Müll

EU beschließt Plastikverbot – Was bald alles verboten ist

Einigung nach fast 13-stündigen Verhandlungen: Die EU verbannt künftig Strohhalme, Geschirr und andere Einweg-Produkte aus Kunststoff.

So kann man Verpackungsmülll einsparen

In Deutschland landen jedes Jahr mehrere Millionen Tonnen Verpackungsmaterial auf dem Müll. Wir zeigen, wie man ohne Papp- und Plastikberge in der heimischen Abfalltonne auskommt.

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Brüssel.  Es ist eine drastische Maßnahme im Kampf gegen den Plastikmüll: Die Europäische Union macht Ernst mit dem Verbot von Einweg-Plastikprodukten. Mit dem Plastikstrohhalm im Cocktail ist bald ebenso Schluss wie mit dem Plastikbesteck beim Picknick.

Darauf haben sich die EU-Gremien in Brüssel in der Nacht zu Mittwoch endgültig geeinigt. Die vereinbarte Richtlinie soll ab 2021 in der gesamten EU umgesetzt werden, sie sieht auch neue Auflagen für Verpackungen und Getränkeflaschen vor. Dass die EU zahlreiche Plastik-Produkte

Ziel: Eine Trendwende beim Plastikverbrauch einleiten – und vor allem die Zunahme an Plastikmüll in den Weltmeeren zu stoppen. Denn der ist, warnt die EU-Kommission, für viele Fische, Vögel oder Schildkröten lebensbedrohlich. Auch der WWF ist alarmiert: Tausende Tierbestände sind seit 1970 drastisch geschrumpft.

Das Ende der klassischen Wattenstäbchen und Einweg-Teller

Verbraucher werden vor allem das Verbot von Plastik-Einwegprodukten zu spüren bekommen.

Diese Plastik-Produkte werden verboten:

  • Trinkhalme
  • Teller
  • Besteck
  • Luftballonstäbe
  • Rührstäbchen (zum Beispiel für den Kaffee)
  • Wattestäbchen (für den privaten Verbrauch) und
  • Verpackungen aus aufgeschäumtem Polystyrol, wie sie beim To-Go-Kauf von heißen Lebensmitteln oder Getränken benutzt werden.

Bereits im Oktober war bekannt geworden, dass die EU zahlreiche Plastik-Produkte verbieten will.

Verboten wird außerdem sogenanntes „oxo-abbaubares Plastik“, ein Material mit Metallbeimischung, das zum Beispiel für dünne Beutel und Verpackungen verwendet wird und im Müll in kleinste Mikroteilchen zerfällt.

Unternehmen bereiten Plastik-Ausstieg schon länger vor

Bei den Verboten haben die EU-Gremien – zuletzt verhandelten Parlament, Kommission und der Rat der Mitgliedstaaten gemeinsam – nach eigenen Angaben darauf geachtet, dass es einfach verfügbare Alternativen gibt: Der Einmal-Plastik-Trinkhalm könnte zum Beispiel durch stabile, wiederverwendbare Produkte oder Halme aus Papier ersetzt werden.

Große Fast-Food-Ketten prüfen bereits selbst Alternativen. Starbucks hat angekündigt, den Plastikhalm 2020 abzuschaffen. Auch Handelskonzerne wie Rewe oder Lidl bereiten schon den zügigen Abschied von Plastik-Einwegprodukten vor .

Müllentsorgung auf Kosten der Verursacher

Die Verbotsliste klingt banal, doch nach offiziellen EU-Angaben geht es um jene Plastik-Artikel, die mehr als 70 Prozent des in den Meeren schwimmenden Kunststoff-Mülls ausmachen. Die Produkte werden allerdings nur vom Markt genommen – wer sich privat vorher mit Plastik-Einwegartikeln eindeckt, darf sie weiter verwenden.

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Die Verbote sind nur ein Teil eines umfassenderen Pakets: Für andere Plastikprodukte wie Feuchttücher sollen auffällige Warnhinweise vorgeschrieben werden, die die Verbraucher über die Umweltrisiken und die beste Entsorgung aufklärt.

Zigarettenindustrie soll für Entsorgung zahlen

Teure Zigarettenstummel: Vor allem der Zigarettenindustrie drohen neue Kosten. Wenn in den Zigarettenfiltern, wie bisher üblich, Plastik verarbeitet ist, dann müssen sich deren Hersteller an den Kosten für Einsammeln und Entsorgung solcher Zigarettenreste in der Öffentlichkeit beteiligen.

Das entspricht den Plänen des Bundesumweltministeriums, wonach die Industrie für die Entsorgung von Zigarettenkippen zahlen soll .

Auf den Zigarettenpackungen muss ein Warnhinweis zur Umweltbelastung gedruckt werden: Die Filter gelten als eines der größten Plastik-Müllprobleme.

Die EU erwartet, dass die Hersteller jetzt rasch Alternativen ohne Plastik entwickeln. Die sogenannte erweiterte Herstellerverantwortung soll auch für andere Produkte wie Fast-Food-Verpackungen gelten, Details sind aber unklar. Für die einzelnen Regelungen müssen die Mitgliedstaaten sorgen.

Außerdem gilt künftig eine erweiterte Herstellerverantwortung: Die Hersteller etwa von Fast-Food-Verpackungen, Leicht-Plastiktaschen oder Zigarettenfiltern sollen von den Mitgliedstaaten an Kosten für die Müllentsorgung beteiligt werden und Umwelt-Aufklärungskampagnen finanzieren.

Nächstes Thema: Wasser-Plastikflaschen

Mehr Recycling: Vorgesehen ist auch eine Verbrauchsreduzierung für Plastikartikel, für die es noch keine Alternative gibt – etwa Lebensmittelverpackungen für Obst, Gemüse oder Eis, aber auch für Getränketassen. Auch dafür sollen die Mitgliedstaaten verantwortlich sein.

Sie sollen zudem dafür sorgen, dass bis 2025 90 Prozent aller Plastikartikel getrennt gesammelt und recycelt werden - der Anteil von PET-Plastikflaschen soll bis 2025 um mindestens 25 Prozent reduziert werden. Neu ist auch, dass Deckel von Einwegflaschen aus Kunststoff immer mit der Flasche verbunden sein müssen, damit sie nicht als loser Müll die Umwelt belasten - diese Auflage, gegen die die Industrie Sturm gelaufen war, gilt aber erst nach einer Übergangsfrist, voraussichtlich ab 2026.“

Nur ein Drittel der Plastikabfälle wird wiederverwertet

Bislang wird nach Angaben der EU-Kommission nur ein Drittel der Plastikabfälle eingesammelt und wiederverwertet. Der Rest landet überwiegend auf Müllkippen oder in der Umwelt.

Um den Verbrauch von Wasser-Plastikflaschen zu reduzieren, hat die EU-Kommission bereits ein anderes Vorhaben auf den Weg gebracht: Öffentliche Trinkwasserbrunnen und der Anspruch auf billiges Leitungswasser in Restaurants sollen die Bürger animieren, mehr auf Wasser aus dem Hahn zurückzugreifen und weniger aus Plastikflaschen zu trinken.

Jetzt sollen nationale Gesetze folgen

Die Debatte über das Plastikverbot ist mit dem EU-Beschluss noch nicht beendet: Die EU-Mitgliedstaaten müssen die Richtlinie bis 2021 noch in nationale Gesetze fassen.

In Deutschland positioniert sich Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) schon als Vorreiterin. Sie präsentierte erst vor kurzem einen Fünf-Punkte-Plan zur Plastik-Reduzierung. Zudem will die Umweltministerin, dass die Zigarettenindustrie für weggeworfene Kippen bezahlen muss.