EU-Austritt

EU-Parlamentarier fordern mit offenem Brief Exit vom Brexit

Mehr als hundert Abgeordnete des EU-Parlaments richten sich in einem offen Brief an die Briten. Sie werben für den Verbleib in der EU.

Pro-europäische Demonstranten am vergangenen Freitag mit ihren Schildern vor dem britischen Parlament.

Pro-europäische Demonstranten am vergangenen Freitag mit ihren Schildern vor dem britischen Parlament.

Foto: Frank Augstein / dpa

Berlin.  Überraschender Appell an die Briten kurz vor der Brexit-Abstimmung im Parlament am Dienstag: Mehr als hundert Abgeordnete des EU-Parlaments werben in einem offenen Brief an die Bürger Großbritanniens für einen Verzicht auf den bevorstehenden EU-Austritt des Landes.

„Wir bitten darum, im Interesse der nächsten Generation den Austritt zu überdenken“, heißt es im Entwurf des Schreibens, das Anfang der Woche in Großbritannien veröffentlicht werden soll. Sollte Großbritannien entscheiden, den Austrittsantrag zurückzuziehen, würden die EU-Abgeordneten das unterstützen.

„Jede britische Entscheidung, in der EU zu bleiben, würde von uns sehr begrüßt und wir würden mit Ihnen zusammenarbeiten, um die Europäische Union zu reformieren und zu verbessern“, heißt es in dem Brief.

Die EU bereitet sich aif Verwaltungsebene einem Medienbericht zufolge bereits auf eine Verschiebung des Austritts Großbritanniens über das vorgesehene Datum 29. März hinaus vor. Der britische „Guardian“ schrieb in seiner Online-Ausgabe unter Berufung auf hohe EU-Beamte, Brüssel halte es für sehr unwahrscheinlich, dass die Frist eingehalten werden könne.

CDU-Abgeordneter fürchtet „riesigen Schaden“ durch Brexit

Die Abgeordneten schreiben in ihrem Brief derweil: „Wir haben den enormen Einfluss der britischen Politiker und Bürger in den vergangenen 40 Jahren sehr geschätzt. Wir würden das außergewöhnliche Know-how unserer britischen Kollegen vermissen.“

Mitunterzeichner Peter Liese (CDU) sagte unserer Redaktion: „Wir wollen ein Zeichen an die Bevölkerung und damit auch an das Unterhaus senden und klar machen: Wenn die Briten sich entscheiden zu bleiben, sind sie herzlich willkommen.“

Einige „Kleinigkeiten“ müssten in einem solchen Fall geändert werden – aber das sei zu vernachlässigen gegenüber dem „riesigen Schaden“, der bei einem Brexit und besonders einem ungeregelten Austritt entstehe, so der Europa-Abgeordnete aus NRW. „Unsere Herzen und unsere Türen sind offen“, betonte der CDU-Politiker.

Der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten des EU-Parlaments, David McAllister (CDU), rief alle Abgeordneten des britischen Unterhauses dazu auf, sich ihrer „großen politischen Verantwortung bewusst zu sein“ und dem Austrittsvertrag zuzustimmen.

Unserer Redaktion sagte McAllister: „Nach über 17 Monaten schwieriger Verhandlungen liegt ein für beide Seiten vertretbares Abkommen vor.“ Es sei die Grundlage für einen geregelten britischen EU-Austritt. „Ohne Zustimmung zum Abkommen droht ein harter Brexit ohne eine Übergangsphase“, warnte der Chef-Außenpolitiker des EU-Parlaments. „Das hätte sehr negative Folgen für beide Seiten und sollte unbedingt vermieden werden.“