Amnesty-Bericht

Zahl dokumentierter Hinrichtungen sinkt auf Zehn-Jahres-Tief

Bericht zur Todesstrafe: Vier Länder sind laut Amnesty International verantwortlich für drei Viertel der dokumentierten Hinrichtungen.

Gegen die Todesstrafe protestierte diese Amnesty-Aktivistin bei einem Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Sizilien.

Gegen die Todesstrafe protestierte diese Amnesty-Aktivistin bei einem Besuch des chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Sizilien.

Foto: Guglielmo Mangiapane / Reuters

Berlin. Mindestens 690 Menschen sind 2018 weltweit offiziell hingerichtet worden. Das berichtet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in ihrer Dokumentation zur Todesstrafe. Damit seien so wenige Hinrichtungen dokumentiert wie zuletzt vor zehn Jahren.

Dem Bericht zufolge sind Hinrichtungen in 20 Staaten bekannt geworden. 2017 waren es noch 993 Exekutionen in 23 Staaten. Allerdings gebe es eine große Dunkelziffer von vollstreckten Todesstrafen, vor allem in China: Dort seien auch 2018 mutmaßlich mehrere Tausend Menschen hingerichtet worden, heißt es in dem Bericht, der am Mittwoch vorgestellt werden soll.

Vier Länder für drei Viertel der dokumentierten Hinrichtungen verantwortlich

Vier Länder waren demnach für 78 Prozent der dokumentierten Exekutionen verantwortlich: Iran (mindestens 253), Saudi-Arabien (149), Vietnam (mindestens 85) und der Irak (mindestens 52). Die insgesamt erhebliche Abnahme der Hinrichtungen habe im Wesentlichen zwei Ursachen: „Zum einen haben einige derjenigen Länder, die weltweit immerfort für das Gros der Hinrichtungen verantwortlich sind, wie Irak, Iran, Pakistan und Somalia die Anwendung der Todesstrafe zurückgefahren“, stellt die Organisation fest. „Zum anderen verringerte sich auch die Zahl der Länder, von denen bekannt wurde, dass sie Hinrichtungen durchgeführt haben.“

Doch es gebe auch Rückschritte im Kampf gegen die Todesstrafe, stellen die Autoren des Berichtes fest. In der Mehrheit der Länder, die Menschen zum Tode verurteilen oder hinrichten, werde die Todesstrafe nach Prozessen verhängt, die nicht den internationalen Rechtsstandards für ein faires Gerichtsverfahren entsprechen.

„Trend zur Abschaffung der Todesstrafe nicht umzukehren“

In einigen Fällen basierten Urteile sogar auf Aussagen, die durch Folter oder Misshandlung erpresst worden sein könnten – so in Ägypten, Bahrain, China, Irak, Iran und Saudi-Arabien. Dennoch gelte: „Der Trend zur Abschaffung der Todesstrafe ist nicht mehr umzukehren. Jedes Jahr wird der Kreis derjenigen Staaten, die auf die Todesstrafe verzichten, größer.“

Markus N. Beeko, Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, erklärte: „Die Todesstrafe ist grausam, unmenschlich, verstößt gegen das Recht auf Leben und gegen den Geist der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.“ Zwei Drittel der Staaten weltweit hätten die Todesstrafe abgeschafft oder verhängten sie nicht mehr. Der Rückgang der Exekutionen sei „eine wichtige Entwicklung zu einer Welt ohne Hinrichtungen.“ (dpa/moi)