Selbstdarstellung

Foto-Netzwerk: Wie sich Politiker auf Instagram präsentieren

Urlaubsfotos, Sonntagsessen, Werbebilder – Politiker präsentieren sich unterschiedlich bei Instagram. Der Check, wer was online macht.

Angela Merkel wird bei einem Pressetermin fotografiert – anders als viele Kollegen postet sie selbst nicht, überlässt das Feld bei Instagram ihrem Team.

Angela Merkel wird bei einem Pressetermin fotografiert – anders als viele Kollegen postet sie selbst nicht, überlässt das Feld bei Instagram ihrem Team.

Foto: Patrick Scheiber / imago/Patrick Scheiber

Berlin.  Christian Lindner zeigt gerne Bilder vom Wald. Laubwald in der Uckermark, Fichtenwald im Sauerland, Mischwald in der Eifel. „Es ist ganz amüsant: Da sieht man nichts außer Wald und trotzdem finden das dann 3000 Leute interessant“, sagt der FDP-Chef.

Lindner gehört wie SPD-Justizministerin Katarina Barley und Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt zu den Politikern, die Instagram ab und zu noch so nutzen, wie es ursprünglich mal gedacht war: als digitales Fotoalbum, in dem Freunde Schnappschüsse aus dem Alltag teilen.

Doch für alle drei ist die Instagram-Welt längst mehr: Ein Medium, um vor allem junge Leute anzusprechen, die oft kaum noch klassische Medien nutzen und mit Facebook oder Twitter nichts zu tun haben wollen.

Instagram gilt als freundliche Plattform

Instagram halten viele für die friedlichste unter den Social-Media-Plattformen. Als Grünen-Chef Robert Habeck seinen Ausstieg aus Facebook und Twitter erklärte, nahm er das Bilder-Portal ausdrücklich aus: „Mit Instagram habe ich bisher keine schlechten Erfahrungen gemacht, deshalb gab es keinen Grund, da raus zu gehen.“

Habeck gehört mit seinen gut 22.000 Followern zu den Instagram-Hochleistern in der Politik. Doch es gibt einige, die noch sichtbarer sind: Im letzten Sommer schaffte es Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) mit vier Bildern in die Top Ten der beliebtesten Urlaubsbilder von Spitzenpolitikern, Christian Lindner war mit drei Schnappschüssen dabei, Grünen-Politiker Cem Özdemir schaffte es immerhin gleich mit zwei Posts in die Charts.

Kein Vergleich zu den Stars aus Sport und Showgeschäft

Auch außerhalb der Ferien gehören die drei zu den politischen Instagrammern mit der größten Reichweite. Doch an die echten Stars der Szene reicht keiner von ihnen: Deutsche Fußballer wie Toni Kroos kommen auf über 20 Millionen Follower, Popstar Justin Bieber folgen mehr als 100 Millionen Fans.

Bei Lindner dagegen sind es 112.000 Leute, bei Dorothee Bär 22.700, Özdemir kommt auf 34.500. Was posten Politiker eigentlich? Wir haben uns durch Instagram-Accounts der deutschen Politik geklickt – und verschiedene Typen gefunden.

Angela Merkel (CDU): die Professionelle

Angela Merkels Instagram-Posts folgen immerhin 790.000 Abonnenten – doch das Profil „Bundeskanzlerin“ ist eben nicht ihre private Spielwiese, die Posts machen ihre Presseleute.

Und so sieht es dann auch aus: Bilder von der Neujahrsansprache, das Kanzleramt mit Weihnachtsbaum. Selbst das Griechenlandbild mit nächtlichem Athen-Panorama ist kein privater Schnappschuss – sondern ein Foto vom letzten Staatsbesuch.

Dorothee Bär (CSU): die Verspielte

Viele junge Instagrammer lieben die Plattform, weil sie wie ein digitales Malbuch funktioniert: Wer gerne dekoriert und verschönert, kann seine Bilder mit Filtern und Effekten aufhübschen und sein Leben aussehen lassen wie eine Abfolge cool, witzig oder emotional kuratierter Momente.

Dorothee Bär ist zwar schon vierzig, aber ihr Instagram-Profil sieht aus wie ein Mädchentraum: Bär mit Weichzeichner, Bär mit Freundinnen in Sektlaune, Bär mit Lebkuchenherz. „Instalover, Mama, Politikerin, Gamerin, Jägerin, Fränkin, Bayerin, Teilzeit-Berlinerin…“ so beschreibt sich die CSU-Politikerin auf ihrer Seite. (Den Instalover hätte sie sich dabei allerdings auch sparen können – DAS sieht man nun wirklich.) Fast 23.000 Menschen folgen ihr.


Christian Lindner (FDO): der Jäger und Sammler

Mehr als 900 Fotos und Kurzvideos hat Lindner in den vergangenen Jahren gepostet. Wenn der FDP-Chef, der seit kurzem einen Jagdschein hat, nicht gerade auf der Pirsch ist und Waldbilder aus dem Unterholz postet, zeigt er sein Lieblingsmotiv: Christian Lindner.

Mal lässt er auch andere mit aufs Bild, oft legt er noch ein Zitat von sich über das Foto. Es sind Sätze und Slogans, wie man sie von den FDP-Wahlplakaten kennt - „Midlife-BAföG statt Midlife-Crisis“.

