Rechtsextremismus

Das sind Symbole und Codes der Rechtsextremisten

Glatze und Springerstiefel? Das Neonazi-Klischee stimmt oft nicht mehr. Die rechte Szene hat viele Symbole. Das muss man wissen.

Aufmarsch in Köthen: Rechtsextreme sind nach dem Tod eines Deutschen in die Stadt in Sachen-Anhalt gefahren.

Aufmarsch in Köthen: Rechtsextreme sind nach dem Tod eines Deutschen in die Stadt in Sachen-Anhalt gefahren.

Foto: HANNIBAL HANSCHKE / REUTERS

Berlin.  Aggressive Proteste, Zeigen des Hitlergrußes, Beleidigungen und Attacken auf Polizisten sowie Journalisten – Chemnitz stand in den vergangenen Wochen wegen rechtsgerichteter Kundgebungen in den Schlagzeilen.

Auch in Köthen marschierten zuletzt nach dem Tod eines 22-jährigen Deutschen etwa 500 Rechtsextremisten aus Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Thüringen auf. Dass aber nicht nur die ostdeutschen Bundesländer ein Rechtsextremismus-Problem haben, zeigt eine Auswertung aller rechten Aufmärsche in Deutschland von Juli 2013 bis Juni 2018. Auch das Ruhrgebiet ist ein Hotspot.

In der heterogenen Szene existiert eine ganze Reihe von Codes und Symbolen. Und die gehen über Glatze und Springerstiefel inzwischen weit hinaus. Eine Auswahl:

• Symbole:

Zwei gekreuzte Zimmermannshämmer: Ein Symbol der rechtsextremistischen Skinhead-Gruppe „Hammerskins“, die die weiße Arbeiterklasse symbolisieren sollen.

Geballte Faust: Eines der weltweit am häufigsten vewendeten Symbole im Neonazi-Umfeld. Zu sehen ist eine weiße, geballte, meist rechte Faust, die aufwärts gerichtet ist – daher auch White-Power-Faust genannt. Manchmal wird die Faust in einem Lorbeerkranz gezeigt.

Schwarze Sonne: Ein Symbol der SS – und nicht verboten. Daher wird es oft als Alternative zum Hakenkreuz verwendet. Bei den Aufmärschen in Köthen fiel Thügida-Chef David Köckert auf – nicht nur weil seine Rede laut eines Juristen den Vorwurf der Volksverhetzung erfüllte – sondern auch weil er die Schwarze Sonne martialisch als Tattoo im Gesicht trägt.

Triskele: Auch ein Ersatz-Symbol. Die Triskele (griechisch für Dreifuß, Dreibein) ähnelt in der eckigen Variante einem dreiarmigen Hakenkreuz.

Totenkopf: Der Totenkopf war das Symbol der SS-Totenkopfverbände, die für die Bewachung der Konzentrationslager zuständig waren. Mit geschlossenen Zähnen, Schädelnähten und im Inneren des Schädels gekreuzten Knochen ist das Symbold in Deutschland verboten. Neonazis benutzten das Motiv daher gerne in leicht abgewandelter Darstellung.

Zahnrad: Es war das Symbol der Deutschen Arbeitsfront im Nationalsozialismus. Noch heute wird es von Rechtsextremen verwendet.

• Zahlencodes:

18 und 88: Am bekanntesten und beliebtesten sind die 18 und die 88. Dabei bezeichnen die Ziffern die Platzierung des Buchstaben im Alphabet, die 1 steht für A, die 8 für den achten Buchstaben H – also steht 18 für Adolf Hitler und 88 für „Heil Hitler“.

Oft wird auch statt der 88 der Code H8 benutzt, was gleichzeitig auch auf Englisch ausgesprochen „hate“, also Hass, heißt.

13/4/7: Der Zahlencode steht für die Abkürzung MdG, der strafbaren Formel „mit deutschem Gruß“.

19/8: Gemeint sind der 19 und der 8 Buchstabe des Alphabets, übersetzt die Abkürzung für „Sieg Heil“.

28: Diese Zahlenkombination steht für B&H, das in Deutschland verbotene rechtsextreme Netzwerk „Blood&Honour“.

14: Die 14 als Zahlensymbol steht für „14 words“ und meint damit die aus 14 Wörtern bestehende rassistische Parole „We must secure the existence of our people and a future for white children“ („Wir müssen die Existenz unseres Volkes und die Zukunft der weißen Kinder sichern“).

