Genmanipulation

Designerbabys – Forscher in China müssen Experimente stoppen

| Lesedauer: 4 Minuten
Chinesischer Forscher verteidigt umstrittene Genmanipulation an Babys

Chinesischer Forscher verteidigt umstrittene Genmanipulation an Babys

He Jiankui hat nach eigenen Angaben erstmals das Erbgut an menschlichen Babys verändert.

Beschreibung anzeigen

Die Geburt genmanipulierter Babys sorgt für Entsetzen. Die chinesische Regierung hat dem Forscher He Jiankui Genomversuche untersagt.

Der Wissenschaftler He Jiankui darf nicht mehr forschen. Nachdem er berichtet hatte, für genmanipulierte Babys verantwortlich zu sein, hat ihm die chinesische Regierung weitere Forschungen verboten.

Seine Taten seien „äußerst abscheulicher Natur“ und verletzten chinesische Gesetze und die wissenschaftliche Ethik, sagte der stellvertretende Wissenschaftsminister Xu Nanping der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Zuvor hatten sich schon die Nationale Gesundheitskommission des Landes und die Chinesische Gesellschaft für Wissenschaft und Technologie (CAST) von He distanziert.

Weltweites Entsetzen

He hatte zu Wochenbeginn mit einem auf Youtube veröffentlichten Video bei Wissenschaftlern und Ethikern weltweit für Entsetzen gesorgt. Darin hatte er die Geburt der ersten genmanipulierten Babys Lulu und Nana verkündet.

Mit der Genschere Crispr/Cas9 hatte er nach eigener Darstellung in den Embryonen einen Zellrezeptor deaktiviert – mit dem Ziel, dass die Neugeborenen nicht an Aids erkranken können sollen. Eine unabhängige Bestätigung für die Behauptung gibt es bislang nicht.

Gesundheitliche Risiken nicht ausgeschlossen

Experten bezweifeln den medizinischen Nutzen der Versuche und verweisen auf gesundheitliche Risiken für die beiden Mädchen und auch für ihre Nachkommen.

Auch in Deutschland hatte die Nachricht über genmanipulierten Babys in den vergangenen Tagen für Empörung gesorgt. Das Bundesforschungsministerium bezeichnete den Vorgang am Mittwoch als „eindeutige Grenzüberschreitung“.

Sollten die aktuell diskutierten Experimente tatsächlich wie behauptet stattgefunden haben, „widersprechen diese den etablierten ethischen Maßstäben für die medizinische Forschung“, sagte eine Sprecherin in Berlin.

Genmanipulierte Babys sollen nicht an Aids erkranken

Bislang galten solche Experimente auf dem Weg zum „Designerbaby“ als Tabu. Die betroffene Southern University im chinesischen Shenzhen reagierte mit Unverständnis auf die Versuche und . He sei seit Februar freigestellt, teilte die Universität mit.

Medienberichten zufolge hat der Forscher seine Arbeit auf einem Genomforscher-Kongress in Hongkong verteidigt.

Wie die Zeitung „South China Morning Post“ berichtete, sagte He, eine weitere Frau könne möglicherweise mit einem genmanipulierten Baby schwanger sein. Zugleich habe er sich dafür entschuldigt, mit seiner Forschung eine weltweite Kontroverse ausgelöst zu haben.

Spahn: „Experiment am menschlichen Erbgut.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sagte zu den Ereignissen: „Der Mensch soll nicht Gott spielen. So etwas ist mit unseren Werten nicht vereinbar.“ Dieses „Experiment am menschlichen Erbgut“ sei ein Weckruf für Europa, so Spahn gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Spahn forderte die Europäer dazu auf, massiv in Forschung und Entwicklung zu investieren. „Nur, wenn Europa selbst Spitze ist, kann es Maßstäbe für die Welt setzen, die unseren Werten entsprechen“, erklärte der Minister.

Die Hirnforscherin Katrin Amunts, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrats und Direktorin des Instituts für Neurowissenschaften und Medizin am Forschungszentrum Jülich, erklärte: „Das Genom der beiden Mädchen, die nach Angaben der Forscher mit CRISPR behandelt wurden, wurde durch einen Eingriff in die Keimbahn unter Anwendung einer noch sehr neuen, experimentellen Technik verändert. Offenbar war die Genom-Editierung nur bei einer von ihnen vollständig.“

Eine komplexe Debatte

Mögliche Folgen dieses Eingriffs für ihre weitere Entwicklung seien schwer absehbar und würden sich möglicherweise erst in vielen Jahren zeigen, sagte Amunts.

Der Wiener evangelische Sozialethiker Ulrich H. J. Körtner stellte grundsätzlich die Frage, „wie die Gesellschaft insgesamt in die komplexe biopolitische und bioethische Debatte eingebunden werden kann“.

Die gesellschaftlichen und kulturellen Folgen, wenn das Leben immer mehr als technisches Produkt statt als Gabe verstanden werde, „seien gravierend“, erklärte der Theologieprofessor am Mittwoch in Wien. Wissenschaftsfreiheit sei ein hohes Gut, aber „sie hat ethische Grenzen“.

Warnung vor „Menschenzüchtung“

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, warnte vor einem „Einstieg in die Menschenzüchtung“.

So „drastisch muss man es sagen“, erläuterte er am Rande der Herbsttagung der bayerischen Landessynode in Garmisch-Partenkirchen.

Es brauche nun dringend eine Debatte um die Grenzen solcher Forschung, sagte der bayerische Landesbischof. Der Ethikexperte der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Weihbischof Anton Losinger, forderte in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ für die Biogenetik „ähnliche Schutzstandards wie bei den Menschenrechten“. (epd)

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos