Erkrankung

Wegen Depression: Sächsischer CDU-Fraktionschef tritt zurück

Der sächsische CDU-Fraktionschef Frank Kupfer ist wegen Depression zurückgetreten. Michael Kretschmer lobte ihn für die Offenheit.

Frank Kupfer, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion in Sachsen, geht offen mit seiner Depression um.

Frank Kupfer, Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion in Sachsen, geht offen mit seiner Depression um.

Foto: Matthias Rietschel / dpa

Dresden.  Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im sächsischen Landtag, Frank Kupfer, ist aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. „Ich leide seit langer Zeit an einer Depression“, sagte Kupfer am Donnerstag im sächsischen Landtag. Als Nachfolger brachte Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) den 68-jährigen Geert Mackenroth ins Gespräch.

„Es gibt Phasen, wo man sich gut fühlt und wo man Kraft hat“, sagte Kupfer. „Es gibt Phasen, wo das eben nicht der Fall ist, wo man am liebsten gar nichts mehr hören und gar nichts mehr sehen möchte.“ Er habe sich viele Jahre darum bemüht, dass niemand etwas von seiner Krankheit mitbekommt. „Dieses hat so viel Kraft gekostet, dass ich letztendlich erschöpft bin. Ich kann einfach nicht so weitermachen.“

Der 56-Jährige war seit September 2014 Vorsitzender der CDU-Fraktion im sächsischen Landtag. Davor war der gebürtige Torgauer (Landkreis Nordsachsen) von 2008 bis 2014 Umwelt- und Landwirtschaftsminister in Sachsen. Kupfer will sein Landtagsmandat behalten, zur Landtagswahl 2019 aber nicht wieder antreten.

Kretschmer: „Man muss darüber sprechen“

„Wir haben gemeinsam – Frank Kupfer und ich – Geert Mackenroth vorgeschlagen, eine Persönlichkeit, die sowohl im Kabinett Erfahrung hat als auch im Landtag“, sagte der Regierungschef Michael Kretschmer. Der frühere Justizminister Mackenroth ist seit 2014 sächsischer Ausländerbeauftragter.

Kretschmer zeigte sich schwer erschüttert von Kupfers Rücktritt. „Es ist ein besonders trauriger und tragischer Moment in meiner politischen Geschichte“, sagte er. Kupfer habe der Fraktion berichtet, wie er gegen seine Krankheit gekämpft und dann beschlossen habe, dass es nicht mehr gehe. Er stellte Kupfers Verhalten als beispielhaft dar. „Man muss sich der Sache stellen, man muss darüber sprechen, es gibt immer einen Ausweg“, sagte Kretschmer. (dpa)

Anmerkung der Redaktion: Wenn Sie selbst unter Stimmungsschwankungen, Depressionen oder Selbstmordgedanken leiden oder Sie jemanden kennen, der daran leidet, können Sie sich bei der Telefonseelsorge helfen lassen. Sie erreichen sie telefonisch unter 0800/111-0-111 und 0800/111-0-222 oder im Internet auf www.telefonseelsorge.de.

Die Beratung ist anonym und kostenfrei, Anrufe werden nicht auf der Telefonrechnung vermerkt.

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