Ermittlungen

Angriff: Wer spannte das Stahlseil auf der ICE-Strecke?

Die Bundespolizei untersucht einen Anschlag mit einem Stahlseil auf eine ICE-Strecke. Sind Dschihadisten-Gruppen dafür verantwortlich?

Polizisten suchen die ICE-Strecke Nürnberg-München nach einen Vorfall mit einem Stahlseil ab.

Polizisten suchen die ICE-Strecke Nürnberg-München nach einen Vorfall mit einem Stahlseil ab.

Foto: Daniel Karmann / dpa

Berlin.  Die Deutsche Bahn und die Bundespolizei haben nach den Erkenntnissen unserer Redaktion bereits vor einer Woche bundesweit die Überwachung des Zugverkehrs verstärkt. Das betrifft insbesondere die Hochgeschwindigkeitsstrecken, einige Tunnelbereiche und Großbahnhöfe.

Der Grund dafür ist ein möglicher Anschlag, der sich bereits am 7. Oktober auf dem ICE-Streckenabschnitt zwischen Nürnberg und München ereignete. Er schlug fehl und fiel zunächst nicht auf. Bis heute ist vieles an dem Vorfall unklar. War es die Tat eines Wahnsinnigen? Ein dummer Scherz? Gibt es einen extremistischen oder gar terroristischen Hintergrund? Stünde dies zweifelsfrei fest, dann hätte der Karlsruher Generalbundesanwalt wohl längst die Ermittlungen an sich gezogen.

Der oder die Täter hatte(n) auf der Höhe von Allersberg in Mittelfranken ein Stahlseil über die Schienen gespannt, das an einer Holzkonstruktion befestigt war. Der ICE sollte dagegen fahren und entgleisen. Der Zug raste aber darüber hinweg. Vermutlich war das knapp einen Zentimeter dicke Seil zu dünn – sonst hätte ein Unglück viele Verletzte oder gar Tote verursacht.

Die Fahrgäste bekamen von dem Vorfall wohl nichts mit. Der Lokführer hörte zwar ein Geräusch. Den am Zug entstandenen Schaden bemerkte und meldete der Mann aber erst, als er am Endbahnhof in München den Triebwagen kontrollierte. Die Bahn vermutete eine harmlose Ursache. Als sie jedoch an der Strecke einen Stromausfall feststellte und Kettenreste sowie Stahl- und Holzteile gefunden wurden, alarmierte sie am 25. Oktober die Bundes- und Bahnpolizei.

Einen Tag später wurden entlang der Strecke arabische Textblätter mit einem Symbol des „Islamischen Staates“ (IS) gefunden, die durchnässt waren und vom Wind teils kilometerweit weggefegt worden waren.

Dschihadistische Gruppen haben es auf Bahnstrecken abgesehen

Die Drohbriefe waren in arabischer Sprache verfasst. Sinngemäß steht darin, dass man Anschläge auf die Bahn verüben werde, solange die EU den Kalifats-„Staat“ angreife. Für das Schreiben wurden dem Vernehmen nach Satzschablonen aus dem Internet benutzt. Es ist unklar, ob man die Texte auf den IS zurückführen kann.

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, halten Ermittler dies für sehr unwahrscheinlich. Denkbar ist aber, dass andere Extremisten die Tat den Islamisten in die Schuhe schieben wollten. Die Terrorgruppe Al-Kaida hatte im Sommer 2017 in einer Online-Publikation zu Bahnanschlägen aufgerufen und erklärt, wie man Züge zum Entgleisen bringt.

Eine Sprecherin des Bundeskriminalamts erklärte damals, „Anschläge auf den Zugverkehr durch Sabotage der Eisenbahnschienen scheinen in den Gedankenspielen dschihadistischer Gruppierungen einen immer größeren Platz einzunehmen.“ Das Schienennetz ist groß, schwer überwachbar und daher ein leichtes Ziel.

Der Vorfall in Mittelfranken wurde zunächst regional gemeldet; verbunden mit einem Zeugenaufruf des Landeskriminalamtes. Inzwischen sind die Experten vom Eisenbahnbundesamt und Ermittler aus vielen Sicherheitsbehörden mit dem Fall befasst.