Der Effekt: Lindners Instagram-Account wirkt über weite Strecken wie eine Best-of-Lindner-Sammlung. Das Problem: Weil auch Lindners Team hier ziemlich viel postet, kann es zu Missverständnissen kommen, auch dann, wenn seine Leute es grundsätzlich kenntlich machen, wenn sie gerade am Profil des Chefs polieren.

Die alte Idee vom persönlichen Online-Fotoalbum – bei Lindner muss man inzwischen lange danach suchen.

Heiko Maas (SPD): der Kosmopolit

Man in Black vor der Moskauer Lomonossow-Universität, Redner vor den Vereinten Nationen in New York, Zuhörer im Mor-Mattai-Kloster im Nordirak – Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) inszeneiert sich als Weltenbürger auf Friedensmission.

Mehr als 100 Instagram-Posts sind angelegt wie ein politisches Bilderbuch, mit schicken Fotos und Interviews. Allgegenwärtig sind klare Botschaften gegen Rechts und für ein vereintes Europa.

Ebenso allgegenwärtig: die eng geschnittenen Maas-Anzüge des Saarländers. Ein Social-Media-Team pflegt den stylishen Auftritt. Resonanz: fast 19.000 Abonnenten.

Sahra Wagenknecht (Linke): die Dozentin

Instagram scheint irgendwie die falsche Plattform für die L inken-Fraktionschefin zu sein. Dafür hat Wagenknecht erstaunlich viele Follower generiert. 34.400. Was die zu sehen bekommen? Vor allem politische Parolen, die auf Symbolbilder gelegt wurden.

„9,19 Euro sind kein Mindestlohn, das ist ein Armutslohn“, steht etwa auf dem verschwommenen Bild einer im Hintergrund zu erahnenden Kellnerin. Auch politische Gegner werden angegangen. Natürlich mit Foto und schmissigem Wahlkampf-Slogan.

Neben den politischen Kalendersprüchen sieht man vor allem eins: Sahra Wagenknecht. Im Bundestag, auf Bühnen, im Fernsehen. Natürlich immer flankiert von einer politischen Botschaft.

Privates sucht der Nutzer vergebens.

Katrin Göring-Eckardt (Grüne): die Romantische

Mit 5933 Followern ist Katrin Göring-Eckard sicherlich nicht an der Instagram-Spitze, doch die Grünen-Fraktionsvorsitzende gibt sich auf ihrem Profil erstaunlich instagramtauglich. Mode, Essen, Selfies – kein Problem für die 52-Jährige.

Ein rotes Kleid hängt am heimischen Schrank in der Abendsonne, die roten Pumps werden „Backstage“ im Bundestag gegen rote Turnschuhe ausgetauscht. Hier ein Schnappschuss vom sonntäglichen Abendessen, Hashtag Vegan. Da ein Bild vom Adventskranz oder dem liebevoll arrangierten Herbststrauß.

Zwischendurch ein Video von einer Urlaubs-Radtour auf Rügen. Kornblumen wiegen sich sanft im Wind. Ein Glas Sekt auf dem Weinberg, eine „schicke“ Parteitagskulisse. Hach, Politik kann so schön sein.

http://IG_Politiker_Eckardt{esc#216256553}[instagram]

Peter Tauber (CDU): der Selfie-König

Peter Tauber joggt. Regelmäßig. Wie weit und wie er danach aussieht hält er konsequent in einem Selfie fest. 572 Personen gefiel das beim letzten Mal.

Ganze 12.600 Abonnenten folgen dem CDU-Politiker nicht nur bei seinen Langstreckenläufen, sondern auch bei zahlreichen Besuchen der Bundeswehr, bei öffentlichen Auftritten und ab und zu beim Essen.

Tauber, der seinen Account auch privat nutzt, scheint grundsätzlich gerne Selfies zu mögen. Nicht nur nach dem Joggen. Neben seiner Wahlkampfgruppe oder Bundeswehrsoldaten müssen sich auch hochrangige Politiker und Promis seiner Selfie-Wut beugen. Tauber hatte sie alle vor der Linse. Von Mark Forster bis Angela Merkel.

Mit Fragen wie „Wer hat Lust morgens mal mitzulaufen?“, scheint er zudem einer der wenigen Politiker zu sein, die verstehen, wie die Instagram-Community funktioniert. Über direkte Ansprache. Da stellt sich nur noch die Frage „Wann und wo?“

Alice Weidel (AfD): die Umstrittene

Die AfD-Fraktionschefin hat erst 25 Bilder gepostet – aber immerhin schon 17.500 Follower. Dabei ist das, was sie zeigt, nicht gerade originell: Weidel zeigt Weidel. Mal im Hosenanzug, mal mit Trekking-Klamotten. Auf den ersten Blick ein etwas biederer Auftritt, bei dem sich nicht erklärt, warum so viele dranbleiben wollen.

Ein Blick auf die Kommentare zeigt zudem, dass für Weidel die Sache mit dem freundlichen Instagram-Ton nicht gilt: Die Weidel-Fans und die Weidel-Gegner pampen sich genüsslich an.