Kommentar

Trotzkopf Trump treibt Fremdschäm-Faktor auf Rekordhöhe

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Dirk Hautkapp
Donald Trump - Vom aufmüpfigen Jungen zum US-Präsidenten

Donald Trump - Vom aufmüpfigen Jungen zum US-Präsidenten

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Zwei Jahre nach seinem Amtsantritt zeigt sich Donald Trump im Shutdown-Streit besonders kleinkariert. Noch schaut Amerika passiv zu.

Washington.  Rechtzeitig zum zweijährigen Bestehen seiner Präsidentschaft an diesem Sonntag hat Donald Trump den Fremdschäm-Faktor auf neue Rekordhöhen getrieben.

Der Demokratin Nancy Pelosi in letzter Minute eine Dienstreise zu US-Soldaten nach Afghanistan zu verbauen, weil sie ihm (mit guten Argumenten) während des lähmenden Regierungsstillstands die „Rede zur Lage der Nation“ verunmöglicht hat, atmet den Geist eines kleinkarierten, bösartigen Mannes, der immer nachtreten muss.

Der hässliche Kampf um die Mauer ist ein Symbol

Dass Trump dann auch noch die amerikanische Delegation für das Treffen der globalen Eliten in Davos zum Daheimbleiben verurteilt, um billige Punkte bei seiner bröckelnden Rest-Wählerschaft zu machen, zeigt, dass dieser Präsident keine Supermacht führen will.

Ihm reicht die Rolle als Oberschiedsrichter in einem von ihm selbst inszenierten Polit-Dschungelcamp, in dem sich jeder über kurz oder lang dreckig macht. Der hässliche Kampf um die Mauer an der Grenze zu Mexiko, in dem Trump Notstände erfindet, die es nicht gibt, steht dafür als Symbol.

Wie fies das alles noch wird, bis der Wähler 2020 intervenieren kann oder zuvor ein durch die Russland-Affäre ausgelöstes Amtsenthebungsverfahren den Populisten neutralisiert, ist nicht schwer zu raten.

Trump nimmt Amerika mit auf desaströsen Ego-Trip

Befreit von den letzten Erwachsenen in seinem engsten Kreis wie Verteidigungsminister James Mattis oder Stabschef John Kelly, nimmt Trump Amerika und die Welt inzwischen jeden Tag auf einen desaströsen Ego-Trip nach dem anderen mit.

Mal sind es Austrittgerüchte aus der Nato, die elektrisieren. Mal halbgare Ideen über einen Friedensplan im Nahen Osten. Oder übereilte Abzugspläne in Syrien oder Afghanistan, bei denen fahrlässig Menschenleben und Allianzen aufs Spiel gesetzt werden.

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Trump nimmt beim „Shutdown“ Staatsbedienstete in Geiselhaft

Zwischendurch nimmt der Präsident ohne jedes Schuldgefühl 800.000 Staatsbedienstete wochenlang in Geiselhaft, weil man ihm sein „Räppelchen“ nicht zugestehen will – die Mauer an der Grenze zu Mexiko, von der die Mehrheit der Bevölkerung glaubt, dass sie überflüssig und zu teuer ist.

Wo wird das enden, wenn demnächst der Konflikt mit dem Iran wirklich eskalieren sollte? Oder wenn ein zweites Schaulaufen mit Nordkoreas Diktator Kim Jong-un wie schon das erste in der Substanz ergebnislos endet?

Wie lange kann sich Trump noch mit Trotz retten?

Im Moment sieht Amerika noch irritiert aber weitgehend passiv zu, wie der Mann im Oval Office, der sich als „Deal-Maker“ empfohlen hat, dabei ist, alles in Grund in Boden zu verhandeln.

Wenn es mit der Wirtschaft weiter bergab geht und parallel dazu Sonder-Ermittler Robert Mueller seinen Bericht über den mutmaßlich korruptesten Präsidenten in der amerikanischen Geschichte vorlegen wird, kann die Stimmung schnell kippen. Mit kindlichem Trotz wie jetzt wird sich Trump dann nicht mehr retten können.

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