Kommentar

Dienstwagen - Umwelt versus Steuergeld

Die Dienstwagen-Liste zeigt die Probleme der Autobranche. Für was sich die Politiker entscheiden sollen, rät Joachim Fahrun.

Joachim Fahrun

Joachim Fahrun

Foto: Reto Klar

Saubere Mobilität ist gewünscht. Autos, die möglichst wenig Schadstoffe wie Kohlendioxid und Stickoxid in die Luft blasen, sollten viel häufiger auf unseren Straßen unterwegs sein. Wenn man schon durch die Stadt fahren muss, dann bitte möglichst umwelt- und menschenschonend. So weit die Theorie.

Die Modellliste, aus der Berlins Senatoren und Staatssekretäre ihre Dienstwagen zum Leasing aussuchen dürfen, legt die Problematik der Autobranche offen, vor allem der deutschen Hersteller. Zwölf als Dienstwagen taugliche Modelle haben die Beamten identifiziert. Sechs davon sind saubere Hybrid-Wagen. Der einzige aus deutscher Produktion ist ein Audi A4, der ziemlich klein ausfällt für Fahrer, Spitzenpolitiker und Aktenkoffer. Die anderen kommen aus Japan und Schweden.

„Lieferschwierigkeiten“ habe etwa Volkswagen für seinen bisher unter Berlins Politikern beliebten Hybrid-Passat. Während der größte Autokonzern der Welt seine Wagen wegen der verschärften Abgastests nach dem von ihm selbst ausgelösten Dieselskandal auf Halde produziert und sie am BER parkt, kann er die überaus gefragten sauberen Modelle nicht ausliefern.

Andere Hersteller lassen sich die große Nachfrage teuer bezahlen. Obwohl die Anschaffungspreise für Hybrid-Autos jedenfalls nach der Senatsliste nicht immer höher liegen als die herkömmlicher Diesel oder Benziner, nehmen sie drei- bis siebenmal so hohe Leasingraten. Während die deutschen Konzerne versuchen, ihre angesichts drohender Fahrverbote schwer verkäuflichen Diesel zu Kampfpreisen vom Hof zu bekommen, langen andere für ihre Hybrid-Wagen ziemlich zu.

Die Politiker stecken in der Zwickmühle. Umwelt schonen oder Steuergeld sparen. Angesichts der guten Finanzlage und der Symbolkraft ihrer Entscheidung sollten sie sich für die Umwelt entscheiden, auch um den deutschen Konzernen weiter Druck zu machen.

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