Terrorismus

Amri-Freund und Islamist Bilal Ben Ammar verschwunden

Das Innenministerium kennt den Aufenthaltsort des Islamisten Bilal Ben Ammar nicht. Die Behörden schoben ihn 2017 nach Tunesien ab.

Beim Anschlag auf dem Breitscheidplatz starben am 20. Dezember 2016 zwölf Menschen. Der Freund des Attentäters Anis Amri ist verschwunden.

Beim Anschlag auf dem Breitscheidplatz starben am 20. Dezember 2016 zwölf Menschen. Der Freund des Attentäters Anis Amri ist verschwunden.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin.  Die Behörden wissen nicht, wo der am 1. Februar nach Tunesien abgeschobene Islamist Bilal Ben Ammar derzeit ist. Auf einer Pressekonferenz zum Fall Anis Amri sagte Innenminister Horst Seehofer: „Mir ist momentan der Aufenthalt nicht bekannt.“ Ben Ammar war ein Freund des Berliner Weihnachtsmarkt-Attentäters Amri.

Am Abend vor dessen Anschlag aßen beide gemeinsam in einem Lokal. Die Bundesregierung werde versuchen herauszufinden, wo sich Ben Ammar derzeit aufhält, fügte Seehofer hinzu. Der Untersuchungsausschuss des Bundestages zum Anschlag auf dem Breitscheidplatz will ihn als Zeugen vernehmen.

Der nach Tunesien abgeschobene Ammar hat für den Abend des Anschlags kein wasserdichtes Alibi. Die Ermittler notierten schon am 20. Januar 2017, die bisherigen Erkenntnisse zu Bilal Ben Ammar könnten „eine Tatbeteiligung und/oder ein Mitwissen in Zusammenhang mit dem LKW-Angriff am Breitscheidplatz vom 19.12.2016 bisher weder bestätigen noch ausschließen“.

Falschaussagen bei erster Vernehmung

Bei seiner ersten Vernehmung hatte er angegeben, am Tattag in der Sprachschule und zu Hause gewesen zu sein. Doch das war falsch, wie eine Nachfrage in der Schule dann ergab. Dem Deutsch-Kurs war er am 19. und 20. Dezember 2016 unentschuldigt ferngeblieben. Später behauptete Ben Ammar, er sei krank gewesen.

TV-Doku zeigt Chronik des Versagens im Fall Anis Amri
TV-Doku zeigt Chronik des Versagens im Fall Anis Amri

Doch auf seinem Smartphone entdeckte die Polizei ein Foto vom 19. Dezember, das den Weihnachtsmarkt in Berlin-Spandau zeigt. Wie aus den Ermittlungsakten hervorgeht, fanden die Beamten zudem einen Einkaufsbeleg eines Supermarkts vom gleichen Tag.

Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen gekapert, mit dem er auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz raste. Er tötete zwölf Menschen, mehr als 70 Menschen wurden verletzt. An den Sicherheitsbehörden hatte es in der Folge immer wieder harsche Kritik gegeben. (dpa/les)

• Hintergrund: Der Fall Amri – die Chronik eines Behördenversagens

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos

Beschreibung anzeigen

Meistgelesene