Hamburg/Paris

Abgassünder müssen vielerorts schon draußen bleiben

In Hamburg und vielen europäischen Städten bestehen bereits Fahrverbote. Paris geht am radikalsten gegen Umweltverschmutzung vor.

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Hamburg/Paris.  Berlin ist nicht die erste Stadt in Deutschland, die Fahrverbote für besonders schmutzige Dieselfahrzeuge vorbereitet. In Hamburg gilt bereits seit dem 1. Juni dieses Jahres ein Fahrverbot für zwei Straßen. Auf einer 600 Meter langen Strecke dürfen keine Dieselfahrzeuge fahren, die nicht mindestens die Euronorm 6 erfüllen, auf einem 1,6 Kilometer langen Abschnitt in der Innenstadt dürfen keine Lastwagen fahren, die nicht mindestens die Abgasnorm Euro VI erfüllen. Die Schadstoffklassen für Busse und Lkw über 3,5 Tonnen haben römische Ziffern. Hier weisen Verkehrsschilder auf das Fahrverbot hin.

In Frankfurt und Stuttgart werden Fahrverbote nach entsprechenden Gerichtsurteilen derzeit vorbereitet. Anders als in Hamburg wird es hier zu kompletten Fahrverboten für die Innenstadt kommen. In Stuttgart gilt das Fahrverbot ab Januar 2019 zunächst nur für auswärtige Fahrzeuge, Stuttgarter Autofahrer dürfen ab April 2019 dann nicht mehr in der gesamten Stadt verkehren, wenn sie in Wagen mit der Euronorm 4/IV oder schlechter unterwegs sind.

Weitere Städte könnten folgen

In Frankfurt gilt das Fahrverbot für alte Dieselfahrzeuge voraussichtlich ab Februar 2019 für das Gebiet der Umweltzone. Betroffen sind hier Besitzer von Wagen der Euronorm 4 und ab September der Euronorm 5. Außerdem dürfen dann Benziner mit der Euronorm 1 und 2 nicht mehr in die Innenstadt. Dabei handelt es sich meist um Fahrzeuge, die vor 2001 zugelassen wurden.

Weitere Städte könnten folgen. Nach dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig sind Fahrverbote für Diesel-Pkw der Abgasnorm Euro 5 grundsätzlich auf einzelnen Straßen und Straßenabschnitten möglich. Andere Städte könnten auf dieses Mittel zurückgreifen, um Klagen aufgrund von andauernden Grenzwertüberschreitungen abzuwehren. Nach Angaben des ADAC Berlin-Brandenburg sind insgesamt in 70 deutschen Städten die Stick­oxidgrenzwerte überschritten worden. Die Messstellen in München, Stuttgart und Köln wiesen dabei die schlechtesten Werte auf. Fahrverbote drohen demnach auch in Reutlingen, Düsseldorf, Kiel, Heilbronn, Darmstadt und Dortmund, wo die Grenzwerte in einigen Bereichen der Innenstadt ebenfalls deutlich überschritten werden.

Frankreich geht hart gegen Dieselbesitzer vor

Im europäischen Ausland geht vor allem Frankreich hart gegen Dieselbesitzer vor. In Paris werden Dieselfahrzeuge ab 2020 komplett aus der Innenstadt verbannt. Dieselfahrzeuge, die vor 2001 zugelassen wurden, dürfen bereits jetzt in der Woche tagsüber nicht in Paris fahren, bei Benzinern gilt das Fahrverbot für alle Wagen, die vor 1996 zugelassen wurden. Bordeaux hat bereits vor mehreren Jahren beschlossen, den Individualverkehr fast vollständig aus der Innenstadt zu verbannen. Die Städte Lyon, Grenoble, Toulouse, Lille und Straßburg verhängen an Tagen mit hohen Feinstaubwerten Fahrverbote für Dieselautos mit Euro 3 oder schlechter.

Die belgische Stadt Antwerpen lässt keine Dieselwagen der Euronorm 3 oder schlechter mehr in die Stadt, ab 2019 dürfen sie auch nicht mehr nach Brüssel. Nebenan in den Niederlanden bestehen Dieselfahrverbote in Utrecht und Rotterdam, in Amsterdam für alte Wohnmobile (Klasse N1) und Mopeds.

In London gilt seit 2017 für Benziner und Diesel schlechter als Euro 4 eine Sondermaut von umgerechnet rund 11,30 Euro pro Tag. Auch Spanien verzichtet auf Fahrverbote. Allerdings müssen Dieselfahrzeuge, die vor 2006 zugelassen wurden, innerhalb des Autobahnringes 25 Prozent mehr für das Parken bezahlen, abgasarme Fahrzeuge bis zu 50 Prozent weniger, Elektrofahrzeuge parken kostenlos. In Prag herrscht ein Fahrverbot für Lastwagen über 3,5 Tonnen unter der Woche zwischen 8 und 18 Uhr.

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