Rechtsextremismus

Über 100 Droh-Mails verschickt – Helene Fischer betroffen

Politiker, Anwälte, Journalisten: Bundesweit soll es laut Berichten Droh-Mails vom „NSU 2.0“ geben. Auch Helene Fischer ist betroffen.

Helene Fischer hat laut Medienberichten einen rechtsextremen Drohbrief erhalten.

Helene Fischer hat laut Medienberichten einen rechtsextremen Drohbrief erhalten.

Foto: Malte Ossowski / SVEN SIMON / imago/Sven Simon

Berlin. Bereits seit mehreren Wochen gibt es laut Berichten eine bundesweite Serie mutmaßlich rechtsextremer Gewaltdrohungen gegen Politiker und andere öffentlich herausgehobene Personen. Es gehe um mehr als 100 verschickte E-Mails, die mit „Nationalsozialistische Offensive“, „NSU 2.0“ oder „Wehrmacht“ unterzeichnet worden seien, berichteten am Mittwochabend die „Süddeutsche Zeitung“ und der NDR.

Darunter seien auch Bombendrohungen. Bei Durchsuchungen seien aber bisher keine Bomben gefunden worden. Wegen entsprechender Drohungen seien am Montag der Hauptbahnhof Lübeck sowie am Dienstag das Finanzamt Gelsenkirchen vorsorglich geräumt worden, hieß es.

Mindestens fünfzehn Mal sollen seit Dezember Bombendrohungen mit dem Absender „Nationalsozialistische Offensive“ auch bei Gerichten oder Justizzentren eingegangen sein, unter anderem beim Oberlandesgericht München, dem Oberlandesgericht Bamberg, der Staatsanwaltschaft in Frankfurt, aber auch beim Flughafen Hamburg.

Schlagersängerin Helene Fischer betroffen

Zu den Adressaten zählt laut den Berichten auch Schlagersängerin Helene Fischer. Die Sängerin hatte sich nach den Ausschreiten in Chemnitz im vergangenen Jahr bei einem Konzert gegen Fremdenfeindlichkeit geäußert. Kurz darauf zeigten zwei Männer bei einem Fischer-Konzert den Hitlergruß und wurden aus der Konzerthalle geworfen.

Neben der Schlagersängerin würden die Mails gegen Politiker, Anwälte, Journalisten und den Zentralrat der Juden gehen. Ob dahinter jedoch stets dieselben Personen steckten oder auch Trittbrettfahrer, sei unklar, heißt es in den Berichten.

Die Bundesanwaltschaft hat den Berichten zufolge einen Prüfvorgang angelegt. Ein Sprecher der Karlsruher Behörde wollte sich auf Anfrage dazu nicht näher äußern, verwies aber auf die örtlichen Staatsanwaltschaften. Den Berichten zufolge haben sich die Generalstaatsanwälte der Länder geeinigt, die Ermittlungen gebündelt bei der Berliner Staatsanwaltschaft zu führen (Aktenzeichen 231 UJs. 181/19).

Briefbomben angekündigt

Von dort war inhaltlich zunächst keine Stellungnahme zu erhalten, ein Sprecher kündigte für Donnerstag eine Reaktion an. Ermittelt wird laut den Medien wegen des Vorwurfs der räuberischen Erpressung, der Volksverhetzung und der Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten. Die persönlich adressierten Schreiben seien von unterschiedlichen Mailkonten verschickt worden, in der Wortwahl aber so ähnlich, dass die Ermittler einen Zusammenhang vermuteten, meldeten die Medien.

• Hintergrund: Neuer Drohbrief von „NSU 2.0“ – steckt die Polizei dahinter?

Interaktiv:

Eine Mail sei am Dienstag der Bundestagsabgeordneten Martina Renner (Linke) zugegangen, hieß es. Sie sei mit „Nationalsozialistische Offensive“ unterzeichnet gewesen und habe angekündigt, künftig Briefbomben zu verschicken und Bürger auf offener Straße zu exekutieren.

Nur im Fall der Frankfurter Anwältin Hintergrundwissen

Man verfüge über Sturmgewehre, Pistolen und biologische Kampfstoffe. Bekannt ist, dass unter dem Kürzel „NSU 2.0“ in den vergangenen Monaten auch Drohschreiben an eine Frankfurter Rechtsanwältin geschickt worden waren. NSU ist das Kürzel des sogenannten Nationalsozialistischen Untergrunds, der zehn Menschen erschossen hatte, wofür die einzige Überlebende Beate Zschäpe in einem noch nicht rechtskräftigen Urteil als Mittäterin verurteilt worden war.

Bei den Schreiben an die Frankfurter Anwältin war Hintergrundwissen aus dem Informationssystem der Polizei offenbart worden, weshalb nun gegen hessische Polizisten ermittelt wird. Dieser Fall sei eine Ausnahme in der Serie, hieß es in den Medienberichten. In den übrigen Fällen hätten die E-Mails nur öffentlich zugängliche Informationen enthalten. (dpa/les)