretärin ist sie aber nicht bloß Quotenfrau.

Horst Seehofers Baumeisterin: Staatssekretärin Anne Katrin Bohle gilt als durchsetzungsstark und loyal.

Horst Seehofers Baumeisterin: Staatssekretärin Anne Katrin Bohle gilt als durchsetzungsstark und loyal.

Foto: Monika Skolimowska / dpa

Berlin. Der Mann, der Anne Katrin Bohle für die Politik gewann, verlor sie nie aus den Augen. Oliver Wittke (CDU) legte es nicht darauf an. Es ist nur so, dass das große Ruhrgebiet eine kleine Welt sein kann, in der man sich oft über den Weg läuft, Kulturinteressierte wie Bohle und Wittke zum Beispiel bei den Festspielen in Recklinghausen.

Wittke war bis 2009 Bauminister in Nordrhein-Westfalen, sie die Vorsitzende der Geschäftsführung der örtlichen Agentur für Arbeit. Zehn Jahre später begegnen sie sich in Berlin auf Augenhöhe, er parlamentarischer Staatssekretär im Verkehrsressort, sie beamtete Staatssekretärin im Ministerium für Inneres, Heimat und Bau, politisch im Hintergrund, aber mit Zugriff auf den Apparat.

Bohle kann viel bewegen. Soll sie auch. Beim Wohnungsgipfel gab sich die Regierung ein ehrgeiziges Ziel: 1,5 Millionen Wohnungen mehr bis 2021. „Mir fallen nur positive Attribute ein“, sagt Wittke, der die neue Bau-Staatssekretärin in Gelsenkirchen kennenlernte.

„Durchsetzungsstark und absolut loyal“

Er war der erste direkt gewählte Oberbürgermeister der Stadt. Als er Minister wurde, bot er der Juristin die Büroleitung an. „Sie ist durchsetzungsstark und absolut loyal“, erinnert sich Wittke. Vor allem ist sie eine Frau vom Fach.

Innenminister Horst Seehofer (CSU) hat das Lob der Abgeordneten im Bauausschuss für seinen Griff genossen. Und mehr noch, dass der Vorwurf ausgeräumt ist, er habe in seiner Führung den Begriff „Mannschaft“ wohl zu wörtlich genommen.

Das erste Gruppenfoto der Führungsspitze verfolgte ihn ein Jahr lang und trug ihm viel Häme ein: neun Personen in Anzug mit Krawatte, der Dienstherr und seine acht Staatssekretäre. Lauter Männer.

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Mit Bohle, die Gunther Adler ablöste, ist es ein Gruppenbild mit Dame geworden. Immobilienverband, Mietervereinigungen, Architektenkammer, Verband für Wohnungswirtschaft, sie alle hielten Adler „für das beste Pferd im Rennen“. Groß war der Aufschrei, als Seehofer ihn mal schassen wollte.

Anne Katrin Bohle ist keine bloße Quotenfrau

Groß war die Erleichterung, dass auf Adler, der Arbeitsdirektor der Infrastrukturgesellschaft für Autobahnen und andere Bundesfernstraßen wird, mit der parteilosen Abteilungsleiterin aus Düsseldorf am 25. März keine bloße Quotenfrau folgte. Neun Jahre lang stand sie dem Ausschuss der Bauministerkonferenz der Länder vor.

Es ist eine Ironie des Schicksals, dass sie gleich im ersten Monat nach ihrem Seitenwechsel auf die Länder angewiesen ist. Die stoppten im Dezember 2018 ein Vorhaben, das Bohle für einen „wesentlichen Baustein“ der investiven Impulse für den Wohnungsbau hält: eine Sonderabschreibung für den frei finanzierten Mietwohnungsneubau.

„Nun ist der Bundesrat am Zuge“, sagte Bohle unserer Redaktion. „Ich appelliere nachdrücklich an die Länder, das Vorhaben jetzt rasch auf die Tagesordnung zu setzen. Dieser wichtige Beitrag zur Schaffung von mehr bezahlbaren Mietwohnungen darf nicht an der Ausgestaltung von Einzelheiten scheitern“, mahnte sie.

Die Maßnahme werde deutliche Anreize zur Schaffung zusätzlichen Wohnraums durch private Investoren setzen. Dass sie auf breites Interesse stoße, „zeigt uns die große Zahl von Anfragen Bauwilliger, die uns zu diesem Thema erreichen“.

„Die Wahrheit is auf’m Platz“, sagt die gebürtige Recklinghäuserin

Die Steueranreize für Investoren sind eine von vielen Aufgaben. Eine Wohngeldreform steht an, ebenso die Stärkung des sozialen Wohnungsbaus. Ganz entscheidend ist für Bohle die Bodenfrage. Auch da ist sie freilich auf andere angewiesen.

Im Gespräch darüber fällt die gebürtige Recklinghäuserin in die Begrifflichkeiten ihrer fußballverrückten Heimatregion zurück. „Die Wahrheit is auf’m Platz“, sagt sie, und der Platz seien in diesem Fall die Kommunen. Wobei der Bund durchaus Grundstücke abgegeben hat, er habe „seine Aufgaben schon gemacht“.

Der Bund ist selbst ein großer Investor und Bauherr. Für die neue Staatssekretärin ein „hoch spannendes Thema“, aber auch ein völlig neues Feld, das ihr Respekt abnötigt: „Da bitte ich ein bisschen um Welpenschutz.“

Bohle hatte nur eine kurze Vorwarnzeit

Bohle, Jahrgang 1961, hatte nach eigener Aussage nur eine „kurze Vorwarnzeit“, als Seehofer ihr den Job antrug. Mit ihm ist sie noch in der Honeymoon-Phase und voll des Lobes über den kurzen Draht zum Ministerbüro; auch darüber, dass es „keine Denkverbote“ gebe.

Ihre Meinung zur Berliner Diskussion um die Enteignung von Wohnungsbaugesellschaften behält sie trotzdem lieber für sich. Sie ist vorsichtig. Wer weiß, wie das Berliner Abenteuer enden wird?

Bohle behält ihren ersten Wohnsitz in Bochum, suchte sich vorübergehend eine Bleibe im Stadtteil Moabit und gab sich drei Monate Zeit für die Suche nach einer Wohnung in der Hauptstadt. Im Ministerium fühle sie sich „hervorragend aufgenommen“. Dass die ganze Abteilung in dem Haus neu und eigentlich fremd ist, bekam sie (noch?) nicht zu spüren.

Die Bauleute sitzen ohnedies nicht unter einem Dach mit ihren Kollegen von der Inneren Sicherheit. Sie haben ihren eigenen Standort in der Krausenstraße in Berlin-Mitte. Der ganze Bereich sei „ausgesprochen weiblich“, erzählt Bohle mit ihrer ruhigen und für eine Frau tiefen Stimme, „da muss man sich Sorgen machen um die Männer“. (Miguel Sanches)