Arbeitsbelastung

Fußball und Terror: 22 Millionen Überstunden bei der Polizei

2018 haben Polizisten 22 Millionen Überstunden gemacht. Eine Entspannung der Lage ist nicht abzusehen, prophezeien Gewerkschaften.

Polizisten und ein Wasserwerfer sichern einen Bereich vor dem Kieler Fußball-Stadion.

Polizisten und ein Wasserwerfer sichern einen Bereich vor dem Kieler Fußball-Stadion.

Foto: Frank Molter / dpa

Berlin.  Großlagen, linker und rechter Terror, aber auch Demonstrationen, Fußballspiele und Staatsbesuche: Die Polizei ist weiterhin extrem ausgelastet. Darauf weist die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hin – und veröffentlicht beeindruckende Zahlen.

So hätten die 260.000 Polizisten in Deutschland 2018 insgesamt 22 Millionen Überstunden angesammelt. „Wir rechnen fest damit, dass sich die Lage auch in Zukunft nicht entspannen, sondern eher verschärfen wird“, sagte GdP-Vorsitzende Oliver Malchow der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ („NOZ“).

Großeinsätze sind Hauptgrund für hohe Überstundenzahl

Malchow nannte als Beispiele für 2018 Dauereinsätze am Hambacher Forst, umstrittene Staatsbesuche wie der des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan, aber auch tausende Demonstrationen und Kundgebungen im ganzen Land sowie die Einsätze an Fußball-Wochenenden.

Die Last sei zwischen den 260.000 Polizeibeamten in Deutschland sehr unterschiedlich verteilt, vor allem Einsatzhundertschaften seien betroffen.

„Der Staat wäre gut beraten, kräftig in die Polizei zu investieren“

Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Wendt nannte als Gründe die Folgen der Flüchtlingskrise sowie den linken und rechten Terror.

Wendt sagte der „NOZ“: „Die Polizei ist ein Unternehmen mit ständig wachsenden Aufgaben. Der Staat wäre gut beraten, kräftig in die Polizei zu investieren. Das passiert aber nicht in ausreichendem Maße.“ Es gibt keine zentrale Erfassung der Überstunden, es handelt sich um Schätzungen.

Bei der Bundespolizei sind Zahlen leicht rückläufig

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums teilte der „NOZ“ mit, bei der Bundespolizei, die zum Beispiel für Bahnhöfe und Grenzen zuständig ist, sei die Zahl der angesammelten Überstunden 2018 leicht von 2,4 auf knapp 2,1 Millionen gesunken.

Die Beamten hätten Überstunden abgebaut, nachdem 2017 die Belastung wegen G 20-Gipfels in Hamburg besonders hoch gewesen sei. Der Sprecher verwies auf die Verbesserung der Situation durch den „in der Geschichte der Bundespolizei beispiellosen Stellenaufwuchs“ und sagte: „Im Jahr 2021 wird die Bundespolizei um insgesamt rund 12 600 zusätzliche Planstellen und Stellen gegenüber 2015 verstärkt worden sein.“

In Berlin sind Polizisten rund 50 Tage im Jahr krank

Erst in der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Polizisten und Feuerwehrleute in Berlin pro Jahr auf im Schnitt rund 50 Krankheitstage im Jahr 2017 kamen. Das entspricht sieben Wochen.

Das geht aus einer Antwort der Senatsfinanzverwaltung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Die Zahlen enthalten allerdings auch die Tage von vielen dauerhaft kranken Beamten, die den Durchschnitt hoch treiben. (ses/dpa)

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