Beratungs-Hotlines

Hilfe-Telefone boomen: Anti-Rauch-Hotline stark nachgefragt

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Vor allem Frauen rufen bei Problemen eine Beratungs-Hotline an.

Vor allem Frauen rufen bei Problemen eine Beratungs-Hotline an.

Foto: Marc Müller / dpa

Die staatliche Anti-Rauch-Hotline verzeichnet fünfmal so viele Anrufe wie 2016. Auch bei der telefonischen Seelsorge melden sich viele.

Berlin.  Seit Mai 2016 warnen Schockbilder auf Zigarettenpackungen vor den Folgen des Rauchens. Während die Fotos von faulenden Zähnen, amputierten Beinen und bleichen Leichen eine öffentliche Debatte entfachten, ging in der Diskussion nahezu unter, dass seitdem auch eine Telefonnummer der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) auf den Packungen abgebildet ist.

Diese Nummer ist für diejenigen gedacht, die mit dem Rauchen aufhören wollen und dafür Rat suchen. Seit die Nummer auf den Zigarettenpackungen abgebildet ist, steht das BZgA-Telefon zur Rauchentwöhnung nicht mehr still.

Nahmen die Mitarbeiter bis zum Inkrafttreten der EU-Tabakrichtlinie, die die Warnhinweise vorschreibt, monatlich rund 1000 Anrufe entgegen, klingelt derzeit das Telefon rund 5500-mal im Monat.

Drogenbeauftragte Mortler setzt mehr Geld für Beratung durch

Die 13 Berater, die psychosozial oder medizinisch ausgebildet sind, können die Beratungen in ihrer jetzigen Form kaum noch stemmen. Aktuell können nur rund 80 Prozent der eingehenden Anrufe angenommen werden. Daher setzte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), in den Haushaltsverhandlungen durch, dass im kommenden Jahr eine halbe Million Euro in den Ausbau des Angebots fließen soll.

„In Deutschland Wer mit dem Rauchen aufhört, hat gute Chancen, einige Jahre länger zu leben als als Raucher. Deshalb ist es mir so wichtig, dass wir Rauchern und ihren Angehörigen alle Hilfe zur Verfügung stellen, die möglich ist“, sagte Mortler unserer Redaktion.

Psychotherapeutische Angebote werden anerkannter

Die Psychotherapeutin Johanna Thünker stellt einen veränderten Umgang fest, wenn es darum geht, sich Unterstützung zu suchen: „Sich Hilfe zu suchen, ist nicht mehr so extrem stigmatisiert. Über alle Alterskohorten hinweg ist die Informiertheit über psychotherapeutische Angebote gestiegen“, sagte Thünker.

Nicht nur beim Rauchen suchen Menschen Rat. Bei der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat sich die Zahl der Anrufenden in den vergangenen fünf Jahren um 65 Prozent gesteigert. An jedem der Beratungstage zwischen Montag und Freitag gehen rund zehn Anrufe zu Diskriminierungen ein.

Am häufigsten wird die Antidiskriminierungsstelle kontaktiert, wenn die Anrufenden Diskriminierungen wegen Behinderungen, ethnischer Herkunft oder ihrem Geschlecht erfahren haben. Diese drei Themen machen allein drei Viertel aller Anfragen aus.

Körperliche Beschwerden und Behinderungen sind auch für die von den Kirchen getragene Telefonseelsorge, die im vergangenen Jahr knapp 1,4 Millionen Anrufe entgegengenommen hat, zentraler Beratungsschwerpunkt.

Studierende und Arbeitslose nutzen Telefonseelsorge kaum

Die Telefonseelsorge wird von rund 7500 Ehrenamtlichen rund um die Uhr betrieben. Aus einer Auswertung des Jahres 2017 geht hervor, dass doppelt so viele Frauen wie Männer das Angebot nutzten. Die meisten Anrufer sind dabei zwischen 40 und 59 Jahre alt und zu zwei Dritteln alleinstehend.

Kaum genutzt wird die Telefonseelsorge von Studierenden oder Arbeitssuchenden. Stattdessen rufen meist Erwerbstätige, Erwerbsunfähige oder Ruheständler an. Dass die meisten Anrufenden Frauen sind, begründet Psychotherapeutin Thünker mit der Sozialisation: „Frauen sind geübter, über Gefühle zu reden und dies ist sozial deutlich akzeptierter.“

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Doppelt so viele Anrufe beim Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“

Auf Frauen zugeschnittene Hilfsangebote bietet das Bundesfamilienministerium in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BAFzA) an. Das größte Angebot stellt das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ dar. Rund 60 Mitarbeiterinnen arbeiten dort und beraten in 17 verschiedenen Sprachen.

Mehr als 82.000-mal wurde die Hilfetelefon-Nummer im vergangenen Jahr angerufen, knapp 37.500 Beratungen sind durchgeführt worden. Mehr als 100-mal am Tag wird beraten, die Zahl hat sich in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt.

Offenbar haben immer mehr Betroffene Mut sich zu melden

Die Dolmetscherinnen sind dabei häufig im Einsatz, knapp 5500 Gespräche wurden im vergangenen Jahr mit Übersetzung geführt – meist in arabischer Sprache. Aber auch russisch- oder farsi- und dari­sprachige Dolmetscherinnen werden verstärkt zu Gesprächen gebraucht.

„Gewalt gegen Frauen darf kein Tabu-Thema sein“, sagte Petra Söchting, Leiterin des Hilfetelefons, unserer Redaktion. Sie führt den Anstieg der Beratungszahlen darauf zurück, dass „immer mehr Betroffene den Mut finden, über das, was sie erlebt haben, zu sprechen und sich Hilfe und Unterstützung zu suchen.“

Alle drei Tage stirbt in Deutschland eine Frau durch ihren (Ex-)Partner. Das Hilfetelefon kann eine Anlaufstelle sein, wenn ansonsten Angst und Isolation herrschen.

E-Mail-Beratung statt „Nummer gegen Kummer“

Gegen den allgemeinen Trend der steigenden Anrufzahlen entwickeln sich die Beratungen beim Kinder- und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“. Seit 2013 gingen die Anrufe um fast 40 Prozent zurück, auf zuletzt knapp 89.000 Beratungen im Jahr.

Junge Menschen nutzen andere Kommunikationswege. Die E-Mail-Beratungen stiegen im Vorjahr um 22 Prozent auf 12.250 Beratungen an.

So sind die Beratungs-Hotlines zu erreichen:

  • BZgA-Telefon zur Rauchentwöhnung: 0800/31 31 31
  • Antidiskriminierungsstelle des Bundes: 030/18 555-18 55
  • Telefonseelsorge: 0800/111 0 111 oder 0800/111 0 222
  • Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 0800/0116 016
  • Kinder- und Jugendtelefon „Nummer gegen Kummer“: 116 111
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