NS-Zeit

Ehemaliger KZ-Aufseher in Altenheim in Ahlen untergebracht

Ein ehemaliger SS-Mann ist von den USA nach Deutschland abgeschoben worden. Die Aktion erfolgte auf Initiativen von Präsident Trump.

Jakiw Palij, ein ehemaliger SS-Mann, wird auf einer Trage aus seinem Haus im Stadtteil Queens getragen.

Jakiw Palij, ein ehemaliger SS-Mann, wird auf einer Trage aus seinem Haus im Stadtteil Queens getragen.

Foto: Uncredited / dpa

Washington.  Die USA haben den früheren SS-Mann Jakiw Palij, der als Aufseher im Konzentrationslager Trawniki im besetzten Polen tätig war, nach Deutschland abgeschoben. „Um das Freiheitsversprechen zu wahren, das Holocaust-Opfern und ihren Familien gegeben wurde“, habe Präsident Trump die Abschiebung des heute 95-Jährigen zur Priorität gemacht, teilte das Weiße Haus am Dienstag mit.

„Die Vereinigten Staaten werden niemanden tolerieren, der NS-Verbrechen und andere Menschenrechtsverstöße unterstützt hat, und diese Personen werden auf amerikanischem Boden keine Zuflucht finden“, hieß es. Ob er in Deutschland angeklagt wird, ist fraglich.

Palij lebt jetzt in Ahlen

Palij ist nach der Landung an Bord einer Militärmaschine am Dienstagmorgen auf dem Düsseldorfer Flughafen in einem Pflegeheim in Ahlen im Münsterland untergebracht worden. Das bestätigte der zuständige Kreis Warendorf am Dienstag. Das Pflegeheim sei von Bund und Land ausgesucht worden – weshalb die Wahl auf Ahlen gefallen sei, wisse er nicht, sagte Landrat Olaf Gericke.

Man habe die Ankunft des 95-Jährigen seit dem 7. August vorbereitet und mit der Polizei über eventuell nötige Schutzmaßnahmen für Palij und das Pflegeheim gesprochen, sagte ein Sprecher.

NS-Vergangenheit in den USA verheimlicht

„Wir stellen uns der moralischen Verpflichtung Deutschlands, in dessen Namen unter den Nazis schlimmstes Unrecht getan wurde“, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD) der FAZ. „Zu dem Auftrag, der uns aus unserer Geschichte erwächst, gehören die Aufarbeitung und ehrliche Auseinandersetzung mit den Verbrechen der NS-Terrorherrschaft.“

Die Bundesregierung übernehme Verantwortung gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus wie auch unseren internationalen Partnern, so Maas weiter, „auch wenn uns das bisweilen schwierige politische Abwägungen abverlangt“.

Palij, der auf dem Gebiet der heutigen Ukraine geboren wurde, sei 1949 in die USA ausgewandert und habe 1957 die amerikanische Staatsbürgerschaft angenommen. Er habe den USA damals seine Nazi-Vergangenheit verheimlicht und angegeben, auf einem Bauernhof und in einer Fabrik gearbeitet zu haben.

Ein US-Gericht hatte dem früheren SS-Mann bereits 2003 die Staatsbürgerschaft entzogen. 2004 sei seine Abschiebung erstmals angeordnet worden, bis jetzt aber ohne Erfolg geblieben, so die Mitteilung.

Palij war einer der „Trawniki-Männer“

Der Abschiebung seien „umfangreiche Verhandlungen“ vorausgegangen, hieß es darin weiter. Der Vorgang fördere „die Zusammenarbeit mit einem zentralen europäischen Bündnispartner der Vereinigten Staaten.“

Palij, ein gebürtiger Pole, war 1941 im KZ Trawniki als Helfer der SS tätig. Er war einer der sogenannten Trawniki-Männer, von denen manche auch direkt an der Vernichtung von Juden beteiligt waren.

Der bekannteste dieser Männer war John Demjanjuk, der von den USA 2009 nach Deutschland abgeschoben worden war. Drei Jahre später verurteilte ihn das Landgericht München wegen Beihilfe zum Mord an mehr als 28.000 Menschen zu fünfeinhalb Jahren Haft. Bevor das Urteil rechtskräftig wurde, starb Demjanjuk 2012. (W.B./dpa)