Kulturrat

Kulturhauptstadt Chemnitz – „Rückzug wäre falsches Signal“

Soll Chemnitz nach den Neonazi-Aufmärschen seine Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas stoppen? Der Kulturrat hat eine klare Meinung.

Ein starker Staat sei notwendig, um den Rechtsfrieden zu gewährleisten, sagte Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) nach den Vorfällen in Chemnitz.

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Berlin.  Der Deutsche Kulturrat hat sich klar gegen einen Verzicht der Stadt Chemnitz auf die Bewerbung als Kulturhauptstadt Europas 2025 wegen der ausländerfeindlichen Ausschreitungen ausgesprochen.

„Wenn Chemnitz jetzt seine Bewerbung für die Kulturhauptstadt Europas 2025 zurückziehen würde, wäre dies das komplett falsche Signal. Es wäre die Kapitulation vor den Rechtsextremen und Neonazis“, sagte der Geschäftsführer des Kulturrats, Olaf Zimmermann, unserer Redaktion.

Nach dem gewaltsamen Tod eines 35-jährigen in der Nacht zu Sonntag war es am Sonntag und Montag in Chemnitz zu Neonazi-Demonstrationen gekommen, bei denen gegen Ausländer gehetzt und der Hitlergruß gezeigt wurde.

„Chemnitz ist, was wir daraus machen“

Die Stadt Chemnitz strebt den Titel „Kulturhauptstadt Europas“ 2025 an. Unter dem Motto „AUFbrüche“ präsentiert die Stadt unter anderem eine „Kulturstrategie für eine lebenswerte Stadt“. Die Suche nach Ideen für Hauptstadt-Projekte trägt die Überschrift „Chemnitz ist, was wir daraus machen“. Zu den Konkurrenten gehören unter anderem Magdeburg, Hannover und Nürnberg.

Verletzte bei neuen Ausschreitungen in Chemnitz

„Bei einer Kulturhauptstadt geht es ja nicht allein um ein schönes Museum oder ein historische Altstadt“, sagte Zimmermann. „Es geht auch und vor allem darum, Debatten zu führen über Themen wie Zivilgesellschaft, Migration oder Heimat.“ Schließlich gehe es bei der Bewerbung nicht um ein nationales Ereignis, sondern um eine europäische Idee.

Chemnitz sollte gerade nach den Ereignissen der letzten Tage diese Themen offensiv in den Mittelpunkt seiner Bewerbung stellen“, forderte der Kulturrat-Geschäftsführer. „Das Thema Migration muss sich zwingend in der Bewerbung wiederfinden. Eine europäische Kulturhauptstadt erfüllt nur dann ihren Zweck, wenn dabei aktuelle Diskussionen geführt werden.“

Kulturhauptstadt Europas seit 1985

Der Titel „Kulturhauptstadt Europas“ wird seit 1985 jeweils für ein Jahr verliehen. Die Europäische Kulturhauptstadt 2025 wird 2020 nach einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren vom Rat der EU ernannt . Zwei Städte tragen pro Jahr diesen Titel. 2025 stellen Deutschland und Slowenien die Kulturhauptstadt.

Die offizielle Bewerbungsphase für die Städte in startet am 24. September 2018, die endgültige Entscheidung fällt 2020. In Deutschland trugen zuletzt West-Berlin (1988), Weimar (1999) und Essen (2010) den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“.