Washington

Wer nimmt es mit Donald Trump auf?

Drei Dutzend Namen werden bei den Demokraten für die Präsidentschaftswahl 2020 gehandelt. Aussichtsreichster Kandidat momentan: Barack Obamas Vize Joe Biden

Washington. Die Halbzeitwahlen im Kongress im November sind nur der Aufgalopp. In etwas mehr als 800 Tagen wollen die Demokraten in Amerika die noch immer noch nicht vollständig verdaute Niederlage Hillary Clintons von 2016 vergessen machen und Donald Trump den Weg zu einer zweiten Amtsperiode verbauen. Wer es aus der von Finanznot und Richtungskämpfen geschüttelte Partei mit dem New Yorker Geschäftsmann aufnehmen wird, so er denn erneut antritt, ist die Eine-Million-Dollar-Frage in Washington.

Weil zum ersten Mal seit 2004 kein „geborener“ Aspirant wie Hillary Clinton oder Barack Obama existiert, der (oder die) schon jetzt gefühlt die größte Schnittmenge aus millionenschweren Geldgebern und potenziellem Wahlvolk hinter sich bringen kann, schießen immer mehr Namen ins Kraut. Es sind zwischen zehn und 40 Frauen und Männer, denen Chancen eingeräumt werden, so sie denn ihren Hut für das parteiinterne Schaulaufen („Primaries“) in den Ring werfen. Bis auf den weithin unbekannten Kongress-Abgeordneten John Delaney aus Maryland hat noch niemand unmissverständlich den Kopf herausgestreckt. „Ich bin glücklich, da wo ich bin“ lautet eine Standard-Antwort. „Ich halte mir meine Optionen offen“, eine andere.

Es wäre auch vor den Midterms politisch unklug, sich vorzeitig zu outen. Erst wenn klar ist, ob Trump und die Republikaner weiter aus einem Guss durchregieren können oder ob im Kapitol von Washington eine Blockadepolitik einzieht, weil die Demokraten in der einen und die Republikaner in der anderen Kammer die Mehrheit haben, wird sich das Feld rasch lichten.

Nichtsdestotrotz läuft in der US-Hauptstadt das Who-is-running-Spiel auf Hochtouren. Wer wird kandidieren? Grob sieht das aus Andeutungen der betreffenden Personen und Eindrücken vieler Medien gespeiste Personal-Tableau derzeit so aus:


Ex-Minister und hohe Funktionsträger Joe Biden (Ex-Vizepräsident unter Obama) und Eric Holder (Ex-Justizminister, ebenfalls unter Obama).

Senatoren Cory Booker (New Jersey), Kirsten Gillibrand (New York), Kamala Harris (Kalifornien), Bernie Sanders (Vermont), Elizabeth Warren (Massachusetts), Amy Klobuchar (Minnesota), Jeff Merkley (Oregon), Chris Murphy (Connecticut), Sherrod Brown (Ohio).

Repräsentantenhaus John Delaney (Maryland), Tim Ryan (Ohio), Tulsi Gabbard (Hawaii), Seth Moulton (Massachusetts).


Gouverneure Steve Bullock (Montana), John Hickenlooper (Colorado), Terry McAuliffe (früher Virginia), Andrew Cuomo (New York), Jay Inslee (Washington State), Deval Patrick (früher Massachusetts).

Bürgermeister Julian Castro (San Antonio), Eric Garcetti (Los Angeles), Mitch Landrieu (bis vor Kurzem New Orleans), Bill de Blasio (New York).

Welt der Wirtschaft Mark Cuban (Besitzer des NBA-Basketball-Klubs, für den Dirk Nowitzki spielt), Tom Steyer (Hedgefonds-Milliardär aus Kalifornien), Howard Schultz (Ex-CEO des Kaffee-Riesen Starbucks), Sheryl Sandberg (Facebook-Vize), Oprah Winfrey (afro-amerikanischer TV-Star).

Schaut man genauer hin und nimmt die wenigen existierenden Umfragen aus den vergangenen vier Wochen halbwegs ernst, trennt sich die Spreu vom Weizen und legt ein erhebliches Altersproblem frei. Denn mit Obamas Vizepräsident Joe Biden, der am Wahltag 2020 bereits 77 Jahre alt wäre, und dem Hillary Clinton-Widersacher Bernie Sanders (er wäre 79), rangieren zwei Oldies auf den vorderen Plätzen. Beide haben sich bisher nicht erklärt, Biden will es spätestens im Januar 2019 tun. Beide machten in jüngster Zeit allerdings durch Reisen in traditionell wichtige Vorwahl-Bundesstaaten auf sich aufmerksam. Und von Sanders, einem sozialdemokratisch angehauchten Volkstribun mit Appeal in jüngere Wählerschichten, weiß man, dass er die parteinterne Niederlage 2016 gegen Clinton als Ansporn für einen zweiten Versuch begreift.

Das Alter würde in beiden Fällen nach Einschätzung von Demoskopen eine zentrale Rolle spielen. „Die Republikaner und alle Trump tragenden Medien würden die Fitness der Herausforderer zum Dauerthema machen“, sagte ein ehemaliger demokratischer Wahlhelfer aus Baltimore dieser Zeitung.

Weil Trump durch seine hinreichend belegten frauenfeindlichen Äußerungen und Aktivitäten einen wahren Boom bei weiblichen Kandidaten auf allen Ebenen (Stadt, Bundesstaat, Zentralstaat) ausgelöst hat, raten Analysten dazu, die Spitzen-Frauen bei den Demokraten näher in Augenschein zu nehmen. Allen voran: Elizabeth Warren (69). Die Senatorin aus Massachusetts steht wie Sanders für eine tendenziell linke Umverteilungspolitik von Reich zu Arm, eine liberale Einwanderungspolitik und die Verbannung von „Big Money“ aus dem politischen Geschäft.

Gemäßigte sehen Linksruck mit Unbehagen entgegen

Anders als Kirsten Gillibrand oder die machtbewusste Kamala Harris (beide ebenfalls Senatorinnen, beide jünger) kann Warren aus dem vergangenen Wahlkampf eine landesweite Bekanntheit beanspruchen. Sie war eine der schärfsten Kritikerinnen Trumps, der sie im Gegenzug ob ihrer etwas zweifelhaften indianischen Herkunft regelmäßig mit dem Titel einer legendären Indianerin durch den Kakao zog: Pocahontas.

Gemäßigte Parteikreise, denen nicht zuletzt Barack Obama mit einer Empfehlungsliste für Kandidatinnen und Kandidaten für die Zwischenwahlen beigesprungen ist, sehen einem programmatisch-personellen Linksruck mit Unbehagen entgegen. „Das kann zum einen Trump-Wähler, die nicht mehr zufrieden sind mit ihrem Hoffnungsträger, mobilisieren“, sagt ein Wahl-Experte der Denkfabrik Cato, „und es kann unabhängige Wähler vergrätzen, die von Extremen an beiden Enden des Parteienspektrums die Nase voll haben.“

Wie sich das interne Schaulaufen bei den Demokraten anlässt, wird bereits im ersten Quartal des kommenden Jahres erkennbar sein. Mit der ersten Frist für Wahlkampfspenden im März, so sagen Analysten, müssten Interessenten bereits 20 Millionen Dollar eingesammelt haben. „Wer in dieser Liga nicht mitspielen kann, ist nahezu chancenlos.“

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