Dieser Satz stammt von dem US-Amerikaner David Lane, der Mitglied in der rechtsterroristischen Organisation „The Order“ war, die in den 80er Jahren in den USA aktiv war. Die Mitglieder wollten einen Staat gründen, aus dem alle Juden und Nicht-Weißen verbannt werden sollten.

14/88: Rechtsrock-CDs kosten bei neonazistischen Versandhandlungen oft 14,88 Euro.

168:1: Sieht man diese Zahlenkombination, ist ein Sprengstoffanschlag in Oklahoma City am 19. April 1995 gemeint. Der rechtsextreme Täter tötete damals 168 Menschen. Es stehe „168 zu eins“, soll der Mann damals einem Journalisten gesagt haben. Er fühle sich als Sieger.

• Akronyme

WAR/WAW steht für „White Aryan Restistance“ bzw. das deutsche Pendant „Weißer Arischer Widerstand“.

RaHoWa steht für „Racial Holy War“, also „heiliger Rassenkrieg“, und wird weltweit als Schlachtruf, Grußformel oder T-Shirt-Aufdruck genutzt.

SGH steht als Abkürzung für „Sieg Heil“.

• Kleidung:

Auch auf Kleidung gedruckte Symbole, Schriftzüge, Zeichen oder Bilder weisen deutlich auf die Zugehörigkeit zur rechten Szene hin – zum Beispiel Abbildungen, die sich gegen Feindbilder der Rechtsextremen richten oder Schriftzüge rechtsextremer Bands, wie „Kraftschlag oder „Die Lunikoff Verschwörung“.

Es gibt aber auch nicht ganz so eindeutige Hinweise. So kleiden sich Neonazis längst nicht mehr dem Klischeebild entsprechend. Inzwischen kopieren sie den Stil von Jugendsubkulturen wie der Hipster oder übernehmen den Kleidungsstil von Linksautonomen mit schwarzen Kapuzenpullis und Basecaps.

Auch einen weltweiten Modetrend machten sich Neonazis zu eigen – das Weglassen von Vokalen eines Wortes. So wurde aus Hakenkreuz der Schriftzug HKNKRZ. Denn auch wenn das Symbol verboten ist, das Wort ist es nicht. Rechtsextreme tragen den Schriftzug gerne im Stil des Run-DMC-Logos.

Auch bestimmte Marken machen sich Neonazis zu eigen. Wie zum Beispiel Lonsdale. Ein Label, das vor allem in den 90er Jahren in der Szene getragen wurde. Die britische Modemarke engagierte sich seit den 2000ern glaubwürdig gegen Rechts und ist seitdem nicht mehr angesagt.

Ähnliches trifft auch auf Fred Perry zu. Die Marke war unter anderem wegen des Firmenlogos, das einen Lorbeerkranz zeigt, bei Skinheads beliebt, befreite sich aber schnell mit Antirassismuskampagnen von seinem Image.

Auch eigentlich unpolitische Marken wie New Balance oder Helly Hansen werden von Neonazis missbraucht. Sie interpretieren die Initalien einfach um – das „N“ auf den Sneakern steht dann für National(sozialist), das „HH“ auf der markanten Jacke für „Heil Hitler“.

Inzwischen tragen Rechtsextreme aber vor allem Kleidung von Labels, die von Leuten aus der Szene betrieben werden. Wie zum Beispiel Consdaple. Mit der Gründung der Firma reagierten Rechtsextremisten auf die Distanzierung der britischen Firma Lonsdale. Consdaple hat als Logo einen stilisierten Adler, der an das Hoheitszeichen des Dritten Reiches erinnert. Wird eine Jacke über einem Shirt mit dem Schriftzug getragen, ist lediglich nur noch das Akronym NSDAP zu lesen.

Weitere in der Szene beliebte Modelabel sind Thor Steinar, Masterrace oder Ansgar Aryan. Die Marke Rizist verdeutlicht den Stilwandel der rechtsextremen Szene. Die Kleidung des Unternehmens hat verschnörkelte Graffitischritzüge und ähnelt Mode aus dem Hip-Hop-Bereich.

Weitere Informationen gibt es in der Broschüre „Rechtsextremismus: Symbolde, Zeichen und verbotene Organisationen“ des Bundesamt für Verfassungsschutzes

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