Kriegsverbrechen

Wolffsohn: Ex-KZ-Aufseher Palij nicht zum Märtyrer machen

Der Ex-KZ-Aufseher Jakiw Palij ist aus den USA nach Deutschland abgeschoben worden. Soll er vor Gericht? Nein, so Historiker Wolffsohn.

Der Historiker und Publizist Michael Wolffsohn in der ARD-Talksendung „Anne Will“.

Der Historiker und Publizist Michael Wolffsohn in der ARD-Talksendung „Anne Will“.

Foto: Karlheinz Schindler / dpa

Passau.  Der Historiker und Publizist Michael Wolffsohn hält wenig von einem Gerichtsverfahren gegen den 95 Jahre alten früheren KZ-Aufseher Jakiw Palij. „Der Tatbestand des Mordes ist offensichtlich eindeutig“, sagte Wolffsohn der „Passauer Neue Presse“. Doch würde ein Gerichtsverfahren aus dem alten Mann einen Märtyrer machen.

Palij war am Dienstag aus den USA nach Deutschland abgeschoben worden. Er soll im NS-Arbeitslager Trawniki im besetzten Polen als Aufseher an Verbrechen beteiligt gewesen sein. Die USA hatten bereits seit 2004 versucht, Palij abzuschieben.

Der gebürtige Pole, der auf dem Gebiet der heutigen Ukraine geboren wurde, war 1949 in die USA emigriert und 1957 amerikanischer Staatsbürger geworden. Weil er falsche Angaben zu seiner Beteiligung an NS-Kriegsverbrechen gemacht hatte, wurde ihm 2003 die US-Staatsbürgerschaft entzogen.

Keine strafrechtlichen Ermittlungen in Deutschland

In Deutschland laufen gegen Palij, der am Dienstag in ein Pflegeheim im münsterländischen Ahlen gebracht wurde, keine strafrechtlichen Ermittlungen. Wolffsohn sagte, die Bundesregierung sollte seine Straftaten veröffentlichen. „Deutschland trägt hier historische Verantwortung. Der Mann trug eine deutsche Uniform. Er hat mitgemordet“, sagte der Historiker.

Die sinnvollste Strafe für Palij wäre nach Wolffsohns Worten, wenn dieser in der Öffentlichkeit eine Armbinde mit der Aufschrift „Ich war KZ-Wächter“ tragen müsste. „Das wäre eine wirksame Strafe für ihn und Abschreckung für andere. Es wäre dem biblischen Kainszeichen ähnlich“, sagte der emeritierte Professor: „Dieses macht den Täter erkennbar und schützt ihn gleichzeitig vor rächender Gewalt.“ (epd)

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