Protest

„Gelbwesten“ zünden Maut-Stationen an – Autobahn gesperrt

Die Resonanz schien geringer zu werden, doch am Dienstag sind die „Gelbwesten“ vehement zurückgekehrt. Sie stürmten 40 Maut-Stationen.

Sogenannte Gelbwesten stehen im französischen Biarritz Polizisten gegenüber.

Sogenannte Gelbwesten stehen im französischen Biarritz Polizisten gegenüber.

Foto: Bob Edme / dpa

Paris.  Die Proteste der „Gelbwesten“ sind zurück – und lösten ein Verkehrschaos auf Autobahnen in Frankreich aus. Die Demonstranten hätten rund 40 Maut-Stationen gestürmt und mehrere in Brand gesetzt, teilte der Autobahn-Betreiber Vinci am Dienstag mit.

Der Schwerpunkt lag demnach im Süden des Landes, wo eine Autobahn komplett gesperrt werden musste. In den vergangenen Wochen sind mehrere Menschen bei Unfällen rund um Straßenblockaden der „Gelbwesten“ etwa an Kreisverkehren umgekommen.

„Gelbwesten“-Proteste mit geringerem Zulauf

Nach dem Terroranschlag in Straßburg war der Protest zunächst abgeflaut. Mehrere hundert Demonstranten in gelben Westen gingen am Samstagmorgen in Paris wieder auf die Straße. Dem Aufruf zum Protest folgten jedoch weit weniger Menschen als am Wochenende zuvor.

Dennoch kam es auf den Champs-Élysées zu Spannungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten, wobei auch Tränengas eingesetzt wurde. Die Demonstrationen wurden von massiven Sicherheitsmaßnahmen begleitet. Es gab Dutzende Festnahmen.

Paris plant offenbar Prämie für Sicherheitskräfte

Laut französischen Medien plant die Regierung nun eine Sonderprämie von 300 Euro für eingesetzte Sicherheitskräfte. Betroffen seien davon zusammen 111.000 Polizisten und Soldaten, berichteten der Nachrichtensender Franceinfo und andere französische Medien.

Die Mitte-Regierung wolle damit auf die zunehmende Unzufriedenheit unter den Sicherheitskräften reagieren. Das Innenministerium in Paris bestätigte auf Anfrage das Vorhaben, jedoch nicht explizit den Betrag von 300 Euro.

Nur halb so viele Demonstranten

Allein in Paris waren am Wochenende 8000 Polizisten, 14 Panzerfahrzeuge und Reiterbrigaden im Einsatz. Landesweit waren 69.000 Sicherheitskräfte im Dienst. Landesweit sollen etwa 33.500 Demonstranten auf den Straßen gewesen sein. Zum Vergleich: Vor einer Woche waren es rund 77.000.

Vor der Oper Garnier organisierten die „Gelbwesten“ ein Sit-in. Dabei knieten sie auf dem Boden, die Hände hinter dem Kopf – eine Anspielung auf eine Massenfestnahme von Schülern vor mehreren Tagen, die gegen Reformen im Bildungsbereich protestiert und ihre Bildungseinrichtung blockiert hatten.

Frauen demonstrierten als Nationalheilige Marianne

Mehrere Frauen demonstrierten auf den Champs-Élysées als Marianne gekleidet und standen minutenlang stumm den Sicherheitskräften gegenüber. Marianne ist die Nationalfigur der französischen Republik. Auf Bildern wird sie gewöhnlich mit einer phrygischen Mütze bedeckt und mit unbedeckten Brüsten gezeigt.

2000 Menschen am vergangenen Wochenende festgenommen

Bereits vor einer Woche hatten sich die Sicherheitskräfte in Paris in ähnlichem Umfang gegen Gewalt und Krawalle gewappnet, bei denen Autos in Brand gesetzt wurden, Geschäfte beschädigt und Läden geplündert wurden. Im ganzen Land waren etwa 2000 Menschen festgenommen worden.

Die „Gelbwesten“ – benannt nach den Warnwesten im Auto – protestieren bereits das fünfte Wochenende in Folge. Ursprünglich richtete sich ihre Wut gegen die hohen Lebenshaltungskosten und die Reformpolitik der Mitte-Regierung des französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. Mittlerweile werden zunehmend Forderungen nach mehr direkter Demokratie in Form eines Bürgerreferendums und nach einem Rücktritt Macrons laut. (dpa)