Technik

So gefährlich sind die Waffen aus 3D-Druckern wirklich

Baupläne aus dem Netz laden, per 3D-Drucker ausdrucken und abdrücken. Sind schussfähige Waffen wirklich so einfach herzustellen?

Aus Plastik, aber tödlich: eine Pistole aus einem 3-D-Drucker.

Aus Plastik, aber tödlich: eine Pistole aus einem 3-D-Drucker.

Foto: Jay Janner / dpa

Berlin.  Herunterladen, ausdrucken, schießen. Ein US-Bundesgericht fürchtet offenbar genau solch ein Szenario für Selbstbau-Schusswaffen aus dem 3D-Drucker. Deshalb hat es am Mittwoch der amerikanischen Organisation Defence Distributed verboten, Pläne für druckbare Schusswaffenteile dauerhaft im Internet anzubieten.

Doch ist die Herstellung solcher Waffen tatsächlich so einfach? Kann jeder 3D-Drucker schussfertige Pistolen herstellen? Und ist das auch in Deutschland möglich? Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Worum genau geht es bei dem verhandelten Fall?

Der Amerikaner Cody Wilson setzt sich seit Jahren mit seiner Organisation Defense Distributed für die unkontrollierte Abgabe bzw. den Selbstbau von Schusswaffen in den USA ein. Im Jahr 2013 stellte er den „Liberator“ vor, eine Ein-Schuss-Pistole aus Plastik, die komplett aus dem 3D-Drucker stammt. Nur wenige Tage, nachdem Wilson die Pläne für die Waffe ins Netz gestellt hatte, wurde ihm dies vom US-State-Departement untersagt, da er damit Gesetze zum Waffenexport verletze.

Wilson klagte 2015, und vor wenigen Wochen kam es zu einer außergerichtlichen Einigung zu seinen Gunsten. Defense Distributed eröffnete Anfang dieser Woche eine Datenbank, in der neben den Plänen für den „Liberator“ auch die für andere Waffenteile zu finden waren, etwa das untere Verschlussgehäuse des Sturmgewehrs AR-15 oder alle Teile einer Beretta-M9-Pistole. Nach dem jüngsten Eingreifen des US-Gerichts ist die Webseite wieder offline.

Kann jedermann die Pläne nutzen, um sich Waffen auszudrucken?

Nur sehr bedingt. Immerhin, die Pläne sind verfügbar. Denn auch wenn ein US-Richter den freien Zugang zu den „Liberator“-Blaupausen wieder verboten hat – seit ihrer erstmaligen, kurzzeitigen Veröffentlichung 2013 kursieren Kopien davon im Netz. Wer gründlich sucht, wird sie vermutlich auch finden.

Allerdings sind die so erzeugten Waffen nicht wirklich nutzbar. Britische Waffenexperten der Polizei druckten 2014 mehrere Exemplare aus – alle explodierten beim Versuch, sie abzufeuern. Es brauche Fachwissen und den richtigen Munitionstyp, um die Waffen erfolgreich abfeuern zu können.

Tatsächlich behaupten manche Nutzer im Netz, einen oder mehrere Schüsse aus einem gedruckten „Liberator“-Modell abgegeben zu haben. Die britischen Experten raten entschieden davon ab, es selbst auszuprobieren. Nach ihrer Einschätzung stellen die ausgedruckten Pistolen vor allem für den Schützen eine große Gefahr dar.

Zumindest in Deutschland dürfte darüber hinaus das noch größere Problem darin bestehen, an Munition zu gelangen – die lässt sich nämlich nicht ausdrucken.

Wie funktionieren 3D-Drucker für Privatanwender, und warum eignen sie sich nicht für Waffendruck?

Mittlerweile gibt es zahlreiche verschiedene Verfahren zum 3D-Druck. Günstige Modelle für den Privatanwender funktionieren aber fast ausschließlich nach dem sogenannten FDM-Prinzip – der Schmelzschichtung. Dabei wird Kunststoff durch Hitze verflüssigt und der zu druckende Körper Schicht für Schicht übereinander „gemalt“. Die einzelnen Schichten sind nur Millimeterbruchteile dick, ein Bauteil besteht also aus Hunderten miteinander verschmolzener Plastikschichten.

Als Material kommen meist die Kunststoffe PLA oder ABS zum Einsatz. Sie sind allerdings bei Weitem nicht schlagfest genug, um dem Abfeuern einer Patrone sicher standzuhalten. Zudem ist die maximale Größe von Bauteilen bei erschwinglichen Druckern oft auf eine Kantenlänge von zehn Zentimetern beschränkt.

Moderne 3D-Drucker können auch Metalle drucken. Ließen sich damit funktionsfähige Waffen herstellen?

Tatsächlich gibt es mittlerweile auch Geräte, die virtuelle 3D-Formen aus Metall nachbilden können. Bereits 2013 hat das 3D-Druck-Unternehmen Solid Concepts zu Demonstrationszwecken einige Pistolen aus Metall gedruckt und die einzelnen Exemplare zu einem Preis von knapp 12.000 Dollar angeboten. Die so hergestellten Waffen hätten tatsächlich mehrere Tausend Schüsse abgeben können.

Für den Hausgebrauch eignet sich das Verfahren aber nicht: Laut Unternehmensangaben muss ein solcher Drucker von einem ausgebildeten Ingenieur bedient werden. Das Gerät kostete zudem über 500.000 Dollar und dürfte auch heute kaum erschwinglicher sein.

Gibt es andere Technologien, mit denen sich Pistolen oder Sturmgewehre zu Hause herstellen lassen?

Cody Wilsons Organisation Defence Distributed bietet auf ihrer Webseite für 2000 Dollar den „Ghost Gunner 2“ an, eine computergesteuerte Metallfräse. Damit sollen sich Kunden ein AR-15-Sturmgewehr ohne Seriennummer bauen können.

Tatsächlich wird aber nur ein zentrales Bauteil des Gewehrs aus speziellen, zu 80 Prozent fertiggestellten Rohlingen gefräst. Lauf, Griff und alle anderen Bauteile muss man sich separat dazu kaufen. Sie unterliegen in den USA als Waffenzubehör keinen Verkaufsbeschränkungen. Außerhalb der USA dürfte die „Ghost Gunner 2“-Fräse also ziemlich nutzlos sein.

Wie schätzt man in Deutschland das Risiko durch gedruckte Waffen ein?

Sebastian Fiedler, kommissarischer Chef des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, sieht in gedruckten Waffen nur eine weitere Facette von dubiosen Internetanleitungen zum Bau von Waffen oder Sprengstoff. Ausdruck und Besitz solcher Waffen seien nach deutschem Recht zudem strafbar.

Das drängendere Problem sieht der Kriminalbeamte aber nach wie vor woanders: „Es ist derzeit sehr viel einfacher, sich (illegal) so eine Waffe zu besorgen, als selbst eine herzustellen.“

Auch am Flughafen glaubt Fiedler an kein erhöhtes Risiko durch Kunststoffwaffen aus dem 3D-Drucker: „Es sollte bei Kontrollen am Flughafen schon heute keinen Unterschied machen, ob eine Waffe aus Metall oder Plastik besteht.“

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