Haftprüfung

Tödlicher Angriff in Chemnitz: Ein Inhaftierter kommt frei

Yousif A., der seit dem Tod von Daniel H. in Chemnitz in U-Haft saß, kommt wieder frei. Es besteht kein dringender Tatverdacht mehr.

Daniel H. wurde Ende August in Chemnitz niedergestochen und erlag seinen Verletzungen.

Daniel H. wurde Ende August in Chemnitz niedergestochen und erlag seinen Verletzungen.

Foto: Hendrik Schmidt / dpa

Chemnitz.  Einer der wegen der Tötung eines 35-jährigen Deutschen vor gut drei Wochen in Chemnitz festgenommenen Männer ist nach Angaben der Chemnitzer Staatsanwaltschaft wieder auf freiem Fuß. Von einem dringenden Tatverdacht des 22-jährigen Irakers Yousif A. könne nicht mehr ausgegangen werden, sagte Sprecherin Ingrid Burghart am Dienstag nach einem Haftprüfungstermin

Ein ebenfalls vor drei Wochen festgenommener Syrer bleibt nach Angaben der Sprecherin in Haft. Die Staatsanwaltschaft gehe nach dem Stand der Ermittlungen davon aus, dass er und der noch nicht gefasste Iraker Farhad A. an der Tötung beteiligt gewesen seien. Nach dem Iraker werde weiter mit Hochdruck gefahndet.

Zuerst hatten NDR und „Süddeutsche Zeitung“ berichtet. Das Amtsgericht Chemnitz folgte mit der Haftaufhebung dem Antrag von A.s Anwalt.

Anwalt kritisiert Staatsanwaltschaft

Der Anwalt A.s, Ulrich Dost-Roxin, erklärte sich auf seiner Internetseite und in einer Pressekonferenz zur Aufhebung des Haftbefehls gegen seinen Mandanten. Dost-Roxin hatte bereits vor einigen Tagen mitgeteilt, dass es nach seiner Ansicht keine Beweise für eine Tatbeteiligung des Irakers gebe.

Keines der Beweismittel, die zum Haftbefehl geführt haben, habe nur im geringsten den Tatverdacht begründet, erklärte der Anwalt in der Pressekonferenz. „Die Zeugenaussagen haben einen Beweiswert von Null“, so Dost-Roxin. Die Beweislage hätte nicht zum Haftantrag der Staatsanwaltschaft führen dürfen, kritisierte er die Ermittler.

Mahnende Worte richtete der Anwalt an die Bevölkerung und an die Politik: „In einem Rechtsstaat dürfen Unschuldige nicht verfolgt werden. Das gilt auch in einer aufgeheizten gesellschaftlichen Atmosphäre.“ Das Prinzip der Unschuldsvermutung sei verletzt worden.

Sicherheitsmaßnahmen für Iraker Yousif A.

Für den aus der Untersuchungshaft freigelassenen Verdächtigen sind Sicherheitsmaßnahmen ergriffen worden. Welche genau das sind, wollte der Anwalt des 22-Jährigen nicht sagen. Die Staatsanwaltschaft habe auf Anregung der Verteidigung Maßnahmen ergriffen.

Zuvor hatte der Jurist Polizeischutz für seinen Mandanten gefordert, weil die persönliche Daten Yousif A.s, darunter seine Adresse, bekannt gemacht wurden. Ein Justizbeamter hatte zuvor den Haftbefehl öffentlich gemacht.

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) hatte allerdings am Dienstag erklärt: „Personenschutz für mutmaßliche Straftäter ist aus meiner Sicht nicht vorgesehen.“ Landespolizeipräsident Jürgen Georgie hatte auf Anfrage gesagt, die Kollegen in Chemnitz seien auf mögliche Reaktionen vorbereitet. Es gebe aber bisher keine Anhaltspunkte für Zusammenrottungen.

Tötungsdelikt löste Demos mit Ausschreitungen aus

Daniel H. war in der Nacht zum 26. August in Chemnitz niedergestochen worden. Der 35-jährige Deutsche erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen. Festgenommen wurden zwei Asylbewerber, Yousif A. und der weiter inhaftierte Alaa S. Nach dem Verdächtigen Farhad A. wird international gefahndet.

Stunden nach der Tat gab es in Chemnitz eine erste Demonstration von rund 800 Menschen, darunter auch gewaltbereite Rechte , die gegen Ausländerkriminalität protestierten. Einige von ihnen jagten Menschen durch die Straßen, die sie für Ausländer hielten.

Am darauffolgenden Montag marschierten Tausende rechtsgerichtete Demonstranten, darunter auch Rechtsextreme, und Gegendemonstranten durch Chemnitz. (moi/dpa)