Flüchtlinge

Malta: Armee erobert von Migranten gekapertes Schiff zurück

Migranten hatten im Mittelmeer ein Handelsschiff gekapert. Die maltesische Armee übernahm die Kontrolle, das Schiff ist in Valetta.

Migranten gehen von Bord des Öltankers „El Hiblu 1“, nachdem maltesische Armee die Kontrolle über das Schiff übernommen hat.

Migranten gehen von Bord des Öltankers „El Hiblu 1“, nachdem maltesische Armee die Kontrolle über das Schiff übernommen hat.

Foto: DARRIN ZAMMIT LUPI / Reuters

Valletta/Rom. Die maltesische Armee hat ein Handelsschiff zurückerobert, das Mittwoch von Migranten gekapert worden war. Die Migranten, die von der Schiffsbesatzung gerettet worden waren, hatten die Kontrolle über das Schiff vor der Küste Libyens übernommen und waren nach Norden gefahren.

Das Handelsschiff „El Hiblu“ habe im Mittelmeer eine Gruppe Migranten vor der libyschen Küste aufgenommen, dann aber etwa sechs Seemeilen vor der Hauptstadt Tripolis plötzlich den Kurs Richtung Nord geändert, hieß es in einer Mitteilung der maltesischen Armee.

Eine Spezialeinheit war an Board gegangen und hatte das Schiff dem Kapitän zurückgegeben, wie es in der Mitteilung der Armee weiter hieß. Der Tanker wurde nach Malta eskortiert. Das Schiff legte am Donnerstagmorgen im Hafen vor der Hauptstadt Valletta an. Dort wurden die Migranten und die Crew der Polizei übergeben.

Gekapertes Handelsschiff vor Malta hatte Medien zufolge 108 Migranten an Bord

Am Mittwoch waren die maltesischen Behörden über ein „auf See überfallenes Schiff“ informiert worden. Der Kapitän setze einen Alarm ab. Italienischen und maltesischen Medien zufolge waren 108 Migranten an Bord des Schiffes, das unter der Flagge des Inselstaates Palau fahre. An Bord sollen auch Frauen und Kinder sein.

Italiens Innenminister Matteo Salvini von der rechten Lega-Partei sagte am Mittwoch: „Es sind keine Schiffbrüchigen, es sind Piraten.“ Sowohl Italien als auch Malta wollen Bootsflüchtlinge nicht aufnehmen, solange es keinen EU-weiten Verteilmechanismus gibt. Vor der libyschen Küste sind kaum mehr Rettungsschiffe im Einsatz, die Boote von Hilfsorganisationen wurden immer wieder lange auf dem Meer blockiert oder aus dem Verkehr gezogen.

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EU hat Marineeinsatz vor libyscher Küste gestoppt

Auch die EU hat ihren Marineeinsatz vor der libyschen Küste gestoppt. Deutschland hatte seine Beteiligung an der Sophia-Mission bereits im Januar ausgesetzt. Die am Mittwoch offiziell bestätigte Entscheidung sieht vor, bei der Anti-Schleuser-Operation Sophia vorerst nur noch Luftaufklärung zu betreiben und libysche Küstenschützer auszubilden. Diese sollen die Migranten wieder in das Bürgerkriegsland bringen, wo den Menschen allerdings schwere Misshandlungen drohen.

Immer wieder wehren sich Migranten deshalb, nach Libyen zurückgebracht zu werden. Hilfsorganisationen sprechen von unmenschlichen Bedingungen vor Ort und gar von „Konzentrationslagern“, in denen die Migranten auch Folter ausgesetzt seien.

Im November hatten sich etwa 90 Migranten geweigert, ein Containerschiff zu verlassen, das sie nach Libyen zurückgebracht hatte. Von einer „gefährlichen Lage“, die die große Verzweiflung von „verletzlichen Menschen“ auf der Flucht zeige, sprach die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen nun. „Die EU-Politik gefährdet Menschen immer mehr, und hat Handelsschiffe in eine unmögliche Lage gebracht.“ Vor zwei Wochen ertranken im Mittelmeer 45 Migranten auf dem Weg nach Spanien. Im Januar kam bei einem Bootsunglück 117 von 120 Migranten ums Leben. (dpa/mein/cvdv)