CDU-Regionalkonferenz

Friedrich Merz bekommt Jubelrufe und den meisten Beifall

Annegret Kramp-Karrenbauer punktet in der Fragerunde. 2000 CDU-Mitglieder wollen Kandidaten für Parteivorsitz im Estrel sehen.

Die drei Kandidaten für den CDU-Bundesvorsitz, Friedrich Merz ( l.), Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn, bekommen bei der CDU-Regionalkonferenz Berlin/Brandenburg Buddy-Bären als Geschenk.

Die drei Kandidaten für den CDU-Bundesvorsitz, Friedrich Merz ( l.), Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn, bekommen bei der CDU-Regionalkonferenz Berlin/Brandenburg Buddy-Bären als Geschenk.

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Berlin. Die Neugier auf Annegret Kramp-Karrenbauer, Friedrich Merz und Jens Spahn war groß. So groß, dass die Parteizentrale extra einen neuen Saal organisieren musste, in dem die rund 2000 Unionsmitglieder bei der letzten CDU-Regionalkonferenz Platz finden. Statt im BCC am Alexanderplatz trafen sie sich im Konferenzzentrum des Neuköllner Estrel-Hotels, fast kein Stuhl im Saal blieb unbesetzt.

„Ich bin heute gekommen, um mir einen Live-Eindruck von den drei Kandidaten auf den Bundesvorsitz zu machen“, sagte Michael Löher aus dem CDU-Ortsverband Lankwitz vor Beginn der Veranstaltung. „Aktuell tendiere ich zu Annegret Kramp-Karrenbauer. Mit Merz wäre die Union wahrscheinlich nicht besonders koalitionsfähig.“ Seine Sitznachbarin Ursula Krickl, ebenfalls aus Lankwitz, äußerte hingegen klare Sympathien für Merz: „Er steht für den Aufbruch, den die Partei nun braucht.“ Von Jens Spahn sprachen weder sie noch er, und auch sonst schienen ihm viele der Berliner Teilnehmer kaum Chancen auf den Parteivorsitz auszurechnen.

Clan-Kriminalität ist ein großes Thema

Das sollte sich bis zum Ende der Vorstellung der drei Kandidaten ändern. Spahn sprach als erster, schnitt viele Themen an, überzeugte mit seiner Vision von Europa, Digitalisierung. Dafür gab es viel Applaus. Merz, der Zweite in der Reihe, trat kämpferisch auf, adressierte, wie zuvor schon Spahn, neben der Außenpolitik auch das Thema Clan-Kriminalität: „Wir können an keiner Stelle zulassen, dass Clans ganze Straßenzüge beherrschen. Die CDU muss ohne jeden Zweifel die Partei der inneren Sicherheit sein.“ Bei ihm war der Beifall im Anschluss an die Rede am größten, Jubelrufe waren zu hören, Pfiffe der Achtung.

Deutlich leiser blieb es abschließend bei Kramp-Karrenbauer – was auch am inhaltlichen Schwerpunkt ihrer Vorstellungsrede lag. Sie richtete sich vor allem ans Innere der Partei, erklärte ihre Idee der CDU von morgen: „Die Mitglieder der Union sollen künftig mehr gemeinsam etwas erarbeiten, nicht nur abnicken.“ Die Zustimmung, gemessen in Klatsch-Lautstärke, fiel verhaltener aus als bei den Vorrednern.

In der anschließenden Fragerunde aber holte Kramp-Karrenbauer auf, als einzige parierte sie eine Nachfrage des Neuköllner Vize-Bürgermeisters Falko Liecke zur Bekämpfung der Clan-Kriminalität mit Bravour. „Wir brauchen verdeckte Ermittlungsmöglichkeiten, wir brauchen Repressionen auf der Straße“, sagte sie. „Ich bin froh, dass der zuständige Innensenator auch mal in die Puschen kommt.“ Spahn und Merz punkteten dagegen unter anderem in der Wirtschaftspolitik. Einen klaren Sieger schien es nicht zu geben.

Viele Delegierte sind noch hin- und hergerissen

Entsprechend geteilt war nach Abschluss der Konferenz das Echo der Anwesenden. „Ich schwanke etwas mehr als vorher“, sagte Löher. „Kramp-Karrenbauer hat eine tolle Bewerbungsrede auf den Vorsitz als Parteichefin gehalten, Merz hingegen eine für eine Kanzlerkandidatur. Beides brauchen wir am Ende.“ Krickl blieb bei ihrer Ansicht, Merz sei der beste Kandidat.

Wichtiger als ihre Meinung ist jedoch ohnehin das Urteil der 30 Delegierten, die der Berliner CDU-Landesverband nächste Woche zum Bundesparteitag nach Hamburg schickt. Viele von ihnen waren bis zuletzt hin- und hergerissen, für welchen Kandidaten sie stimmen wollen. „Spahn hat heute die beste Rede gehalten – AKK war zweite“, sagte Zehlendorfs CDU-Kreischef Thomas Heilmann, der in Hamburg mit von der Partie ist. „Bei den Fragen merkte man, wie kompetent und glaubwürdig AKK ist. Deswegen führt sie deutlich bei den Unionswählern. So hat sie Wahlen gewonnen.“

Timur Husein, Delegierter aus dem Kreisverband Friedrichshain-Kreuzberg, sagte: „Ich schwanke nach dem heutigen Tag zwischen AKK und Merz. Mit leichtem Vorteil für Merz.“ Und Mario Czaja vom Kreisverband Wuhletal hielt fest: „Es weht ein Wind der Erneuerung durch die Union. Ich habe eine hohe Verbundenheit mit Jens Spahn.“ Der Wahlausgang ist offen.

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