Antisemitismus

Novemberpogrome 1938: Das sind die wichtigsten Fakten

Novemberpogrome vor 81 Jahren: Am 9. November 1938 wurden in der Reichspogromnacht Juden misshandelt, verhaftet oder getötet.

Deutschland gedenkt der Novemberpogrome am 9. November 1938.

Deutschland gedenkt der Novemberpogrome am 9. November 1938.

Foto: Sebastian Willnow / dpa

Berlin.  Die Novemberpogrome am 9. November jähren sich zum 81. Mal. Der Tag ging auch als Reichspogromnacht in die Geschichte ein. In ganz Deutschland wurden jüdische Häuser und Synagogen niedergebrannt. Das sind die wichtigsten Fakten.

Novemberpogrome – Was ist am 9. November 1938 passiert?

Vor 81 Jahren, vom 9. auf den 10. November 1938, wurden in Baden, in Württemberg, in Hohenzollern und im gesamten Deutschen Reich, in Österreich und in der Tschechoslowakei die Synagogen in Brand gesetzt. Tausende Juden wurden misshandelt, verhaftet oder getötet. Warum der 9. November der „Schicksalstag der Deutschen“ ist.

Pogrom – was ist das?

Unter einem Pogrom versteht man Ausschreitungen gegen nationale, religiöse oder ethnische Minderheiten.

Reichskristallnacht und Reichspogromnacht: Was ist in dieser Nacht passiert?

Reichskristallnacht ist eine weitere Bezeichnung für das Pogrom gegen die Juden im Deutschen Reich, der am 9. auf den 10. November 1938 stattfand. Das Wort „Kristallnacht“ bezieht sich auf die verstreuten Glasscherben vor den zerstörten Wohnungen, Läden und Büros, Synagogen und öffentlichen jüdischen Einrichtungen.

Der Begriff Reichspogromnacht (oder auch Pogromnacht bzw. Novemberpogrom) hat sich in den vergangenen Jahren durchgesetzt: Das Wort „Reichskristallnacht“ sollte ersetzt werden, weil es oft als verharmlosend angesehen wird.

Reichspogromnacht – was war der Anlass?

Am 7. November 1938 verübte der siebzehnjährigen polnischen Jude Herschel Grynszpan ein Attentat auf den Legationsrat der deutschen Botschaft in Paris, Ernst vom Rath. Das Attentat wurde zum Anlass für ein gegen die Juden gerichtetes und angeordnetes Pogrom genommen.

Wie hoch war die Zahl der Opfer der Novemberpogrome?

Mitglieder von SA (Sturmabteilung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei NSDAP) und NSDAP setzten während der Novemberpogrome Synagogen in Brand, zerstörten etwa 7000 Geschäfte jüdischer Einzelhändler und verwüsteten zahlreiche Wohnungen von jüdischen Bürgern.

Nach offiziellen Angaben wurden insgesamt 91 Personen getötet. An den Aktionen beteiligten sich auch Angehörige der Hitlerjugend und weiterer NS-Organisationen. Der Mob nutzte die Chance zu Plünderungen.

Pogromnacht – Was waren die Folgen?

Etwa 26.000 jüdische Männer und Jugendliche wurden in die Konzentrationslager Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen verschleppt. Viele von ihnen starben. Andere wurden gezwungen, auf ihr Eigentum zu verzichten.

Der Großteil der Inhaftierten kam erst nach einer Auswanderungserklärung frei. Im Anschluss an die Pogromnacht wurden fast alle jüdischen Organisationen aufgelöst und die jüdische Presse verboten. Juden durften keinen Handel, kein Handwerk und kein Gewerbe mehr betreiben.

Wer plante die Novemberpogrome?

Für die Geschichtswissenschaftler steht fest, dass die Aktionen der Novemberpogrome von oben zentral angeordnet wurden. Sie waren nicht längerfristig geplant, sondern nach dem Bekanntwerden des Attentats von Paris gestartet worden.

Teilgenommen hatten an den Novemberpogromen vor allem Parteistellen der NSDAP und Einheiten der SA sowie Behörden, insbesondere Polizei und Feuerwehr.

Nach Start der Aktionen beteiligten sich auch nicht organisierte Menschen in fast allen Städten an den Ausschreitungen.

Novemberpogrome – So erinnern Politiker an die Opfer

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Erinnerung an die Novemberpogrome vor 80 Jahren als beständige Aufgabe bezeichnet. Die richtigen Schlüsse aus der Ausgrenzung von Menschen, aus Rassismus und Antisemitismus zu ziehen, sei nicht nur Aufgabe an einem solchen Gedenktag wie dem 9. November. „Wir sollten jeden Tag darüber nachdenken“, sagte die Bundeskanzlerin 2018 beim einer Gedenkstunde zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht.

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), der evangelische Bischof Markus Dröge, der katholische Erzbischof Heiner Koch und weitere Vertreter aus Politik, Religion und Gesellschaft riefen dazu auf, Antisemitismus und Intoleranz zu bekämpfen.

Neben den Novemberprogromen kam es an diesem Datum auch zum Mauerfall und zur Novemberrevolution. (epd/msb)