Zuwanderung

Mehr Migranten reisen unerlaubt mit Zügen und Lkw ein

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Tim Braune
Ein Bundespolizist kontrolliert einen Güterzug mit Lkw-Auflieger.

Ein Bundespolizist kontrolliert einen Güterzug mit Lkw-Auflieger.

Foto: Patrick Seeger / dpa

Die Zahl der Zuwanderer, die illegal mit Lkw oder Zügen einreisen, ist gestiegen. Seehofer lobt die Arbeit der Grenzpolizei in Bayern.

Freilassing/Berlin.  Es ist eine Fahrt auf Leben und Tod, versteckt in Hohlräumen und auf Ladeflächen, oft nur wenige Zentimeter über den Gleisen oder der Straße. Seit in Europa viele Grenzen wieder schärfer kontrolliert werden, weichen Flüchtlinge vermehrt auf Lastwagen und Güterwaggons aus, um auf diesem Weg nach Deutschland zu kommen.

So hat die Bundespolizei in den ersten sechs Monaten insgesamt 359 unerlaubte Einreisen in Güterzügen festgestellt, wie sie auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte. Im ersten Halbjahr 2017 waren 201 Migranten als blinde Passagiere auf Güterzügen entdeckt worden. Aktuelle Brennpunkte sind die Grenzen zur Schweiz und zu Österreich. Auffällig ist, dass die meisten per Güterzug illegal eingereisten Menschen aus Afrika kommen. So waren die Hauptnationalitäten im ersten Halbjahr nach Angaben der Bundespolizei Nigeria, Sierra Leone, Gambia, Tunesien, Marokko, Guinea, Senegal, Ghana und Kamerun.

Schlepper bringen Migranten per Lkw nach Deutschland

Ein anderes Bild zeigt sich bei der illegalen Einreise auf Lastwagen nach Deutschland. Hier sind es vor allem Migranten aus dem Nahen und Mittleren Osten, die es mit der Hilfe von Schleppern in die Bundesrepublik oder weiter nach Skandinavien schaffen wollen.

So fielen Grenzschützern bei Kontrollen von Lastwagen zwischen Januar und Juni insgesamt 266 Personen auf, die illegal nach Deutschland einreisen wollten. Im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres waren es 106 Fälle gewesen. Fündig wurde die Bundespolizei vor allem in Lastwagen, die aus der Tschechischen Republik und aus Österreich kamen. Hauptnationalitäten waren Irak, Iran, Afghanistan, Syrien, Türkei, Somalia, Nigeria, Pakistan und Palästina.

Ob bayerische Grenzer Migranten zurückweisen, ist unbekannt

Am Montag machte sich Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) in Saalbrücke selbst ein Bild von der Lage. Dort hat die umstrittene bayerische Grenzpolizei – die Kontrollen nur mit Erlaubnis oder auf Aufforderung der Bundespolizei durchführen darf – in sechs Wochen rund 1750 Anzeigen gestellt, davon 220 wegen unerlaubter Einreise ins Bundesgebiet. Auch mehrere Schleuser seien festgenommen worden, sagte der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) nach einem gemeinsamen Besuch der Grenzkontrollstelle Freilassing an der Grenze zu Österreich.

Eine brisante Zahl blieben Herrmann und CSU-Chef Seehofer bei dem Termin allerdings schuldig: Wie viele Menschen nach einer Festnahme durch die bayerische Grenzpolizei von der dafür zuständigen Bundespolizei ins Ausland zurückgewiesen wurden, sagten die Minister nicht.

Herrmann erklärte, die Arbeit der Grenzpolizei sei nicht auf diesen Aspekt zu reduzieren. Seehofer sprach von „sehr überzeugenden Zahlen“ und betonte, er sei sehr zufrieden mit der Arbeit der bayerischen Grenzpolizei. Bayern habe eine Vorbildfunktion für ganz Deutschland. Er befinde sich in Gesprächen sowohl mit der Europäischen Kommission als auch mit anderen Bundesländern über „intelligente Grenzkontrollen“. Die Kontrollen in Bayern hätten das „notwendige Maß“ und seien „wirksam“. Aktuell sind bei der bayerischen Grenzpolizei 500 Polizisten im Einsatz, bis 2023 sollen es 1000 Stellen sein. (mit epd)

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