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Poggenburg entschuldigt sich für „Rattenloch“-Bezeichnung

Intrigen und Querelen bei der AfD in Sachsen-Anhalt: Ex-Landesparteichef André Poggenburg tobt – weil pikante Chats öffentlich wurden.

André Poggenburg, ehemaliger Landesparteichef der AfD in Sachsen-Anhalt.

André Poggenburg, ehemaliger Landesparteichef der AfD in Sachsen-Anhalt.

Foto: Christian Schroedter / imago/Christian Schroedter

Berlin.  Nach seiner internen „Rattenloch“-Äußerung über die eigene Partei hat sich der Ex-Chef der sachsen-anhaltischen AfD, André Poggenburg, öffentlich für den Ausdruck entschuldigt. Er habe in einer internen Gruppe allgemein Parteien so betitelt und nicht explizit die AfD, twitterte der 43-Jährige am Dienstagabend. „Trotzdem entschuldige ich mich hier für diesen Ausdruck!“

Zuvor war bekannt geworden, dass Poggenburg harsche Worte in einem internen AfD-Chat an seine Parteikollegen gerichtet hatte. Dabei nutzte er auch die Formulierung „Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Fraktion überhaupt sein kann“.

Hintergrund sind private Textnachrichten zwischen ihm und einer Frau, die auf einem linken Internetportal hochgeladen wurden. „Für mich ist klar, dass das aus der Partei kommt“, sagte Poggenburg dazu und kündigte eine Strafanzeige gegen Unbekannt an.

Chatverlauf auf linker Internetseite veröffentlicht

„Ich gehe davon aus, dass parteiinterne Gegner mein Image beschädigen wollen“, sagte Poggenburg zuvor der „Volksstimme“. „Dabei nehmen sie die Beschädigung der Partei mit in Kauf.“

Bei den Chats handelt es sich um Botschaften mit erotischen Vorlieben und Fotos. Poggenburg selbst erklärte, die Daten seien äußerst kompromittierend. Gegenüber seiner Lebenspartnerin müsse er dafür die Verantwortung übernehmen. Hinzu kommt, dass der Chatverlauf ausgerechnet auf der linken Internetseite „Indymedia“ veröffentlicht wurde.

Damit nicht genug: Auch die Inhalte einer internen WhatsApp-Chatgruppe des AfD-Landesverbandes Sachsen-Anhalt wurden geleakt. Dort hatte Poggenburg laut „Volksstimme geschrieben, seine Gegner hätten mit dem „linken Mob und Feind paktiert“.

André Poggenburg schimpft über „Rattenloch“

Und weiter: „Ich frage mich ernsthaft, was für ein Rattenloch eine Partei oder Fraktion überhaupt sein kann“, schrieb Poggenburg in dem Chat. „Eine solche niederträchtige Tat“ traue er nur ganz wenigen seiner Gegner in der AfD zu. Poggenburg sprach von einer „neuen, perfide Masche“. Starker Tobak, auch für die AfD, wo innerparteiliche Intrigen nicht selten vorkommen.

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Poggenburg will gegen die Durchstechereien juristisch vorgehen. Er stelle Strafanzeige gegen Unbekannt, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“.

André Poggenburg war im März als Partei- und Fraktionschef der AfD in Sachsen-Anhalt zurückgetreten . Zuvor hatte ihm seine Fraktion im Landtag das Vertrauen entzogen. Zuvor hatte Poggenburg Türken unter anderem als „Kümmelhändler“ und „Kameltreiber“ beleidigt.

Kritik an Poggenburg

Es ist nicht das erste Mal, dass ein geleakter Chat der AfD für Aufregung sorgt. Im Juni vergangenen Jahres setzten WhatsApp-Nachrichten den AfD Landesverband von Sachsen-Anhalt unter Druck. Auch hier waren es vor allem Nachrichten von Poggenburg, der für Aussagen wie „Deutschland den Deutschen“ kritisiert wurde. Auch AfD-Bundeschef Jörg Meuthen distanzierte sich anschließend. (W.B.)