Politik

Jüdische Mitglieder wollen Vereinigung in der AfD gründen

Rund 20 AfD-Mitglieder wollen eine Vereinigung für Juden in der Partei gründen. Zu der Gründung soll auch Beatrix von Storch kommen.

Ein Mann trägt eine Kippa mit eingearbeiteten israelischen und deutschen Fahnen.

Ein Mann trägt eine Kippa mit eingearbeiteten israelischen und deutschen Fahnen.

Foto: Frank Rumpenhorst / dpa

Frankfurt am Main.  Jüdische Parteimitglieder der Alternative für Deutschland (AfD) wollen sich zusammenschließen und eine bundesweite Vereinigung gründen. Geplant sei die Gründung für Anfang Oktober im Rhein-Main Gebiet.

„Die AfD ist die einzige Partei der Bundesrepublik, die (...) muslimischen Judenhass thematisiert, ohne diesen zu verharmlosen“, schrieb Gründungsmitglied Dimitri Schulz am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur.

Eine „Masseneinwanderung junger Männer aus dem islamischen Kulturkreis“ sei wegen deren „antisemitischer Sozialisation“ jüdischem Leben in Deutschland abträglich.

Beatrix von Storch soll zur Gründung kommen

Über den endgültigen Namen soll noch entschieden werden, als vorläufiger Name fungiert „JAfD“. Zur Gründung werden laut Schulz 20 Gründungsmitglieder erwartet, außerdem AfD-Bundesvorstandsmitglied Beatrix von Storch und der hessische AfD-Sprecher Robert Lambrou. Die ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Erika Steinbach werde ein Grußwort sprechen.

Jüdisch und AfD-Mitglied zu sein, sei kein Widerspruch, findet Schulz. „Dass sich in den Reihen der AfD einzelne tatsächliche Antisemiten (...) finden, leugnen wir nicht; nur wird in der öffentlichen Wahrnehmung der Einfluss dieser einzelnen Mitglieder maßlos überschätzt.“

Laut eigenen Angaben ist Schulz seit 2014 Mitglied der Partei und seit 2016 Stadtverordneter in Wiesbaden. Bei der Landtagswahl in Hessen tritt er am 28. Oktober im Wahlkreis 50 (Wiesbaden) für die AfD an.

Er steht auf Platz 14 der Landesliste. Der Maschinenbauingenieur wurde 1987 in Kirgisistan geboren – als Kind einer christlich-jüdischen Familie in einem muslimischen Land.

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Keine Angaben zur Zahl von Juden in der AfD

Wie viele AfD-Mitglieder jüdischen Glaubens sind, weiß die Parteiführung nicht. AfD-Bundesvorstandsmitglied Joachim Kuhs sagte der Deutschen Presse-Agentur in Berlin: „Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg waren vier unserer Direktkandidaten jüdischen Glaubens.“

Er könne die Sorge jüdischer Mitbürger vor einer „muslimischen Einwanderung“ verstehen, da viele dieser Zuwanderer antisemitische Positionen verträten. Kuhs ist einer der Vorsitzenden der „Christen in der AfD“.

In der Vergangenheit kam es mehrfach zu Übergiffen auf Juden. Im April wurde ein Israeli mit Kippa angegriffen. Das ist kein Einzelfall: So wächst der Antisemitismus in Deutschland

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Zu den prominenteren jüdischen Mitgliedern der Partei zählt Wolfgang Fuhl aus Baden-Württemberg. Er hatte 2016 in einem Interview berichtet, für sein politisches Engagement erhalte er vor allem Zuspruch von russischsprachigen Juden. Sie sähen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung größtenteils kritisch.

Michel Friedman spricht sich gegen Vereinigung aus

Der Publizist Michel Friedman, ehemaliges Mitglied des Zentralrats der Juden, ist überzeugt davon, „dass für Bürger jüdischen Glaubens die AfD die falsche Partei ist“.

Es handle sich um eine Partei, „in der Judenhass und die Relativierung des Holocaust in Teilen der Führung ein Zuhause hat“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Sie ist autoritär und antidemokratisch. Deswegen ist diese Partei nicht nur für Juden, sondern für jeden Demokraten der falsche Ort.“ (dpa/sige)

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